Klimafinanzierung und Know-How mit der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg

18.05.2026 45 min Klaus Reichert

Zusammenfassung & Show Notes

Am konkreten Projekt mit Innovationscoaching nachhaltig innovativer werden und strukturiert Methoden, Teams & Führungskräfte entwickeln - ganz einfach mit meinem geförderten Beratungsprogramm. Der Link zum nächsten Schritt: https://www.klausreichert.de/coaching/

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Unternehmerischer Klimaschutz ist kein bloßer Trend mehr, sondern eine Managementaufgabe für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. In Episode 162 des Smart Innovation Podcast spricht Innovationscoach Dr. Klaus Reichert mit Julia Kovar, Leiterin der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, über konkrete Wege für Unternehmen, durch Klimafinanzierung Verantwortung zu übernehmen. Erfahren Sie, wie der Know-How Transfer gelingt, warum regionale Klimafinanzierung an Bedeutung gewinnt und wie das Label BW Zero echte Fortschritte in der Nachhaltigkeitsstrategie von Unternehmen messbar macht.

Kapitelübersicht
00:00 – Begrüßung und Vorstellung von Julia Kovar
04:52 – Pionierarbeit: Der Start der Stiftung während der Pandemie
10:56 – Klimaschutz im Diskurs: Vom Trend zum strategischen Management
16:58 – Zahlen und Wirkung: Ergebnisse aus fünf Jahren Stiftungsarbeit
21:46 – Der Klimafonds Baden-Württemberg: Naturbasierte Projekte vor Ort
33:24 – BW Zero: Das Label für umfassende Klimaschutzstrategien
37:46 – Der ideale Einstieg: Treibhausgasbilanzierung als Basis

Insights
Klimaschutz als strategisches Risikomanagement
Klimawandel wirkt nicht nur durch Emissionen eines Unternehmens auf die Umwelt, sondern beeinflusst direkt dessen Geschäftsmodell. Besonders Unternehmen mit komplexen Lieferketten müssen Klimarisiken heute einpreisen, um überlebensfähig zu bleiben. Julia Kovar betont, dass eine solide Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen die Zukunftsfähigkeit sichert und weit über eine bloße Belastung hinausgeht.

Regionale Klimafinanzierung statt reiner Kompensation
Der Fokus der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg hat sich von der reinen CO2-Kompensation hin zur Klimafinanzierung verschoben. Mit dem neu geschaffenen Klimafonds Baden-Württemberg werden naturbasierte Projekte wie die Vernässung von Mooren oder Agroforstsysteme direkt im Land gefördert. Ein wissenschaftlicher Standard sorgt dabei für Transparenz und eine gesicherte Pflege der Flächen über mindestens 20 Jahre.

Messbarkeit durch BW Zero und klare Prozesse
Um Greenwashing vorzubeugen, bietet das Label BW Zero eine unabhängige Prüfung der Klimaschutzmaßnahmen. Unternehmen erhalten damit ein Instrument, um ihre Fortschritte nach außen glaubwürdig zu kommunizieren. Der erste Schritt für jede Innovation im Klimabereich bleibt dabei die Treibhausgasbilanzierung, um Emissionsquellen präzise zu identifizieren und Reduktionsziele festzulegen.

Weitere Informationen, Links und die Möglichkeit mitzureden sind in den Show Notes: https://www.klausreichert.de/klimafinanzierung-und-know-how-mit-der-klimaschutzstiftung-baden-wuerttemberg/

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Im Smart Innovation Podcast gibt es umsetzungsorientierte und fokussierte Gespräche mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung im Kontext des Klimawandels.

Es geht um innovative agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie sowie den passenden Vorgehensweisen, Zukunft auch enkeltauglich zu entwerfen. Ebenso geht es um wechselnde aktuelle Themen wie neue Geschäftsmodelle, nachhaltige Produkte & digitale Dienstleistungen. Episoden erscheinen dienstags. Bleiben Sie auf dem Laufenden und folgen Sie der Show, wo immer Sie Ihre Podcasts hören, bei Linkedin und per Newsletter. Alle Folgen mit Extras, Links, Kommentaren & Transkript sind hier: https://www.klausreichert.de/podcast/

Mein Name ist Klaus Reichert. Ich bin unabhängiger Berater mit Herzblut, kreativer Business Coach und Experte für Innovation. Ich begleite Unternehmen remote auf dem Weg von der Vision zu nachhaltigen Leistungen. Mein Standort ist Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe, Stuttgart und dem Bodensee.

Transkript

Julia Kovar: Die werden es sicherlich in Zukunft schwieriger haben. Weil es letzten Endes zum heutigen Managementverständnis eines Unternehmens dazugehören muss, zu verstehen, was unternehmerische Nachhaltigkeits oder Klimaschutzstrategie bedeutet und was das eigentlich mit dem eigenen Geschäftsmodell zu tun hat. Es ist ja sehr, sehr wichtig, es zu begreifen, dass nicht nur ein Unternehmen als solches sozusagen mit seinen Emissionen dass es produziert, Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat. Sondern eben auch der Klimawandel in die andere Richtung wirkt. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf das, was ein Unternehmen in Zukunft tun kann. Also denken wir nur an die Unternehmen, die eben große Lieferketten haben. Die zum Beispiel, sagen wir jetzt mal, in der Lebensmittel... Industrie, in der Ernährungssicherung unterwegs sind. Da ist uns sofort klar, der Klimawandel hat eine Auswirkung darauf. Und wenn man nicht damit umgeht und das sozusagen auch als Risiko einpreist und eine Strategie sich erschafft, wie man sozusagen in Zukunft überlebensfähig sein möchte. Und als Unternehmen funktionieren möchte, dann versteht man eben relativ schnell, dass das zu Schwierigkeiten führt. Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen. Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus. Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen. Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels. Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar. Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts. Wir unterhalten uns über die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, die seit 2021 am Start ist. Wir sprechen über Fortschritte, wir sprechen über Projekte, wir sprechen über Themen, die aufgekommen sind in den letzten fünf Jahren. Ich freue mich sehr darüber, dass Julia Kovar, sie ist die Leiterin dieser Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg heute im Gespräch mit mir ist. Sie verantwortet den Aufbau, die strategische Positionierung und die Ausrichtung der Stiftung. Hallo Julia, schön, dass du mit dabei bist. Julia Kovar: Ich freue mich sehr, da zu sein. Vielen Dank. Klaus Reichert: Julia, wir müssen ja dazu sagen, und das werden wir auch verlinken natürlich in den Shownotes, du warst eine meiner ersten Gesprächspartnerinnen im Podcast in Episode 8. Nochmal vielen Dank dafür und vor allem vielen Dank für das Vertrauen das du damals auch in das Thema Podcast, in das Thema Smart Innovation, in mich dann auch hattest. Julia Kovar: Ja, das kam ja auch gar nicht von ungefähr, weil ich ja selber mal einen Podcast gemacht habe, tatsächlich in meiner Funktion davor. Und als wir gesprochen haben, 2021, da hatte ich ja diesen Job bei der Klimaschutzstiftung gerade noch relativ frisch angefangen. Und davor war ich Kommunikationschefin der BW-Stiftung, unserer Mutterstiftung und hatte da auch einen Podcast für die BW-Stiftung gemacht. Und deshalb liebe ich das Format so sehr und war dann auch gleich dabei. Klaus Reichert: Ja, Podcast ist auch so etwas, wo man natürlich erstmal sagen kann, ja klar, das ist Radio on Demand, man kann das dann hören, wenn man Zeit hat, wenn man Lust hat und muss nicht auf das Programm achten. Man kann sich die Themen aussuchen, es gibt eine Million Podcasts auf der ganzen Welt, also sehr, sehr vielfältig und schön, dass wir sozusagen dann auch unter Kollegen eben miteinander sprechen, dass du da ein gutes Verständnis für das Thema hast. Ja ich glaube, ich wollte früher auch mal zum Radio gehen. Ich bin nicht ganz sicher, man macht ja dann auch so im Laufe der Zeit von Kindheit, Jugendlichen so verschiedene Themen durch und verändert sich ja da mit der Zeit auch zum Glück. Julia Kovar: Das stimmt, das stimmt. Klaus Reichert: Ja, du jetzt, was heißt damals, vor fünf Jahren circa, hast du angefangen bei der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg. Damals wie wir uns unterhalten haben, war das Ganze am Start. Das war mitten in Corona, das war sicher auch nicht so ganz ohne. Wie hast du das jetzt so in Erinnerung wie das damals losgegangen ist? Julia Kovar: Ja, also ich muss mich da schon echt, muss ich auch sagen, ein bisschen anstrengen, mich zurückzuerinnern, wie sich das so angefühlt hat in der Anfangszeit. Weil es war natürlich zum einen Pionierarbeit, es ging um den Aufbau einer ganz neu gegründeten Stiftung. Wir waren am Anfang zu zweit, eine Kollegin und ich. Jetzt sind wir mittlerweile zu sechst. Und es war schon, wenn man sich zurückerinnert, tatsächlich eine komische Zeit. Weil du hattest eine Aufgabe, die völlig neu war, ein Thema, das für mich persönlich auch relativ neu war. Wir wollten natürlich so schnell wie möglich ganz, ganz viel bewegen. Aber das war einfach auch ein Stück weit ausgebremst durch die Situation, wie sie eben war zu der Zeit. Wir waren alle vollständig zu Hause im Homeoffice. Also es gab natürlich auch überhaupt nicht... den persönlichen Kontakt, der natürlich auch sehr gut tut, wenn man so eine neue Sache aufbaut, sich mit Menschen zu treffen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Es ging natürlich alles nur über die virtuellen und digitalen Wege. Und zum Glück ist das heute anders und wir können ganz anders operieren und natürlich jetzt auch als Team ganz, ganz anders zusammenkommen heute. Und ja, es ist schon verrückt weil es waren eigentlich jetzt fünf Jahre, die auf der einen Seite super schnell vergangen sind. Aber wenn man sich dann überlegt, was man... Was man erreicht und geschaffen hat in der Zeit, dann war es jetzt doch echt auch eine Menge. Klaus Reichert: Ja, das war natürlich für viele Menschen sehr, sehr schwierige Zeiten. Gerade auch eben, wenn man neu zusammen anfängt zu arbeiten. Ihr habt es sehr gut hinbekommen. Das muss man ja auch sagen, darf man nicht vergessen. Das hat ja auch den Vorteil, dass man sich dann so ein bisschen vielleicht zusammenreißt oder extra Mühe gibt, um dann eben da bestimmte Dinge doch zu überwinden. Und ja, sich zum Beispiel trotzdem besser kennenzulernen als Kolleginnen, obwohl man ja eben nicht zusammensetzt und nur sich per Zoom dann trifft. Julia Kovar: Ja, das stimmt. Das hat vielleicht auch dazu geführt, dass man wirklich von Anfang an so einen relativ kreativen Teamspirit entwickelt hat, weil wir uns halt wirklich fragen mussten, okay, wie kommen wir jetzt eigentlich gut voran auch unter diesen Rahmenbedingungen, mit denen wir jetzt halt arbeiten müssen. Ja, wir können uns mit keinen Menschen treffen und die persönlich jetzt sozusagen auch von uns überzeugen oder irgendwie richtig reinholen in die Klimaschutzstiftung, wir müssen andere Wege finden. Und die haben wir uns auch relativ schnell eben erschlossen. Ich erinnere mich noch, wir hatten dann, es muss so Mitte 2021 gewesen sein, einen virtuellen Workshop veranstaltet, wo wir Bildungsexpertinnen und Experten zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung, Bildung zum Klimaschutz aus dem ganzen Land eben in einem virtuellen Format zusammengebracht haben. Und fast den ganzen Tag begleitet durch Fachleute dabei, dann eben auch digitales Format ausprobiert haben, wie man gut zu einem Ergebnis kommt und diese Ergebnisse eben auch festhält. Und ich glaube, das hat uns schon dazu gebracht, da sehr agil zu sein. Da bin ich jetzt auch die Person dafür. Ich bin auch gerne agil und kreativ. Und so habe ich mir im Übrigen auch, würde ich sagen, das Team zusammengesucht. Dass wir uns mit unseren einzelnen Stärken, die wir so haben, aber eben auch super ergänzen, dass sich jeder einbringen kann und jeder irgendwie und jede, die bei uns im Team ist, eigentlich sprüht vor Energie und eben dem Willen etwas zu bewegen. Und das ist ja letzten Endes das, worum es auch geht im Klimaschutz, dass wir alle da unseren Teil dazu beitragen müssen. Klaus Reichert: Ja, das hört sich richtig gut an. Sowas aufzubauen ist ja gar nicht einfach. Auf der anderen Seite ihr hattet jetzt ein bisschen Zeit sozusagen auch was zu machen und zusammen quasi etwas zu wuppen. Ich würde gerne auf die Projekte und Ergebnisse und so weiter gleich zurückkommen. Aber mir ist vorher noch eine andere Frage eingefallen. Du hast es gerade angesprochen. Klimaschutz braucht dieses Engagement. Klimaschutz braucht eben auch kreative Ideen, braucht Menschen, die sich das quasi vorantreiben. Jetzt hört man so in der letzten Zeit immer wieder, dass Nachhaltigkeit, Klimaschutz im Moment keine Rolle spielt oder keine Rolle mehr spielt. Andere Themen sind zumindest in der Öffentlichkeit nach vorne gekommen. Ich bin ja nicht der Meinung, dass es so ist. Ich denke halt einfach, da hat sich ein Thema jetzt langsam etabliert, das wurde normaler. Es geht immer weiter. Es ist ein Thema, das uns alle irgendwie bewegt. Und es ist halt nicht mehr ganz so neu und sexy. Aber es ist etwas, was quasi schon eine Bewegung ins Rollen gebracht hat. Wie siehst du das denn? Julia Kovar: Ich würde auch nicht davon sprechen, dass Klimaschutz oder Nachhaltigkeit keine Rolle mehr spielen oder irgendwie untergegangen sind. Also es ist aber ein Shift, glaube ich in der Bedeutung, die wir dem Thema beimessen. Also ich glaube, das kann man nicht von der Hand weisen, dass natürlich politische Verschiebungen von Prioritäten letzten Endes auch dazu führen, wie Themen in der Öffentlichkeit wahrgenommen, diskutiert, werden und dann letzten Endes ja auch in den Sektoren, in denen wir Veränderung voranbringen müssen, um Klimaschutz zu erzielen, vielleicht nicht mehr so vorrangig behandelt werden, wie das sonst In den Jahren davor der Fall war. Also das ist schon so. Wir sprechen ja ganz, ganz viel mit Unternehmen in der Klimaschutzstiftung weil Unternehmen eine wichtige Zielgruppe sind von uns. Und natürlich bestätigen uns da auch viele Nachhaltigkeitsmanagerinnen und Manager genau dieses Bild. Dass natürlich für sie persönlich, das Thema nicht an Bedeutung verliert und im Prinzip auch sozusagen bis in die Vorstandsebene klar ist, dass Veränderung nötig ist. Teilweise der Geschäftsmodelle, also bis rein in die Geschäftsmodelle, wie wir arbeiten und wofür wir arbeiten. Damit gewisse Industriezweige einfach auch noch in ein paar Jahren Bestand haben. Aber es lässt sich halt nicht von der Hand weisen, dass sowas ja den gewissen Drall verliert, wenn es eben als Thema nicht mehr so diskutiert wird in der Öffentlichkeit wie das vorher der Fall war. Und ich glaube, das ist jetzt einfach eine gewisse Delle vielleicht, mit der wir gerade umgehen müssen. Bin aber auch überzeugt dass sich das wieder ändern wird. Und es ist halt so, im Großen und Ganzen ist es ja glaube ich so, auch wenn man jetzt... sich anguckt, was sozusagen auf Seiten der EU-Regulierung oder der EU-Zielsetzung passiert. Gott sei Dank die großen Ziele, auf die wir ja hinarbeiten, Klimaneutralitätsziele, jetzt egal, ob das in Deutschland oder der EU ist, ja zum Glück bislang auch nicht verschoben worden sind. Darauf gilt es sich halt weiter gemeinsam einzuschwören und jeder muss seinen Beitrag dafür leisten. Klaus Reichert: Was ich jetzt gerade aber auch raushöre ist, du hast gesagt, eben du sprichst mit Nachhaltigkeitsmanager und Managerinnen. Und ich behaupte jetzt einfach mal, vor zehn Jahren gab es noch keinen Nachhaltigkeitsmanager. Das heißt also, das meine ich eben mit dem großen Fortschritt, der Bewegung, die entstanden ist. Und das mag zwar sein, dass es eben so aus der Aufmerksamkeit so ein bisschen raus ist, aber es ist jetzt quasi auch auf der Arbeitsebene angekommen und es passiert was. Es kann was passieren, es passiert ernsthaft was. Und da muss ich sagen, bin ich auch sehr froh darüber. Julia Kovar: Ja, das ist natürlich richtig. Man muss aber schon auch sagen, diejenigen Unternehmen, die jetzt … Da natürlich niemanden haben, der sich dezidiert darum kümmert. Und da sind wir jetzt mal ehrlich, da gibt es immer noch sehr viele. Die werden es sicherlich in Zukunft schwieriger haben. Weil es letzten Endes zum heutigen Managementverständnis eines Unternehmens dazugehören muss, zu verstehen, was unternehmerische Nachhaltigkeits oder Klimaschutzstrategie bedeutet und was das eigentlich mit dem eigenen Geschäftsmodell zu tun hat. Es ist ja sehr, sehr wichtig, es zu begreifen, dass nicht nur ein Unternehmen als solches sozusagen mit seinen Emissionen dass es produziert, Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat. Sondern eben auch der Klimawandel in die andere Richtung wirkt. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf das, was ein Unternehmen in Zukunft tun kann. Also denken wir nur an die Unternehmen, die eben große Lieferketten haben. Die zum Beispiel, sagen wir jetzt mal, in der Lebensmittel... Industrie, in der Ernährungssicherung unterwegs sind. Da ist uns sofort klar, der Klimawandel hat eine Auswirkung darauf. Und wenn man nicht damit umgeht und das sozusagen auch als Risiko einpreist und eine Strategie sich erschafft, wie man sozusagen in Zukunft überlebensfähig sein möchte. Und als Unternehmen funktionieren möchte, dann versteht man eben relativ schnell, dass das zu Schwierigkeiten führt. Und deshalb sind wir natürlich auch immer dabei, einfach die Fahne hochzuhalten für den unternehmerischen Klimaschutz. Und natürlich auch darüber hinaus. Und zu sagen, hey, Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement sind eben nicht nur Belastung. Sie erhalten euch die Zukunftsfähigkeit. Und darüber muss man eben immer... weiter sprechen und auch darüber aufklären. Klaus Reichert: Das sind sehr intensive Gespräche, die man dann auch führen muss. Es ist ja in den letzten fünf Jahren einiges passiert bei euch. Du sagst Unternehmensgespräche. Gibt es denn so ein paar Zahlen, wo du sagen könntest, Mensch, das haben wir so alles gemacht, so und so viele Unternehmen machen jetzt mit, unterstützen euch, spenden für die Klimaschutzstiftung, zum Beispiel, oder, oder, oder? Julia Kovar: Ja, ich kann dir zu den Zahlen ein bisschen was sagen, weil da sind wir auch stolz drauf. Also vielleicht, um das kurz einzuordnen. Wir arbeiten ja deshalb auch so eng mit Unternehmen zusammen, weil wir eben Angebote zur Klimafinanzierung machen. Und vielleicht, um das kurz zu erklären, was ist Klimafinanzierung? Das ist, wenn Unternehmen sich dafür interessieren außerhalb ihrer eigenen Wertschöpfungskette Projekte zu unterstützen. Projekte die das Klima schützen. Und da hat man früher, vielleicht habe ich auch noch in unserem ersten Gespräch, damals von Kompensation gesprochen. Heute ist da unser Visier viel größer. Und wir sprechen da eigentlich auch nicht mehr von Kompensation, sondern eben von Klimafinanzierung. Weil der Gedanke eben nicht mehr unbedingt der ist, für eine Tonne CO2 so und so viel Geld zu bezahlen und damit seine Emissionen zu kompensieren. Sondern der Gedanke ist heute eher der, sinnvolle Klimaschutzprojekte egal ob jetzt im globalen Süden oder in Baden-Württemberg zu unterstützen. Das ist eben der Hintergrund und deshalb kommen Unternehmen zu uns. Weil wir beraten, weil wir auch unabhängig beraten, weil wir gemeinnützig sind, weil wir eine Landeseinrichtung sind und da natürlich auch hohes Vertrauen genießen. Und mittlerweile sind über 80 Unternehmen tatsächlich bei uns, gehören zu den Spendern. Also das ist eine ganz hohe Zahl und wir sind sehr glücklich darüber, dass tatsächlich mehr als zwei Drittel der Unternehmen auch wiederholt an uns, an die Klimaschutzstiftung spenden. Das ist echt ein ganz hoher Faktor. Klaus Reichert: Also Wiederholungstäter. Julia Kovar: Genau, Wiederholungstäter sind, so kann man sagen. Wenn man das in CO2-Äquivalenten bemisst, also diese rund 250 unterschiedlichen Spenden, die wir also wirklich auch in jeglicher Größenordnung von klein bis hin in die Hunderttausende von Euro eingesammelt haben. Dann sind das jetzt ungefähr, so Stand heute, um die 60.000 Tonnen CO2, die über diese Spenden eingespart werden konnten. Also 60.000 Tonnen das ist wirklich schon eine immense Zahl. Wenn man so davon ausgeht, dass so ein kleinerer Mittelständler ungefähr 1000 Tonnen CO2 pro Jahr emittiert, also wirklich so ganz im Schnitt. Und dann sind 60.000 Tonnen also 60 solcher mittelständischer Unternehmen und deren Jahresemissionen. Also das ist ganz toll. Und dann abgesehen davon, haben wir ja auch noch ein eigenes Stiftungsvermögen und schütten da jedes Jahr 1,5 Millionen Euro aus, mit denen wir auch noch Gutes tun können im Land zum Klimaschutz. Und da haben wir jetzt in den letzten fünf Jahren schon fast 10 Millionen Euro ausgeschüttet und in sinnvolle Projekte in Baden-Württemberg investiert. Klaus Reichert: Ich fand es jetzt gerade sehr interessant, wie du das erzählt hast, wie sich das Thema weiterentwickelt hat. Von Kompensation zu Projektfinanzierung. Man könnte am Ende sagen, das ist ja eigentlich genau das Gleiche, aber ist es eben nicht. Man hat andere Zielsetzungen, man hat andere Themen, mit denen man zu tun hat. Und den zweiten tollen Schritt fand ich auch, wie ich das gesehen habe, dass es eben auch möglich ist, in Baden-Württemberg Projekte damit zu fördern. Und das fand ich einen guten Schritt, weil es macht eigentlich gar keinen, also es macht keinen großen Unterschied am Ende für die Welt, ob das jetzt in Indien oder hier bei uns vor Ort ist. Am Ende ist weniger CO2 sozusagen in der Luft. Julia Kovar: Genau, das ist absolut richtig. Da hat uns glaube ich so ein gewisser Sinneswandel auch sozusagen auf der Spenderinnen- und Spenderseite begleitet in den letzten fünf Jahren. Also die Tendenz… bei den Unternehmen geht tatsächlich in Richtung Nachfrage nach regionalen Projekten. Und das war am Anfang, als wir neu gestartet sind, noch nicht unbedingt so. Wir haben aber von Anfang an ein Kombinationsmodell gehabt. Das heißt, wenn jetzt ein Unternehmen gerne für ein Projekt im globalen Süden gespendet hat, haben wir das immer kombiniert mit einer Spende, die auch nach Baden-Württemberg gegangen ist. Also sozusagen nochmal on top. Das war bei uns obligatorisch. Deshalb hat man bei uns auch schon immer mehr sozusagen dafür bezahlt. Und jetzt aber ganz neu seit Februar 2026 gibt es jetzt den Klimafonds Baden-Württemberg Der ist von uns ins Leben gerufen worden. Den haben wir mit 1,5 Millionen Euro ausgestattet, jetzt zunächst einmal. Und finanzieren da eben sogenannte naturbasierte Projekte in Baden-Württemberg, die grundsätzlich eben auch zu einer CO2-Senkenleistung oder Fixierung, ich kann das auch gleich noch erklären, was das bedeutet, führen. Genau, also die letzten Endes CO2 binden, so kann man jetzt ein bisschen leihenhaft eben sagen. Und der Klimafonds ist deshalb besonders, weil er sozusagen ein Finanzierungsinstrument für Klimaschutz im Natur, im natürlichen Bereich ist. Und das ist ein Novum auch unter den Bundesländern in Deutschland. Es gibt in anderen Bundesländern Initiativen, die das auch machen, aber die fokussieren sich dann meistens auf ein Thema wie zum Beispiel Moorschutz oder den Schutz von Wald. Und bei uns im Klimafonds ist es so, dass wir Moore wieder vernässen, Wälder umbauen und auch in der Landwirtschaft was tun, indem wir da Agroforstsysteme in der Landwirtschaft etablieren. Also du siehst wir haben da ganz unterschiedliche Bereiche sozusagen unter einem Finanzierungsdach. Wir finanzieren diese ganzen Projekte vor. Und was ganz wichtig ist, wir haben einen Standard dafür. Also wir machen das nicht irgendwie, sondern wir haben wirklich Jahre investiert mit wissenschaftlichen Partnern, gemeinsam einen Standard zu entwickeln, wie solche Projekte in Baden-Württemberg umzusetzen sind, um zu wirklich guten Ergebnissen zu kommen, CO2 dauerhaft zu speichern und lang auf den Flächen erhalten zu bleiben. Und wir finanzieren das alles. Wir finanzieren auch die Pflege dieser Projekte Und das ist sozusagen ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Weil warum gehen so viele naturbasierte Projekte schief? Weil die jemand umsetzt und nach dem ersten Jahr, nachdem die auf der Fläche sind, nie wieder danach guckt. Und das hebeln wir damit aus, dass eben unser Standard festlegt, dass wir mindestens in der Regel über 20 Jahre, es kommt ein bisschen auf den Projekttyp an, auch die Pflege finanzieren. Und die Projekte monitoren alle fünf Jahre. Also da ist sozusagen jetzt eine richtige Sicherheitsschleife, kann man vielleicht sagen, eingebaut. Das alles finanzieren wir und dann können eben Unternehmen dafür spenden und so refinanzieren wir unsere Kosten wieder und können eben immer mehr Projekte auf die Fläche bringen. Klaus Reichert: Und ich kann auch sagen, Mensch, als Unternehmen, ich möchte was in meiner Umgebung machen, finanzieren. Da kann man das quasi direkt auch in ein Projekt reingeben, das tatsächlich vor den Toren sozusagen des Industriegebiets oder sowas dann auch stattfindet. Julia Kovar: Genau. Also man muss jetzt natürlich sagen, wir haben jetzt gerade den Anfang gemacht. Auf unserer Website zum Klimafonds findet man jetzt derzeit drei Projekte. Die sind auch geografisch schon ganz gut so übers Land verteilt. Ist natürlich noch keine Flächenabdeckung. Aber es kommt jetzt sozusagen immer mehr dazu. Jetzt ab Juni wird unser großes Agroforst-Förderprogramm eröffnet. Da sind dann schon alleine zehn Betriebe aus den unterschiedlichsten Regionen in Baden-Württemberg dabei. Und du siehst, so kriegt man dann eben so langsam einen Teppich übers Land mit ganz, ganz unterschiedlichen Projektflächen, sodass eben im Idealfall dann auch in Zukunft ein Unternehmen, was jetzt, weil sie nicht in Reutlingen sitzt, eben sagen kann, habt ihr mir nicht ein Projekt direkt vor der Tür. Ja, weil das ist eben sinnvoll. Wir wollen nicht nur... Klimaschutz machen, das ist echt ein wichtiger Punkt, sondern wir wollen Menschen mit der Natur, die vor ihrer Haustür ist, verbinden. Und die sollen sie im Idealfall anschauen können, sollen sie anfassen können und noch besser eben auch mitmachen können. Und da bieten wir jetzt eben über den Klimafonds auch die Möglichkeit dazu. Klaus Reichert: Finde ich sehr beeindruckend. Es ist ja auch extrem wichtig, gerade bei in Anführungszeichen neuen Sachen, dass man gute Beispiele hat. Sonst ist man immer den Leuten ausgesetzt, die sagen, das geht doch nicht, das klappt nie und so weiter. Aber wenn man sagen kann, guck mal, wir haben hier folgendes Beispiel, das hat so und so funktioniert, das hat so und so viel gekostet oder das war der Aufwand oder was auch immer so dazugehört. Dann kann man mit Argumenten miteinander reden und kann dann auch passende neue Projekte damit zumindest inzentivieren. Und auch unabhängig von euch jetzt zum Beispiel was starten oder halt dann im Nachgang eben zu einzelnen Pilotprojekten in Anführungszeichen dann eben in weitere Projekte einsteigen. Also diese Beispiele finden, Beispiele geben, das finde ich einen ganz, ganz wichtigen Teil von eurer Arbeit hier auch. Julia Kovar: Ja, und es ist ja auch so, wir sind eine gemeinnützige Stiftung. Wir haben Interesse daran, das Wissen zu teilen. Deshalb ist zum Beispiel unser Standard öffentlich. Die ganzen wissenschaftlichen Leitlinien sind öffentlich. Die ganzen Projektdokumente, du findest bei uns alles sozusagen zum Download, weil wir genau das wollen. Weil wir sind überzeugt unser Standard ist gut. Wenn es andere Umsetzer gibt, die danach umsetzen möchten, stellen wir den zur Verfügung. Es ist eben sozusagen jetzt nicht unser exklusives Wissen, wie das jetzt bei privaten Projektentwicklern und Umsetzern eben meistens der Fall ist. Bei uns ist es öffentlich und wir freuen uns da eben über Nachahmer, also viele wie möglich. Klaus Reichert: Ja, also kopiert euch, ist quasi der Aufruf hier. Gleichzeitig kann man aber auch eben Geld in den Fonds mit einbringen, kann spenden bei euch. Es gibt da verschiedenste Möglichkeiten. Wir werden das dann auch verlinken natürlich in den Shownotes. Wenn man so jetzt Unternehmer, Unternehmerin ist in Baden-Württemberg was wäre da so der ideale erste Schritt, um mit euch dann zusammenzuarbeiten? Julia Kovar: Also es ist immer am besten, einfach auf uns zuzukommen. Ja, dazu schreibt man uns am besten eine Mail oder ruft uns mal kurz an und dann vereinbaren wir so einen unverbindlichen ersten Kennenlerntermin, wo man sich austauscht wo wir auch ein bisschen raushören können, was wünscht sich denn das Unternehmen auf der anderen Seite. Und da können die Wünsche auch ganz unterschiedlich sein. Sozusagen von der Region, wo man sich ein Projekt vorstellt bis hin zu, ich möchte aber gerne mitmachen auf der Fläche. Was gibt es denn da für Möglichkeiten, dass wir uns auch einbringen können? Darüber sprechen wir natürlich auch, was die finanziellen Vorstellungen sind. Und dann in aller Regel erstellen wir dann sozusagen ein Spendenangebot. Das erhält das Unternehmen dann von uns. Kann sich das in Ruhe anschauen, überlegen und dann geht das Ganze in einen Prozess. Und was dann eben das Besondere ist bei uns, dass in Anführungsstrichen Produkt, das das Unternehmen dann erhält, um seine Spende auch kommunizieren und nachweisen zu können, ist bei uns die Naturprämie. Das kann man sich vorstellen wie eine Urkunde. Und da wird dann eben bescheinigt, welche Wirkungen in dem jeweiligen Projekt mit dieser Spende erzielt werden. Also zum Beispiel, wie viel CO2 gebunden wird. Aber auch, und das ist mindestens genauso wichtig, welche Biodiversitätswirkungen wir dann in dem Projekt erzielen. Klaus Reichert: Und was ich da jetzt raushöre ist, ihr habt euch wirklich gut Gedanken gemacht. Ihr habt einen durchdachten Prozess, Vorgehensweise, die ihr dann auch in dem Sinne einfach ein bisschen abspulen könnt. Ähnlich wie ein Unternehmen, auch wenn eine Maschine läuft. Und ihr habt euch... Ja, vielleicht ist jetzt etwas falsch ausgedrückt. Aber aus der Produktsicht mit Methoden aus dem Produktbereich Gedanken gemacht für das Ergebnis, das das Unternehmen dann für sein Geld auch bekommt. Und das finde ich sehr beeindruckend. Julia Kovar: Ja. Natürlich ist es sehr gut und lobenswert, Klima und Naturschutz zu machen. Aber wir machen das für eine Zielgruppe letzten Endes. Denn wir leben davon, Spenden zu erhalten. Nur so kann der Klimafonds am Leben erhalten werden, kann wachsen und nur so bringen wir Projekte auf die Fläche. Also ist es natürlich wichtig, Unternehmen da zu entsprechen. Dass sich da die gemeinsamen Vorstellungen treffen. Wir haben uns zum Beispiel auch Gedanken darüber gemacht, ja Mensch, wenn jetzt ein Unternehmen berichtspflichtig ist im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung, was können wir da eigentlich tun? Und wir haben zu jedem Projekt maßgeschneiderte Textbausteine entwickelt, die dann ein Unternehmen wirklich nur nehmen muss und damit sofort seine Berichterstattung in diesem Bereich erledigt hat. Ja und so sind wir eigentlich immer dabei und natürlich auch selber am Lernen und am Weiterentwickeln der Angebote. Ein anderes Beispiel ist, wir hatten jetzt letzte Woche erst eine Mitmachaktion auf unserer Streuobstwiese im Landkreis Ludwigsburg. Da haben wir uns überlegt, wie können wir eigentlich so eine Streuobstwiese, die wir letzten Herbst erst angelegt haben. Jetzt sind die Bäumchen natürlich noch relativ klein, aber was kann man denn da mitmachen? Und da haben wir aber wirklich Biodiversität zum Anfassen gemacht. Und haben mit mehreren Unternehmen gemeinsam Mauswieselquartiere angelegt. Ja, also ich muss echt zugeben, vorher nicht mal, dass es das Mauswiesel gibt. Das ist eine besondere Art, die da heimisch ist und das wollen wir dort haben, weil das nämlich Mäuse fängt. Und die Mäuse sind die größten Feinde sozusagen der jungen gepflanzten Obstbäume. Die fressen die einfach an. Und deshalb ist es gut, da natürliche Feinde auf der Fläche zu haben. Und für die haben wir Quartiere gebaut. Und für Greifvögel haben wir Ansitzstangen gebaut. Weil es natürlich auch dann super ist, entsprechend Greifvögel auf der Fläche zu haben. Und über dieses Mitmachen, über das Begreifen, verbreiten wir einfach das Wissen, warum solche wichtigen Biotope wie Streuobstwiesen, die wir eben vor allem hier in Baden-Württemberg zuhauf haben und die so wichtig sind für Biodiversität, wieso man die eigentlich schützen sollte, wieso man die erhalten muss und wieso es da auch so toll ist, mitzumachen. Und das transportiert man eben am besten über solche Aktionen. Klaus Reichert: Man erlebt es dann vor allem, wenn man als Kind zum Beispiel mit dabei ist oder als Jugendlicher tatsächlich durch das eigentliche, das selbstständige, Machen. Das finde ich ein tolles Vorgehen. Du hast gerade das Thema Klimafonds auch angesprochen. Das ist jetzt etwas Neues, was ihr mit auf den Weg gebracht habt. Mir ist noch BW Zero eingefallen. Was ist das denn? Oder gibt es noch vielleicht was weiteres Neues, was ich übersehen habe? Julia Kovar: Ja, BW Zero ist ein noch relativ neues Label für die Unternehmensebene oder Organisationsebene, kann man sagen. Haben wir 2025 herausgebracht. Und uns geht es darum, eigentlich wirklich die Unternehmen damit auszuzeichnen, die eine sehr umfassende Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie haben. Und das Besondere eben ist, dass wir von Anfang an dafür sehr, sehr transparente und umfangreiche Kriterien entwickelt haben, die jeder ganz transparent auf der Website bw0.de nachlesen kann. Aber dass nicht einfach wir dieses Label vergeben, sondern dass wir einen Zertifizierer, in dem Fall die DEKRA, an unserer Seite haben, die die Vergabekriterien unabhängig prüft. Ja, also sozusagen nicht nur wir haben was davon, weil wir jetzt lustig sind und Unternehmen dieses Label vergeben, sondern es wird auch tatsächlich wirklich ein Prüfsiegel daran gemacht. Und deshalb kann man darauf vertrauen, wer bw0.de trägt als Labelträger, ist eben wirklich ausgezeichnet in seinem Klimaschutzmanagement. Hat eine umfassende Strategie, setzt sich Ziele und schafft es auch, Emissionen wirklich zu reduzieren, runterzubringen und das ist eben, das, worum es gehen sollte im Kern, im Klimaschutz. Klaus Reichert: Man vergisst da auch sehr schnell, dass das ja sehr praktische Ergebnisse im Normalfall hat. Dass man damit nicht nur in dem Sinne Klimaschutz macht, das hört sich ja sehr abstrakt an, sondern in den meisten Fällen bedeutet das ja auch, dass man zum Beispiel in neue Lichttechnik investiert hat, dass man Abwärme vielleicht vermeidet in Zukunft, dass man die Produkte eben in Richtung Nachhaltigkeit oder zirkuläre Modelle eben bringt und, und und. Das ist ja etwas, was ganz, ganz konkrete Maßnahmen mit sich bringt. Julia Kovar: Ja, absolut. Und das prüfen wir auch nach. Weil nämlich jedes Unternehmen, wenn es Unterlagen einreicht und sich um BW Zero bewirbt, auch sagen muss, also angeben muss, welche Maßnahmen es denn schon unternommen hat, um die Emissionsreduktion zu erzielen. Aber eben auch, was es denn vorhat, in Zukunft zu tun. Ja, ich habe da auch ein ganz gutes Beispiel dafür. Das ist Lotto Baden-Württemberg. Lotto kennt man. So eine Lotto-Gesellschaft hat tatsächlich die meisten Emissionen durch die enormen Rechner-Kapazitäten, die da eben im Hintergrund laufen, was enormen Strombedarf eben erzeugt. Und ja, Lotto BW zum Beispiel hat es schon geschafft, in den vergangenen Jahren seine Emissionen um 36 Prozent, das ist wirklich mehr als ein Drittel, zu reduzieren und hat eine sehr, sehr umfangreiche Klimaschutzstrategie mit einem sehr ambitionierten Nachhaltigkeitsmanagement. Und die wollen tatsächlich ihre Emissionen dann nochmal um 62 Prozent senken bis 2030. Und unternehmen dafür wirklich umfangreiche Maßnahmen, das prüfen wir, das schauen wir uns genau an, gemeinsam mit unserem Prüfpartner und dann am Ende, wenn man wirklich sagen kann, es sind... alle Häkchen gesetzt und alle Kriterien erfüllt, dann gibt es eben BW Zero am Ende. Klaus Reichert: Oh, toll. Also es ist ein Hin und Her, es ist ein Entwicklungsprozess den man mit den einzelnen Kandidaten dann zusammen macht. Und die kriegen Erkenntnisse daraus und kriegen am Ende auch in Anführungszeichen eine Auszeichnung dafür, etwas, was sie nach außen zeigen können. Das ist ja ein sehr bewährtes Modell auch. Finde ich eine gute Mischung. Wie kann man sich denn einbringen als Unternehmen? Was würdest du sagen, ist absolut der Start im Unternehmen selber? Bevor man bei euch jetzt anruft, was sollte man da vielleicht schon mal gemacht haben, damit man das Gespräch oder den Einstieg eben dann gut schafft? Julia Kovar: Also die Basis einer jeglichen Klimaschutzstrategie in einem Unternehmen ist die Treibhausgasbilanzierung. Und das ist immer von Vorteil wenn man sozusagen eine Vorstellung hat und die möglichst genau seiner eigenen Emissionen. Warum? Zum einen ist es unabdingbar, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wo eigentlich die Emissionsquellen liegen, also wo ich selber auch reduzieren kann. Aber ich muss das natürlich auch wissen, um eine eigene Strategie mir zu erstellen, um sagen zu können, was ist eigentlich mein Zieljahr und wie viel möchte ich bis dahin senken. Und erst eigentlich, wenn auch so eine Strategie steht und ich mir auch bewusst gemacht habe, was ich investieren möchte in den Klimaschutz im Unternehmen. Dann sollte man sich eigentlich Gedanken machen. Also man sollte sich eigentlich nachrangig Gedanken machen, welche externen Projekte möchte ich denn eigentlich daneben noch unterstützen, weil ich sie für sinnvoll erachte, weil sie meine Strategie gut ergänzen. Und du merkst das ist jetzt gar nicht unbedingt sozusagen förderlich für unsere Spendeneinnahmen, sonst würde ich an der Stelle was anderes sagen, aber so ist es einfach richtig. Und man muss aber auch sagen, die aller, allermeisten, wirklich der Großteil der Unternehmen, die zu uns kommen, die haben sich diese Gedanken gemacht. Die haben eine umfassende Strategie und sagen dann eben, naja, es ist halt nun mal noch so, egal wie viel Anstrengungen wir aktuell unternehmen, wir haben eben Restemissionen in einem gewissen Umfang. Und da überlegen wir uns eben, was wir mit diesen Restemissionen tun und ob wir denen einen Preis geben und dann einen gewissen Anteil davon eben in Klimaschutzprojekte spenden. Und dann sagen wir, da sind wir dann genau richtig dafür. Klaus Reichert: Ja, und was ich gerade auch rausgehört habe, war A, der Fokus natürlich auf Qualität, Solidität, sozusagen von den Themen, von den Gesprächspartnern, von den Zielen und Strategien dann der Unternehmen. Aber auch schon wieder das Thema Bepreisung von sowas. Also das heißt, von vornherein eine relativ rationale, wirtschaftsorientierte Denkweise, die ihr da mitbringt, die es natürlich auch leichter macht, mit den Leuten zu sprechen, die ja genauso auch denken. In Preisen, in Gewinnen, in ich weiß nicht was. Das ist jetzt kein, es ist nicht abgehoben oder sowas. Ihr seid auf einer Ebene was die Sprache und auch wahrscheinlich die Ziele dann angeht. Julia Kovar: Ja, also das ist auch absolut wichtig. Ich glaube, wenn wir uns da nicht reinversetzen könnten, was die Themen auch in Unternehmen sind und wie Klimafinanzierung auf unternehmerischer Ebene funktioniert, dann könnten wir zu diesem Thema nicht adäquat beraten. Also das ist einfach sehr, sehr sinnvoll und deshalb sind einige Personen, mich eingeschlossen, in unserem Team. Wir kommen auch aus Unternehmen, haben Hintergrund und deshalb auch ein gewisses Händchen vielleicht dafür für das Gespräch. Und letzten Endes darf man auch nicht vergessen, stehen wir in einem gewissen Wettbewerb mit wahnsinnig großen privaten Anbietern in dem Bereich, die natürlich deutlich schlagkräftiger auftreten können in Personalstärke, in Ressourcen und so weiter. Und wir versuchen dem aber zu begegnen, einfach mit einem hohen Qualitätsanspruch und einer ganz, ganz großen Seriosität und einer Begegnung auf Augenhöhe, indem wir eben auch immer ganz viel Austausch und ganz viel Wissenszugewinn eben anbieten. Und ich glaube, das macht uns eben als Landeseinrichtung auch aus. Klaus Reichert: Julia, das sind jetzt fünf Jahre, in denen ihr an dem Thema gearbeitet habt. Ihr habt das Ganze aufgebaut unter schwierigen Verhältnissen. Ihr habt viele Gespräche geführt. Ihr habt viele Menschen, viele Firmen, viele Unternehmen überzeugt. Ihr habt große, gute Zahlen sozusagen, die eure Fortschritte dann auch zeigen. Da kommt sicher auch noch viel auf uns zu, auf euch zu. Was hat dich denn so in den letzten fünf Jahren vielleicht am meisten beeindruckt oder überrascht? Oder was war vielleicht für dich so die wichtigste Veränderung? Julia Kovar: Was mich eigentlich immer wahnsinnig begeistert, ist, sprechen über Klimaschutz mit den unterschiedlichsten Menschen. Und das ist im Übrigen auch eine ganz, ganz wichtige Anforderung wie ich immer glaube, in meinem Job, dass man auf Augenhöhe mit den unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Perspektiven sprechen kann und versteht eigentlich haben wir alle doch ein ähnliches Ziel. Also egal, ob ich mit einem Landwirt spreche den ich sozusagen davon überzeugen muss, m it seiner Fläche in Zukunft nicht mehr Landwirtschaft zu betreiben, sondern die Fläche wieder zu vernässen. Oder ob ich jetzt meinetwegen mit einem Staatssekretär spreche über die hochpolitische Bewandtnis eines solchen Themas. Und das begeistert mich, also dass man einfach über dieses Thema, weil es so zum Anfassen ist und vor der Haustür stattfindet, die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen kann, mit ihnen sprechen kann. Und das stimmt mich auch ehrlich gesagt immer noch positiv. Und deshalb glaube ich auch daran, dass Klimaschutz am Ende erfolgreich sein wird. Klaus Reichert: Vielen Dank, dass du heute mit dabei warst. Julia Kovar: Ich bedanke mich. Klaus Reichert: Das war der Smart Innovation Podcast. Wir führen diese Gespräche um engagierten Menschen, die etwas bewegen wollen, eine pragmatische Hilfe zu den Themen zu geben. Wenn Sie etwas aus dem Gespräch mitnehmen, dann abonnieren und bewerten Sie bitte die Show bei Ihrer Podcast-Plattform. Für alle, die weiter im Thema bleiben wollen, Extras zur Episode, ein Transkript und die Möglichkeit für Kommentare sind in den Shownotes verlinkt. Der Smart Innovation Podcast wird unabhängig produziert von mir, Klaus Reichert, im Südwesten Deutschlands. Vielen Dank fürs Zuhören und denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.