Orange is the new Green: dezentrale Wasserstoffproduktion aus biogenen Reststoffen

26.05.2026 40 min Klaus Reichert

Zusammenfassung & Show Notes

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Dezentrale Wasserstoffanlagen können regionale Reststoffe hocheffizient verwerten und gleichzeitig kommunale Entsorgungsprobleme lösen. Klaus Reichert, kreativer Innovationscoach und Innovationsexperte, spricht in Episode 163 des Smart Innovation Podcast über ein zukunftsweisendes Verfahren zur Wasserstoffproduktion aus biogenen Reststoffen. Gesprächspartner ist Rolf Schmitt, Gründer und Geschäftsführer des Startup byho. Das Unternehmen wandelt kommunale Abfälle wie Klärschlamm in wertvolles Synthesegas aus Biomasse um. Das Ergebnis ist echter biogener Wasserstoff, der in der Fachwelt auch als oranger Wasserstoff bezeichnet wird. Das System soll Kommunen wirtschaftlich entlasten und eine krisensichere, regionale Wertschöpfungskette für Energie etablieren.

Kapitel & Zeitmarken

00:00 Einleitung & Vision: Nachhaltige Prozesse durch byho 
01:55 Markenname und Positionierung von byho 
04:30 Oranger Wasserstoff: Die Farblehre der Energie 
05:00 CO2-negativer Wasserstoff: So entsteht eine CO2-Senke 
06:40 Systemdenken und Kopplung mit der chemischen Industrie 
08:40 Komplexität reduzieren in der Kommunikation 
09:55 Kommunen im Fokus: Regionale Wertschöpfungskette Energie 
11:10 Klärschlamm Verwertung Wasserstoff & Abwärmenutzung 
11:55 Das Team: Junge Forscher und Ingenieure gewinnen 
13:45 Die Gründerstory: 25 Jahre Forschung und Durchhaltevermögen 
14:45 Neugründung, Investoren und staatliche Fördermittel 
17:50 Regulatorik, Abfallrecht und Genehmigungsverfahren 
20:40 Klärschlammasche und Phosphorrückgewinnung 
22:25 Gärreste nutzen Biogasanlage: Kreisläufe schließen 
23:10 Das Geschäftsmodell: Anlagenverkauf statt Eigenbetrieb 
23:40 Die Pilotanlage und die nächsten Schritte zur Skalierung 
26:20 Vier unbezahlbare Tipps für angehende Gründer und Innovationsteams 

Einblicke in die Episode

1. Was ist Oranger Wasserstoff und wie entsteht er?

Biogener Wasserstoff aus Reststoffen wird in der Energiewirtschaft als oranger Wasserstoff klassifiziert. Das alte Startup byho nutzt einen thermochemischen Reaktor, um organische Abfälle zu spalten. Dabei entsteht ein hochreines Synthesegas aus Biomasse, das primär aus Wasserstoff und CO2 besteht. Da der Kohlenstoff zuvor von den Pflanzen via Photosynthese aus der Luft aufgenommen wurde, ist das Verfahren von Natur aus CO2-neutral. Wird das entstehende CO2 im Prozess isoliert und dauerhaft in der chemischen Industrie gebunden, arbeitet die Anlage als CO2-Senke. Es entsteht CO2-negativer Wasserstoff, der aktiv zum Klimaschutz beiträgt.

2. Kommunale Kreislaufwirtschaft und die Lösung von Entsorgungsproblemen

Das technologische Konzept adressiert gezielt die drängendsten Probleme von Städten und Gemeinden. Dezentrale Wasserstoffanlagen ermöglichen eine hocheffiziente Klärschlamm Verwertung und Wasserstoff vor Ort. Zudem können Betreiber die Anlage erweitern und Gärreste nutzen um Biogasanlage-Kreisläufe damit zu schließen. Anstatt teure Entsorgungsgebühren für Klärschlamm zu zahlen, erzeugen Kommunen hiermit grundlastfähige Energie. Ein starker Zusatznutzen für die Umwelt liegt in der stofflichen Verwertung der Rückstände: Aus der verbleibenden Klärschlammasche kann eine gezielte Phosphorrückgewinnung erfolgen, wodurch wertvolle Rohstoffe im Kreislauf bleiben.

3. Das Geschäftsmodell und der Weg zur industriellen Skalierung

Die Innovationsstrategie von byho ist differenziert. Das Geschäftsmodell sieht ausschließlich den Verkauf schlüsselfertiger Anlagen an Kommunen, die Industrie oder Projektgesellschaften vor. Ein Eigenbetrieb der Anlagen ist nicht geplant. Gründer Rolf Schmitt setzt bewusst auf dezentrale Wasserstoffanlagen, die auf das Reststoffaufkommen von Regionen mit rund 100.000 Einwohnern zugeschnitten sind. Dies verhindert unnötigen Mülltourismus über weite Strecken. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme einer Testanlage im Jahr 2025 befindet sich aktuell die erste kommerzielle Pilotanlage nahe Frankenthal im Bau. Diese wird stündlich etwa 50 Kilogramm Wasserstoff produzieren.
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Weitere Informationen, Links und die Möglichkeit mitzureden sind in den Show Notes: https://www.klausreichert.de/orange-is-the-new-green-dezentrale-wasserstoffproduktion-aus-biogenen-reststoffen/

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Im Smart Innovation Podcast gibt es umsetzungsorientierte und fokussierte Gespräche mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung im Kontext des Klimawandels.

Es geht um innovative agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie sowie den passenden Vorgehensweisen, Zukunft auch enkeltauglich zu entwerfen. Ebenso geht es um wechselnde aktuelle Themen wie neue Geschäftsmodelle, nachhaltige Produkte & digitale Dienstleistungen. Episoden erscheinen dienstags. Bleiben Sie auf dem Laufenden und folgen Sie der Show, wo immer Sie Ihre Podcasts hören, bei Linkedin und per Newsletter. Alle Folgen mit Extras, Links, Kommentaren & Transkript sind hier: https://www.klausreichert.de/podcast/

Mein Name ist Klaus Reichert. Ich bin unabhängiger Berater mit Herzblut, kreativer Business Coach und Experte für Innovation. Ich begleite Unternehmen remote auf dem Weg von der Vision zu nachhaltigen Leistungen. Mein Standort ist Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe, Stuttgart und dem Bodensee.

Transkript

Rolf Schmitt: Man kann mit dem Wasserstoff, mit dem CO2, auch Methanol machen. Ich kann den Stoff methanisieren, ich kann die Einsatzstoffe in die chemische Industrie geben. Ich kann natürlich auch Wasserstoffe für Mobilität liefern oder für H2-Ready-Kraftwerke. Das ist auch schon so ein bisschen die Idee, wir uns nicht ausschließlich auf den Wasserstoff fokussieren, sondern auch auf den Einsatzfall für die einzelnen Produkte. Auch die Asche die im Prozess entsteht, haben wir die Idee, die Asche zu nutzen, sodass wir einen nachhaltigen Prozess gestalten. Das ist eine der Kernideen unserer Technologie. Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen. Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus. Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen. Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels. Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar. Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts. In dieser Episode des Smart Innovation Podcast geht es um die Wasserstoffproduktion aus biogenen Reststoffen. Im Gespräch bin ich mit Rolf Schmidt. Er ist Gründer und Geschäftsführer von byho, einem alten, jungen Unternehmen, das sich viel vorgenommen hat. Hallo, hallo Rolf, schön, dass du heute mit dabei bist. Rolf Schmitt: Hallo Klaus. Danke, dass ich hier sein kann. Klaus Reichert: Wir wollen uns heute über byho unterhalten. Ein ganz toller Name, finde ich. Also das ist auch ein B-Y-H-O. Da ist der Name so ein bisschen auch Programm, muss man sagen. byho, Bio. Wir haben es gerade schon gehört, es geht um biogene Reststoffe, es geht um Wasserstoff. Das steckt für mich alles in dem Namen drin. Ich finde das ist schon mal ein guter Branding-Move, den ihr da gemacht habt. Rolf Schmitt: Ja, das war tatsächlich etwas aus der Not rausgeboren. Wir hatten ursprünglich einen anderen Namen angedacht und ich habe mir dann irgendwann mal über das Wochenende diese Buchstabenkombination ausgedacht, die zum einen tatsächlich diesen Bio-Ansatz hat zum anderen einfach die Grundelemente beinhaltet, mit denen wir arbeiten. B wie Biomass, HY wie Hydrogen, O wie Oxygen, den wir im Prozess brauchen. Daher kommt der Name. Klaus Reichert: Erschließt sich einem nicht sofort, aber sobald man da ein bisschen mehr davon hört, versteht man es dann tatsächlich und es ist ziemlich unverwechselbar. Was ich auch immer wieder spannend finde, es gibt ja immer wieder neue Namen. Also wenn wir von uns über Produktnamen unterhalten, Markennamen, dann ist das eigentlich ganz unerschöpflich. Und das Spannende ist auch, wie stark das dann auch kulturell und vom Zeitgeist geprägt ist. Ich erinnere mich so in den 90er/00er-Jahren, da hat man sehr viel auch so teilweise italienische, lateinische Namen genommen und die irgendwie aufgehübscht. Und da dachte ich mir, naja, jetzt ist irgendwann vorbei. Und das war es ja dann tatsächlich auch, aber es kam einfach abgefahrenere Namen dazu, so ähnlich wie byho. Also vielen Dank, dass ihr da was Tolles gemacht habt. Kann man ja auch schön schützen weltweit. Rolf Schmitt: Ist tatsächlich auch geschützt. Die Idee war von Anfang an auch hier was Prägnantes, auch mit dem Namen auszudrücken. Also wir kriegen gute Resonanz, aber tatsächlich tut sich jeder erstmal etwas schwer. Klaus Reichert: Ja klar, byho, byho, wie heißt es, Büho oder so, das muss man schon auch lernen. Aber ich denke heute vor allem auch mit einem Unternehmen, das grundsätzlich international orientiert ist, wo das Produkt internationale Bedeutung hat und so spielt es am Ende auch keine Rolle mehr, weil man wird es immer in irgendeiner Sprache falsch aussprechen oder sich fragen, was es denn bedeutet. Deswegen finde ich das nicht so schlimm. Warum ich jetzt gerade auch so ein bisschen drauf rumreite, ist, die Marke stärken, die Marke anfeuern, ist ein ganz, ganz wichtiger Teil von Innovation. Man kann noch so gute Sachen haben, wenn man es nicht verkauft bekommt, wenn man es nicht benannt bekommt, kann man es auch nicht verkaufen, kann man es nicht vermarkten, dann ist man einfach schon im Nachteil. Das heißt also, wenn man hier gut aufgestellt ist, hat man schon einen Haken gemacht, um einen guten Schritt weiterzukommen. Deswegen danke. Wir wollen uns heute unterhalten über das Unternehmen, in dem ihr tätig seid. Klar, da müssen wir darauf eingehen. Mir geht es aber auch um die Vision. Da müssen wir darauf eingehen, auf die Technik. Natürlich nicht so detailliert, da sind nicht alle Chemiker da draußen. Und natürlich den Status auch eures Vorhabens. Wenn ich das jetzt ganz, ganz kurz zusammenfassen würde, geht es natürlich in irgendeiner Form um grünen Wasserstoff, worüber wir heute sprechen. Rolf Schmitt: Der Begriff grüne Wasserstoff ist leider etwas mit Wasserstoff aus Elektrolyseverfahren besetzt. Biogener Wasserstoff wird aktuell in der Farbenlehre als orangener Wasserstoff bezeichnet. Also ich finde das auch nicht so wirklich gut, aber das ist tatsächlich so. Wir haben uns, auch wenn wir schon bei Marke und Marketing sind, wir haben uns da mal einen Witz draus gemacht. Wir haben mal eine Werbekampagne kann ich nicht nennen, aber wir haben mal so eine Präsentation gehabt, da stand dann orange is the new green und haben dann tatsächlich auf dem Messestand Orangen verschenkt weil es ist einfach so. Aber prinzipiell ist es grüner das heißt CO2 freier oder sogar CO2 negativer Wasserstoff. Klaus Reichert: Was heißt CO2 negativ? Rolf Schmitt: Wir produzieren aus der Biomasse ein Synthesegas. Dabei entsteht neben dem Wasserstoff auch CO2. Das CO2 entsteht aus der Biomasse/biogenen Reststoffen, ist sozusagen gebundenes CO2. Wir setzen das frei. Wir können das aus dem Prozess entfernen und haben es damit indirekt aus der Atmosphäre entfernt. Das heißt, wir erzeugen eine CO2-Senke. Das ist übrigens keine Erfindung von uns. Das kann theoretisch auch jede Biogasanlage. Klaus Reichert: Du hast jetzt gesagt, es entsteht CO2. Das ist dann doch nicht negativ. Oder habe ich gerade einen Knoten im Hirn? Rolf Schmitt: Die Wasserstoffproduktion ist per Definition CO2-neutral, weil das CO2 das bei uns im Prozess entsteht, über die Biomasse kommt. Also das ist der Kohlenstoff der in der Biomasse gebunden ist. Und der Kohlenstoff in der Biomasse entsteht durch Photosynthese und durch Umsetzung des CO2 aus der Atmosphäre. Und daher ist der Prozess per Definition CO2-neutral. Klaus Reichert: Ah, okay, es geht quasi gerade so wieder zurück. Rolf Schmitt: Genau, wenn wir das wieder freisetzen, dann ist es ein geschlossener Kreislauf. Wenn wir das aus dem Kreislauf entfernen, ist der Prozess CO2-negativ. Klaus Reichert: Das wäre dann zum Beispiel, würde CO2 auch abfüllen und weiterverwerten in irgendeiner anderen Form? Rolf Schmitt: Zum Beispiel in Produktionsprozesse oder zum Beispiel in chemische Prozesse. Damit ist es langfristig gebunden aus der Atmosphäre entfernt. Klaus Reichert: Also wir müssen auch aufpassen, dass wir jetzt nicht so sehr in die Tiefe kommen. Aber was ich verstehe ist, gerade so im Chemiebereich, wenn man so auch große Chemiewerke anguckt, ihr seid ja jetzt da in der Gegend eben von Mannheim-Ludwigshafen, da hängt eine Anlage immer mit der anderen irgendwie zusammen, hat man den Eindruck. Also was bei dem einen quasi, ich sage mal, als Abfall oder als Reststoff oder sonst was mit rauskommt, neben der klassischen Produktion für irgendwas anderes, das wird in der nächsten Anlage gleich weiterverwertet im Idealfall. Rolf Schmitt: Also das ist tatsächlich auch so ein bisschen unsere Idee. Ja, also wir entwickeln das Kernstück der Anlage. Also der Reaktor der im Prinzip aus diesen biogenen Reststoffen dieses Synthesegas produziert, das im Prinzip in seinen Bestandteilen zerlegt werden kann oder wird. Und wir damit auch Ausgangsstoffe für weitere Prozesse generieren. Wie zum Beispiel, man Man kann mit dem Wasserstoff mit dem CO2 auch Methanol machen. Ich kann den Stoff methanisieren, ich kann die Einsatzstoffe in die chemische Industrie geben. Ich kann natürlich auch Wasserstoffe für Mobilität liefern oder für H2-Ready-Kraftwerke. Das ist auch schon so ein bisschen die Idee, wir uns nicht ausschließlich auf den Wasserstoff fokussieren, sondern auch auf den Einsatzfall für die einzelnen Produkte. Auch die Asche die im Prozess entsteht, haben wir die Idee, die Asche zu nutzen, sodass wir einen nachhaltigen Prozess gestalten. Das ist eine der Kernideen unserer Technologie. Klaus Reichert: Wenn ich das jetzt richtig verstehe, ist das etwas, das ihr zwar sehr, sehr wissenschaftlich denkt, ihr müsst natürlich auch forschen, ihr musstet viel forschen, ihr musstet vieles zusammenbringen, aber ihr denkt halt auch im Sinne von Anwendungen. Also nicht einfach nur, hey, da ist was, macht was draus. Sondern wir zeigen euch gleich, wie man das richtig für etwas nutzen kann. Rolf Schmitt: Genau, genau. Also wir sehen das schon im Gesamtzusammenhang. Ein gutes Beispiel ist auch die eventuelle Zusammenarbeit mit Biogasanlagen. In Biogasanlagen entsteht Methangas. Aber auch Gärreste. Das heißt, wir können diese Gärreste auch bei uns in der Anlage einsetzen und Wasserstoff produzieren. Wir können auch das Methan nutzen, um die Anlage zu beheizen. Also vom Einsatz bis zur Verwendung denken wir in Systemen, das ist die Idee. Klaus Reichert: Hm, schön, ja. System, methodisch vorgehen und sowas eins am anderen. Das macht es ja von vornherein erstmal überschaubar. Man kann es verbessern mit der Zeit und findet halt mit der Zeit immer mehr Möglichkeiten, weil man nur noch irgendwo was andocken muss. Ich übertreibe es bewusst in der Vereinfachung jetzt gerade natürlich. Ja okay. Wow, also das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal würde ich mal sagen. Dieses Systemdenken, vor allem auch Industriedenken dazu. Die Vielfalt ist vielleicht dann aber auch so ein bisschen ein Problem. Man versteht es dann erstmal nicht so sehr, was dahinter steckt. Es ist ein bisschen schwieriger quasi auch komplett umzusetzen, zu kommunizieren, weil es so viel kann. Wie geht ihr damit um, mit der, ich sage mal, kommunikativen Reduktion der Komplexität? Rolf Schmitt: Also es ist schon schwierig, den Leuten klarzumachen, was wir tun, also wo die Kerntechnologie besteht. Also das ist nicht so sehr einfach. Also die Technologie wird oftmals auch, ich habe es ja gerade gesagt, mit Biogasanlagen oder mit anderen Technologien. Wir werden immer wieder gefragt, ja Wasserstoff, ihr braucht doch jede Menge Energie, weil die Elektrolyse jede Menge Energie. Also dieses Alleinstellungsmerkmal rauszuarbeiten, das ist schon nicht so ganz einfach. Und wir gehen damit um, indem wir versuchen, das Ganze möglichst einfach und plausibel zu erklären. Wie kann ich sonst sagen? Aber es ist trotzdem nicht so ganz einfach. Und in unseren Präsentationen hebe ich eigentlich in der Regel gar nicht so sehr viel auf die Technologie ab, sondern mehr auf die Möglichkeiten und auf die einzelnen Aspekte. Speziell für Kommunen oder überhaupt Anwender, Vorteile bringen könnten. Klaus Reichert: Was sind denn so jetzt so Möglichkeiten, zum Beispiel für Kommunen? Rolf Schmitt: Wir haben die Technologie irgendwann mal mit zwei großen deutschen Unternehmen entwickelt. Und dabei haben wir uns sehr, sehr zerstreut. Ich sage es mal, weil hier wurden versucht, alle Möglichkeiten aufzuzeigen und in alle Richtungen zu arbeiten. Mit der Neugründung der byho haben wir... angefangen, uns zu fokussieren. Und wir haben diesen kommunalen Ansatz gewählt, zu sagen, kommunale Entsorgung von biogenen Reststoffen und parallel Versorgung der Kommunen mit biogenem Wasserstoff oder mit biogener Energie. Das war die Idee. Und das ist auch einer der großen Vorteile für Kommunen, zu sagen, okay, wir kümmern uns um eure biogenen Reststoffe. Wir unterstützen uns bei der Entsorgung, die für Kommunen aktuell immer teurer wird. Und können auch die regionale kommunale Versorgung mit Grundlastenergie sicherstellen. Das ist so bisschen die Idee und das sind auch die Vorteile für Kommunen. Wir schaffen eine regionale Wertschöpfungskette. Das war der Kernansatz für die Neugründung der byho. Klaus Reichert: Ihr nutzt alles, was eine wahrscheinlich große Kommune, Stadt, eben produziert zum Beispiel an Bioabfall, an Klärschlamm, an ich weiß nicht, was da noch alles dazugehören kann und nehmt dann eine richtige Sorge ab in diesen Bereichen. Das ist ja schon immer ein großes Problem. Das ist auch mit Kosten verbunden zur Entsorgung. Dann ist es irgendwo, wo es vielleicht auch gar nicht sein soll. Gerade so Klärschlamm ist vielleicht ein bisschen tatsächlich auch ein heikles Thema. Und gleichzeitig entsteht daraus dann noch Gas, das sich zum Beispiel in der Fernwärme sehr einfach wieder einsetzen könnte. Rolf Schmitt: Wo auch immer. Also es ist tatsächlich so, wir können viele Entsorgungsprobleme der Kommunen lösen. Ist tatsächlich so. Wir arbeiten aktuell auch schon mit einigen Kommunen zusammen. Wir haben im Rahmen unserer Testanlage die verschiedenen Einsatzstoffe auch getestet und haben bewiesen, dass wir diese verarbeiten können und zu einem Prozessgas überführen. Da hat es im Prinzip vielfältig eingesetzt werden können. Im Prinzip in einer direkten Verbrennung zum Strommachen. In seiner reinsten Form zur Erzeugung von Wasserstoff. Wir haben auch die Möglichkeit, in der Anlage die Restabwärme zu nutzen und Sandwärme einzuspeisen. Wir versuchen wirklich, jeden Weg zu nutzen. Die Kernidee ist tatsächlich die Erzeugung von Wasserstoff, aber das schließt andere Wege nicht aus. Klaus Reichert: Jetzt seid ihr ein, ich habe vorhin gesagt, ein altes junges Unternehmen. Du hast ja gerade schon kurz ausgeführt, das Ganze ist sozusagen in einer etwas weiteren Vergangenheit entstanden und dann in die Neugründung mit eingeflossen. Das bedeutet aber auch, dass natürlich ihr auch eure Limitationen habt. Ihr seid natürlich so auf Forschungsebene mit verschiedenen Probeanlagen, Testanlagen und sowas unterwegs, baut das gerade langsam aus. Das musst du auch gleich nochmal bitte erzählen wo ihr gerade steht. Aber ihr habt ja natürlich auch da eure Limitationen. Zuerst mal, jetzt ist das wahrscheinlich doch ein Traumberuf bei euch für junge Forscher und Forscherinnen, könnte ich mir vorstellen. Rolf Schmitt: Also wir haben aktuell kein Personalproblem. Das muss man einfach so sagen. Ich muss mittlerweile einige Bewerber zumindest in die Wartebank schieben. Wir haben ein hervorragendes Team um uns versammelt mittlerweile. Viele junge Ingenieure. Wir haben einen promovierten Verfahrensingenieur. Wir haben einige Leute, die einen Abschluss gemacht haben an der Hochschule Mannheim. Wir haben Leute vom KIT, auch von der Uni Mannheim. Wir sind tatsächlich ein sehr junges Team, was es enorm spannend macht und für mich mit ein bisschen Berufserfahrung auch neue Perspektiven entdecken lässt. Das macht einfach Spaß. Das ist wirklich klasse. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch anspruchsvoll, weil du natürlich an viele Mitarbeiter auch viel Erfahrung weitergeben musst. Und das ist auf der einen Seite spannend, anspruchsvoll, aber es macht auch den jungen Leuten Spaß. Ich denke, wenn die in ein großes Unternehmen gehen, dann arbeiten die in einem Bereich. Bei uns kriegen die alles mit. Also das heißt, von der Anlagenentwicklung bis zum Bau und dem Betrieb dieser Anlagen. Also die sind, wie sagt man so schön, mittendrin statt nur dabei. Das ist gerade das, was es für einen Berufsanfänger meines Erachtens relativ spannend macht. Tatsächlich ist es wirklich so, dass wir gerade bei diesen jungen Leuten... also schon einen großen Zuspruch haben. Also wir haben das Team jetzt innerhalb von zwei Jahren von, ich sage mal zwei Mann auf knapp 20 ausgebaut mit hauptsächlich vielen, vielen jungen Leuten. Das war schon eine Herausforderung, aber es ist nicht so, dass ich hier groß Werbung machen muss. Das ist, ja, es passt. Klaus Reichert: Ich finde es hört sich auch noch eine spannende Aufgabe an. Da passiert unendlich viel. Das ist ein tolles Thema. Es ist sehr anwendungsorientiert am Ende auch. Es hat sehr viel mit Forschung zu tun, aber eben auch mit Anwendung. Und es löst echte Probleme. Also was will man mehr? Rolf Schmitt: Ja, die Geschichte ist natürlich schon, du hast ja gerade gesagt, also ich habe tatsächlich vor 25 Jahren mit dem Projekt gestartet. Ich habe als... junger Ingenieur, was man so tut in Ludwigshafen, bei der BASF gearbeitet. Und habe dann, irgendwann bin ich auf dieses Projekt gestoßen, über einen Partner, der heute noch mit dabei ist, haben wir angefangen hier diese Technologie zu entwickeln und das war über 25 Jahre mit allen Höhen und Tiefen und es hat tatsächlich über 20 Jahre gebraucht, bis wir den Durchbruch geschafft haben. Ich habe zwischenzeitlich andere Dinge gemacht und ich hatte das Projekt immer wieder eingeholt. Und daher ist es schon für mich eine ganz große Sache, dass das jetzt so funktioniert, wie es funktioniert. Klaus Reichert: Das passiert ja auch nicht einfach so, dass es quasi solche Anschlussinteressen oder Interessenten dann findet. Das zeigt aber auch, dass da natürlich was dran ist an dem, was ihr da macht. Rolf Schmitt: Ich habe es ja vorhin gerade gesagt, ich hatte teilweise zwei große Industriepartner, die haben das Projekt leider 2013 aufgegeben. Nicht, weil es technisch nicht funktioniert hat, sondern die haben ihr Geschäftsinteresse verlagert. Ich habe dann eigentlich gedacht, okay, das war es jetzt, bis ich 2017 einen früheren Partner von mir neu getroffen habe. Wir haben 2018 die byho neu gegründet und haben gesagt, okay, dann holen wir uns die Technologie zurück und entwickeln die Technologie weiter. Das haben wir dann gemacht, 2018 angefangen. Wir haben dann mit der Stadt Speyer, mit den Stadtwerken Speyer, einen sehr, sehr interessierten Partner gefunden. Wir arbeiten an der Stelle wie gesagt mit den Stadtwerken Speyer zusammen und haben dann auch einen Fördermittelantrag gestellt beim BMW, damals noch K, zum Wiederaufbau und Erweiterung einer Testanlage, die schon in unserem Besitz war. Das heißt, das Projekt wurde vom BMWK gefördert, also der Neuaufbau, die Neuerrichtung und die Wiederinbetriebnahme einer Testanlage auf Basis eines Patents von mir. Wir haben die Testanlage neu errichtet. Wir haben auf dem Weg... auch Investoren gefunden, die den Weg mit begleiten und die Restfinanzierung übernommen haben. Und wir haben dann im Jahr 2023 die Fördermittel bekommen, haben die Investoren gefunden. Im Jahr 2025 haben wir die Anlage wieder in Betrieb genommen und auch an der Anlage Wasserstoff produziert. So, parallel haben wir an einem Förderprogramm des Landes Rheinland-Pfalz teilgenommen. Das nennt sich KIPKI, kommunale Investitionsförderung. Und haben dann auch 2025 die Zusage gekriegt, dass wir über dieses Programm des Landes Rheinland-Pfalz gefördert werden. Wir haben noch eine Zusatzförderung gekriegt, auch wieder über das Bundesministerium. Und aus diesem Programm erwächst jetzt unsere erste größere Pilotanlage, die schon einen kommerziellen Betrieb darstellen soll. Die Anlage wird auf dem Gelände in der Nähe von Frankenthal errichtet und ist Faktor 50 größer als die Pilotanlage. Ich sage es mal so, ohne die Fördermittel und ohne die Investoren hätten wir das nie, nie schaffen können. Also das Invest ist einfach zu groß für Privatpersonen, beziehungsweise. Ja, das ist auch mit der Grund, dass einige Unternehmer oder Wettbewerber durchaus sehr viel Zeit brauchen, um ihre Projekte zu entwickeln. Weil der Kapitaleinsatz schon relativ groß ist. Klaus Reichert: Aber diese Geschichte zeigt ja auch, dass ihr regelmäßig unterschiedlichste Gremien, Menschen, Fachleute und so weiter überzeugen konntet mit eurem Projekt, mit eurem Vorgehen, mit der Technologie, mit dem Ansatz. Das ist ja in dem Sinne, ja, ich weiß nicht, wie könnte man es am besten sagen, nicht unbedingt ein Beweis dafür, dass es funktioniert, aber eben es ist vielfach geprüft worden. Und es gab Feedback sicher auch in diesem Kontext dazu. Bei solchen Anträgen muss man sich selbst genau überlegen, was man da, was man schreibt. Man fängt ja auch an, dann damit über das Ganze nochmal neu nachzudenken Entwickelt es weiter und so, das ist ja schon immer eigentlich eine sehr sehr, also. Also gute Leistung, gute Sache, ein Ideation-Prozess fast schon, wenn man solche Konzepte schreibt für Projektanträge. Was ich auch verstehe, ist, dass ihr das eben ergänzt habt durch diese zwei Anlagen beziehungsweise die erste Anlage, die dann natürlich, wie du sagst auch Investitionen braucht. Das ist ja nicht einfach nur mal mit dem 3D-Drucker was hinstellen, sondern wir reden ja dann von Anlagenbau, da ist ja Stahl und so weiter mit im Spiel und Wellblech und so weiter. Und dann natürlich auch etwas, wo man dann zeigen kann, dass das funktioniert. Also vielleicht erstmal im Kleinen und klar, der Schritt zum Next Größeren und so weiter, zur Skalierung ist immer wieder nochmal eine extra Geschichte, aber es ist halt zumindest etwas, was immer wieder Schritt für Schritt für Schritt weiter überzeugt hat. Rolf Schmitt: Absolut, ja. Also die Basis dafür war natürlich diese Entwicklung mit Industriepartnern. Schon da konnten wir zeigen, dass die Kerntechnologie funktioniert. Ansonsten hätten wir auch keine Investoren gefunden und hätten keine Fördermittel gekriegt. Also es baut ein Stein auf den anderen auf. Und ich habe halt immer wieder versucht, mit dem Projekt diese Bausteine zu finden und neu zusammenzusetzen. Das ist so ein bisschen der Ansatz der dahinter steckt. Also ohne die Vorleistung hätten wir das Projekt jetzt nicht machen können. Also Vorleistung plus Invest plus Förderung plus kommunales Interesse Also das wären wir jetzt nicht da, wo wir jetzt sind. Und es ist immer noch ein langer Weg zu gehen. Also wir stehen bei Weitem noch nicht am Ende. Also das ist steinig. Klaus Reichert: Weil du es gerade sagst wenn Kommunen, die interessiert sind. Ist da irgendwie zum Beispiel das Vergaberecht euch im Weg, dass ihr auch mal experimentell Anlagen betreiben könnt. Da kann man ja nicht einfach ausschreiben, weil es gibt ganz wenige andere nur, die sowas dann auch könnten. Rolf Schmitt: Naja gut, das wird schon eine Rolle spielen. Im Moment eher noch nicht. Aber in Zukunft könnte es schon sein, wenn wir im Moment bewegen, wir sind immer noch im Bereich Pilotanlagen und wenn wir dann wirklich in kommunalen Einsatz kommen, könnte das schon an der einen oder anderen Stelle eine Rolle spielen. Klaus Reichert: Also das finde ich immer wieder verblüffend im Umfeld von eben Umwelttechnik, Bioökonomie. Da gibt es ja auch sehr viel in Baden-Württemberg. Das werden wir dann zum Beispiel mit Umwelttechnik BW, Green Tech, das werden wir dann auch noch verlinken in den Shownotes. Und da stößt man plötzlich auf Hindernisse oder Themen, die gar nichts mit der eigentlichen Technik oder mit dem Geschäftsmodell oder sowas zu tun haben. Sondern einfach nur eine Kommune kann quasi nur mit jemand anderem zusammenarbeiten wenn es eine Ausschreibung gibt oder bestimmte Regeln eingehalten werden, was halt quasi bei experimentellen Verfahren sehr schwierig ist. Also da muss man auch ein bisschen ansetzen, jetzt von der anderen Seite her und gucken, dass man dann auch Regelungen schafft, die das ermöglichen tatsächlich solche Proto-Pilotanlagen zu ermöglichen auch kommerzieller Art. Rolf Schmitt: Ja wobei bei der Pilotanlage haben wir jetzt gar nicht das große Problem. Generell also ich bin keiner, der hier schimpft über Regulatorik. Aber es ist tatsächlich, ist das mal vorsichtig ausgesprochen, anspruchsvoll. Also wir haben nicht nur mit dem Vergaberecht zu tun, sondern auch zum Beispiel mit dem Abfallrecht oder zum Beispiel mit dem Abwasserrecht oder in Verbindung. Es gibt die deutsche Klärschlammverordnung. Es gibt die Düngemittelverordnung, die überall eine Rolle spielen. Sag ich mal, übergreifend halt dann doch teilweise an der einen oder anderen Stelle Probleme machen, in Anführungszeichen. Aber auch hier und auch was das Vergaberecht angeht sind wir mitten, also eigentlich sind wir... in die Politik relativ gut vernetzt mittlerweile. Und sprechen halt hiermit auch mit den entsprechenden Personen. Und wir glauben, dass wir alle diese Dinge gelöst kriegen, in irgendeiner Form. Es ist nichts unlösbar, aber das ist halt doch schon Aufwand. Und hier könnte die Politik doch schon unterstützen, indem man einfach, sage ich mal, moderneren Technologien einfach mal den Freiraum gibt, um hier Dinge zu entwickeln. Klaus Reichert: Ich wollte jetzt auch nicht über Bürokratie oder sowas schimpfen. Darum ging es mir gar nicht. Sondern was ich immer wieder spannend finde, ist es gibt an vielen Stellen, also es muss nicht gleich so eine Vergabeverordnung oder sowas sein, sondern auch in großen, aber auch in kleineren Unternehmen, gibt es häufig, ich sage mal, handgemachte menschengemachte Regeln, die etwas verhindern oder nicht so ohne weiteres ermöglichen, die man ganz einfach ändern kann. Das heißt, das Problem ist nicht die Technologie oder die Menschen, die nicht wollen oder, oder oder sondern es sind ein paar Kleinigkeiten, die man quasi mit einem Pinselstrich dann auch verändern kann. Ja, ist so. Darum geht es mir, glaube ich jetzt hier. Rolf Schmitt: Ja also wie gesagt, ich bin auch keiner, der über Bürokratie schimpft, definitiv nicht. Wir haben hier auch die Genehmigung zum Beispiel dieser Testanlage, die war sehr unbürokratisch. Wir haben jetzt eine große Unterstützung auch in der Genehmigung der Pilotanlage. Es ist schon sehr aufwendig alles zu berücksichtigen, das muss man Klaus Reichert: so sagen. Das Thema Umwelt ist natürlich schwierig. Wir haben es jetzt auch vor paar Jahren in Rastatt erlebt, was da mit dem Klärschlamm passieren kann, wenn man nicht darauf achtet oder vielleicht sogar sehr grob damit umgeht. Deswegen verstehe ich schon, dass es da auch Regelungen dazu gibt. Was ich aber auch verstehe, du hast es ja gesagt, dass ihr zum Beispiel eben mit Klärschlamm arbeitet. Und Klärschlamm ist ja etwas, was niemand so gerne hat. Das kann ein sehr schwieriger Stoff sein. Wenn ihr damit fertig seid, ist es dann besser. Rolf Schmitt: Wenn der Klärschlamm in unsere Anlage einsetzt, entsteht ein Gas daraus und es bleibt Asche übrig. Wir haben keinen Auslass in die Atmosphäre. Das heißt, das Gas, das wir produzieren, ist hoch rein. Die Schadstoffe die mit dem Klärschlamm mitkommen, und Klärschlamm hat teilweise eine hohe Schwermetalllast, bleiben in der Asche zurück. Und diese Asche muss normalerweise es kommt tatsächlich darauf an, wie hoch die Belastung ist muss entsorgt werden. Das heißt, es wird gebündelt und wird in eine Form überführt die handelbar ist. Klaus Reichert: Es wird quasi reduziert in der Menge, ist dann auch leichter handelbar und es kommt noch was Wertvolles davon raus. Rolf Schmitt: Ja, es kommt noch eins dazu in der Asche. Und das ist eine Besonderheit im Klärschlamm Man kommt auch Phosphor mit. Und dieser Phosphor muss aus der Asche abgetrennt werden und ist separat auch nochmal ein Wertstoff. Klaus Reichert: Ja, und jetzt hast du gesagt, Schwermetalle und so, kann man das vielleicht, ist das dann vielleicht gleich schon wieder eine Metallmine? Rolf Schmitt: Nein, das ist zu wenig, ist definitiv zu wenig und ist zu schwer, also aus meiner Sicht zu schwer zu, ja und wir reden auch tatsächlich über Cadmium und Quecksilber, also von daher, die Mengen sind zu gering, aber es ist doch so, dass es entsorgt werden muss. Klaus Reichert: Löst vielleicht mal ein anderes Startup? Rolf Schmitt: Ja, ja, können wir nicht lösen, ist ja nicht unser, also tatsächlich kommt über die Einsatzstoffe in dem Fall Klärschlamm, wir sind dann natürlich hier an der Stelle, naja, wie soll ich sagen, abhängig von dem, was kommt. Klaus Reichert: Ja, wäre ein guter Platz für euch auch noch neben einer Biogasanlage, neben einer großen? Rolf Schmitt: Ja Oder ein Satzstoff, den wir auch schon getestet haben oder zumindest teilweise getestet haben sind Gärreste aus der Biogasanlage. Und das, was da übrig bleibt, das könnten wir theoretisch auch bei uns in der Anlage einsetzen. Klaus Reichert: Und das müsste man dann auch nicht mehr auf dem Feld entsorgen? Rolf Schmitt: Man kann es bei uns einsetzen. Dann bleibt wieder Asche zurück. Also wird nochmal reduziert. Klaus Reichert: Löst ja wahrscheinlich auch ein großes Problem, wenn man von dem Thema Überdüngung und Grundwasser und sowas dann ausgehen So jetzt haben wir einiges gehört, wie es funktioniert. Sind irgendwelche Anlagen, die Leute, die sich damit auskennen, können sich jetzt was darunter vorstellen. Die anderen, die hören halt Bahnhof, Bahnhof Bahnhof. Ist aber auch nicht schlimm. Man muss nicht alles gleich direkt verstehen. Das Geschäftsmodell ist so dass ihr eine Anlage verkauft an die Kommune. Aber es ist nicht so, dass ihr das für die Kommune zum Beispiel betreibt. Rolf Schmitt: Wir haben nicht vor, hier als Betreiber aufzutreten. Wir können natürlich, und das ist schon ein Geschäftsziel für die Zukunft, bei dem Betrieb der Anlagen unterstützen, indem wir Betriebspersonalschulen, eventuell auch Betriebspersonal stellen und hier die Anlagen bedienen. Ich will es mal nicht betreiben sagen. Also die Idee ist schon, Anlagen zu verkaufen an Kommunen, an die Industrie, an eventuelle Projektgesellschaften, wo teilweise sich auch Investoren beteiligen können, wie auch immer das Geschäftsmodell aussieht. Aber unser Modell ist, Anlagen zu verkaufen. Klaus Reichert: Da arbeitet ihr dann natürlich irgendwann auch mit einem oder mehreren Anlagenbauer zusammen. Ja. Also ihr seht euch da eher als Technologieunternehmen und Vertriebsunternehmen Ja. Okay. Gut, soweit verstanden. Wie geht es denn jetzt weiter? Was sind denn so die nächsten Schritte, die ihr einnehmen wollt? Rolf Schmitt: Also ich habe es ja gerade gesagt, wir sind aktuell bei der Planung und dem Bau unserer Pilotanlage. Also diese erste größere Pilotanlage, die soll 50 Kilogramm Wasserstoff die Stunde produzieren. Und das wären im Jahr 400 Tonnen. Klingt jetzt erstmal überschaubar, ist aber schon eine relativ große Menge und soll auch schon einen kommerziellen Betrieb darstellen. Also wir bauen hier keine Anlage, die einfach rumsteht und noch Test fährt, sondern die soll tatsächlich schon im kommerziellen Umfang Wasserstoff produzieren, den wir dann auch vertreiben wollen. Auf diesem Konzept aufbauend ist die Idee, in Zukunft Anlagen zu vertreiben, verkaufen, die... Circa 100 Kilogramm Wasserstoff die Stunde produzieren. Das ist so der nach der Pilotanlage von uns identifiziert kleinste die kleinste Anlagengröße, die auch in Kommunen mit circa 100.000 Einwohnern passen von den biogenen Reststoffmengen. Oder auch, ja, man kann auch über einen kommunalen Verbund nachdenken. Also zum Beispiel die Kommunen Speyer, Frankenthal, mit denen wir sprechen, die sind halt kleiner, aber haben trotzdem in Summe die Einsatzstoffstrommengen, die wir brauchen. Und daher haben wir irgendwann mal diese Anlagengröße identifiziert. Was wir nicht wollen, und das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal. Wir haben vor, relativ kleine Anlagen zu bauen. Die auch kommunal einen nicht zu großen Einzugsradius haben. Einfach, um nicht hier einen Tourismus zu vertreiben und Klärschläme aus, was weiß ich, aus Ostdeutschland oder sonst wo hierher zu fahren, sondern schon regional die Entsorgungsproblematik lösen und diese regionale Wertschöpfungskette herzustellen. Das ist die Kernidee. Und das sind so die nächsten Schritte. Kommunales Interesse ist da. Wir sprechen mit einigen mittlerweile, aber wir müssen halt diesen Entwicklungsweg gehen und diese erste Schrägstrich kommerzielle Pilotanlage an den Start bringen. Klaus Reichert: Ja, das ist dann auch wirklich greifbar. Man kann den Leuten das zeigen, man kann es ihnen beweisen, sie sehen schwarz auf weiß oder sie sehen es nicht, weil ein Gas bei rauskommt. Aber das ist so, man darf ja auch nicht vergessen, etwas Neues in die Welt zu bringen ist sehr, sehr schwierig. Vor allem weil es auch sehr viele Menschen gibt, die etwas Neuem sehr schnell sehr abgeneigt sind oder es nicht glauben oder kritisch sind und so weiter. Das ist ja auch gut, also es gibt da so einen Platz dafür, gar keine Frage, aber man muss dann schon einiges überwinden natürlich. Wir haben jetzt einiges angesprochen an Themen. Was mir sehr, sehr gut gefallen hat, ist eben diese, also das war natürlich keine schöne Zeit, so eine lange Geschichte für so eine Technologie, die manchmal ist aber eben notwendig dass sich etwas entwickelt, dass man dann weiterkommt durch Zweifel, durch Rückschläge, durch ich weiß nicht was. Deswegen Hut ab, dass es quasi wieder gestartet hat, dass es quasi so gut weitergeht, dass ihr geschafft habt, so viele Menschen auch zu überzeugen von dem Konzept, dass das da weitergeht. Finde ich toll. Wir haben natürlich ganz kurz über die Einsatzzwecke gesprochen, über die Ergebnisse. Wie das Ganze gemacht ist. Das macht irgendwie mal ein Chemie-Podcast oder sowas. Das ist jetzt, glaube ich auch nicht ganz so unser Thema hier. Aber in jedem Fall wenn es dazu Fragen gibt, eure Kontaktdaten, wir verlinken ja auch die Webseite, das sind dann in den Shownotes zu finden. Rolf du hast ja jetzt auch mit der Frisur des erfahrenen Mannes schon einiges erlebt in deinem Berufsleben, auch im Gründerleben, in diesem Forscherleben, in diesem Entwicklerleben. Und jetzt ist es natürlich schon sehr speziell was ihr macht, aber es gibt natürlich auch noch andere, die mit irgendwelchen ich sage mal, Anführungszeichen Verfahren und so weiter eben arbeiten. Vielleicht auch als junge Studierende, Doktoranden oder sowas dann schon irgendwelche Ideen haben und da was auf den Weg bringen wollen. Was sind denn so drei Tipps, die du solchen Leuten mitgeben würdest, damit die es leichter haben und dann vielleicht auch leichter vom Zuhören ins Machen kommen? Rolf Schmitt: Also ich weiß jetzt nicht ob ich drei Tipps geben kann, aber einer ist... Man sieht es ein bisschen an meiner Geschichte, durchhalten, einfach durchhalten. Und immer wieder an die Idee glauben und einfach Schritt für Schritt weiterentwickeln. Der zweite Tipp ist, also er ist weniger ein Tipp, aber ich glaube halt an Evolution, nicht an Revolution. Das heißt, Dinge müssen sich entwickeln und manche Ideen brauchen einfach ihre Reife und manchmal geht man halt auch in ihren Weg, um dann vielleicht zu lernen, wie es wirklich geht. Und das dritte ist einfach, ja es sind doch drei Tipps. Das dritte ist einfach Spaß an der Sache haben und sich einfach nicht ermutigen lassen. Ja, du hast ja gerade gesagt, an meiner Frisur sieht man es. Also ich stehe tatsächlich wirklich kurz vor der Rente, aber ich habe immer noch Spaß am Leben, was ich tue. Und das ist halt einfach wichtig und sich immer wieder von Leuten motivieren zu lassen, die einfach auch, ja, vielleicht auch mal sehen, was passiert und mitarbeiten. Also das ist das, was ich eigentlich nur sagen kann. Aber der Wichtigste für junge Leute ist einfach, durchhalten. Und von der Idee nicht abbringen lassen und immer wieder neu angreifen. Immer wieder an die Idee glauben und neu starten. Also meine Geschichte ist tatsächlich, also wenn ich dann wirklich mal in Rente gehe und nichts mehr zu tun habe, dann schreibe ich ein Buch über die letzten 25 Jahre. Das wird echt spannend, kannst du mir glauben. Ich bin auch tatsächlich... stolz auf mein Team, stolz auf viele Leute, die über viele Jahre jetzt schon dabei sind. Und uns immer weiter und immer wieder unterstützen. Auch auf die jungen Leute, du hast ja vorhin selbst gesagt, die jetzt einfach auch mit Herzblut dabei sind. Und ja, ich kann nur sagen, der vierte Tipp ist halt auch diese, jetzt bin ich schon bei vier, der ist auch, ja, das zu vermitteln. Also diese Begeisterung für die Idee und die Leute einfach mitnehmen und nicht abschrecken. Also das ist, glaube ich, so ein bisschen der Kern, ja. Klaus Reichert: Wunderbar, wir haben es bis zu vier geschafft. Vielen Dank, Rolf, für das Gespräch und für deinen wertvollen Input den du geteilt hast. Rolf Schmitt: Danke auch. Klaus Reichert: Das war der Smart Innovation Podcast. Wir führen diese Gespräche um engagierten Menschen, die etwas bewegen wollen, eine pragmatische Hilfe zu den Themen zu geben. Wenn Sie etwas aus dem Gespräch mitnehmen, dann abonnieren und bewerten Sie bitte die Show bei Ihrer Podcast-Plattform. Für alle, die weiter im Thema bleiben wollen, Extras zur Episode, ein Transkript und die Möglichkeit für Kommentare sind in den Shownotes verlinkt. Der Smart Innovation Podcast wird unabhängig produziert von mir, Klaus Reichert, im Südwesten Deutschlands. Vielen Dank fürs Zuhören und denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.