Systematisch Vorgehen um ganzheitlich Wandel im Unternehmen zu gestalten
Systematisch Vorgehen um ganzheitlich Wandel im Unternehmen zu gestalten
02.06.2026 46 min Klaus Reichert
Zusammenfassung & Show Notes
Am konkreten Projekt mit Innovationscoaching nachhaltig innovativer werden und strukturiert Methoden, Teams & Führungskräfte entwickeln - ganz einfach mit meinem geförderten Beratungsprogramm. Der Link zum nächsten Schritt: https://www.klausreichert.de/coaching/
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Wie gelingt erfolgreiche Corporate Innovation in einem traditionsreichen Familienunternehmen?
In Episode 164 des Smart Innovation Podcast begrüßt Innovationscoach Dr. Klaus Reichert zwei Gäste der Melitta Gruppe aus Minden: René Korte (Geschäftsführer Innovation, Digitalisierung und Startup) und Johanna Ober-Sundermeyer (Leiterin Corporate Innovation). Gemeinsam zeigen sie, wie eine mutige Innovationsstrategie etablierte Denkmuster aufbricht und den langfristigen Unternehmenserfolg sichert.
Die wichtigsten Erkenntnisse: Echte Transformation erfordert eine klare Trennung vom Tagesgeschäft, den Mut zum „Probleme feiern“ und den Aufbau agiler Strukturen abseits bestehender Großanlagen. Erfahren Sie, wie Melitta mit einem eigenen Corporate Inkubator neue Märkte erschließt und erfolgreiche Startup-Investments wie zB Roastmarket realisiert.
Weitere Informationen, Links und die Möglichkeit mitzureden sind in den Show Notes: https://www.klausreichert.de/systematisch-vorgehen-um-ganzheitlich-wandel-im-unternehmen-zu-gestalten/
Kapitelübersicht & Zeitmarken
00:00 – Trends im Blick: Erwartungen von Menschen verstehen
01:00 – Intro: Innovationsexperte Dr. Klaus Reichert aus Baden-Württemberg
02:15 – Wer macht was? Die Innovationsverantwortlichen bei Melitta
04:15 – Inkrementell vs. Substanziell: Definition von ganzheitlicher Innovation
06:15 – Der Geist von 1908: Problemorientierung als Erbe von Melitta
08:30 – Strategische Neuausrichtung: Strukturierte Wege zum Unternehmenswachstum
13:30 – Evolution einer Idee: Vom dualen Studium zur Abteilungsleitung
15:15 – Abgrenzung zum Kerngeschäft: Die Rolle der internen Agentur
17:30 – Kulturwandel: Sneaker, Jeans und bunte Post-its im Großunternehmen
20:30 – Core Beliefs: Warum wir Probleme feiern müssen
22:30 – Das Team-Setup: Vier Säulen für die Zukunft
24:30 – Der Methodenkoffer: Vom Business Model Canvas zum Testing Playbook
26:15 – Trendanalyse & Foresight: Trends konkret auf Produkte herunterbrechen
27:30 – Das neue Buch: Ein praktischer Leitfaden aus Fehlern und Erfolgen
32:30 – Die drei Barrieren: Was Veränderungsbereitschaft im Unternehmen blockiert
35:30 – Case Study Roastmarket: Wenn die eigene Struktur für neue Ideen zu groß ist
38:45 – Q&A aus der Live-Aufnahme: PMO-Strukturen und Hochschulkooperationen
41:30 – Jumping the Curve: Drei fundamentale Tipps für den Aufbau von Innovationseinheiten
Gesprächsinhalte
1. Die Struktur der Zukunft: Vier Säulen für radikale Innovation
Die Melitta Gruppe trennt inkrementelle Produktverbesserungen strikt von substanziellen Neuerungen. Während die Optimierung bestehender Produkte direkt bei den jeweiligen Produktmanagern liegt, agiert das zentrale Team um René Korte und Johanna Ober-Sundermeyer als strategischer Impulsgeber weit abseits des Kerngeschäfts. Die Einheit ruht auf vier spezialisierten Abteilungen: Digitalisierung (6 Personen), Innovation (5 Personen), Venture Startups (2 Personen) und einem eigenen Corporate Inkubator mit aktuell 12 Mitarbeitenden. Letzterer sorgt gezielt dafür, validierte Ideen bis zur Marktreife zu pilotieren.
2. Methodik und Kultur: Kundenzentrierung durch Trendanalyse & Foresight
Erfolgreiche Neuerung basiert bei Melitta auf einer tiefen Problemorientierung, die historisch auf die Unternehmensgründerin im Jahr 1908 zurückgeht. Um Kundenbedürfnisse systematisch zu erfassen, nutzt das Team moderne Werkzeuge wie Personas, Customer Profiles und das Business Model Canvas. Ergänzt wird dies durch ein internes „Testing Playbook“, das kosteneffiziente Marktforschungsmethoden für die Teams greifbar macht. Ein wesentlicher Hebel ist zudem eine kontinuierliche Trendanalyse & Foresight: Trends werden systematisch gescannt und konkret auf die einzelnen Produktbereiche heruntergebrochen, um veränderte Erwartungen frühzeitig zu antizipieren.
3. Barrieren überwinden: Von der Geschäftsmodell-Innovation zur Ausgründung
Echte Transformation stößt intern oft auf drei Barrieren: starre Denkmuster im Kopf, historisch gewachsene Prozesskulturen und unflexible operative Strukturen. Wie man diese überwindet, beweist die Geschäftsmodell-Innovation rund um den Online-Premiumkaffee-Markt. Weil die eigenen Industrieanlagen auf riesige Röstmengen ausgelegt waren und Kleinmengen blockierten, investierte Melitta stattdessen strategisch in das externe Startup Roastmarket. Diese gesammelten Praxiserfahrungen – inklusive wertvoller Fehler – flossen in das neu veröffentlichte Buch: "The Adaptive Company".
--
Im Smart Innovation Podcast gibt es umsetzungsorientierte und fokussierte Gespräche mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung im Kontext des Klimawandels.
Es geht um innovative agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie sowie den passenden Vorgehensweisen, Zukunft auch enkeltauglich zu entwerfen. Ebenso geht es um wechselnde aktuelle Themen wie neue Geschäftsmodelle, nachhaltige Produkte & digitale Dienstleistungen. Episoden erscheinen dienstags. Bleiben Sie auf dem Laufenden und folgen Sie der Show, wo immer Sie Ihre Podcasts hören, bei Linkedin und per Newsletter. Alle Folgen mit Extras, Links, Kommentaren & Transkript sind hier: https://www.klausreichert.de/podcast/
Mein Name ist Klaus Reichert. Ich bin unabhängiger Berater mit Herzblut, kreativer Business Coach und Experte für Innovation. Ich begleite Unternehmen remote auf dem Weg von der Vision zu nachhaltigen Leistungen. Mein Standort ist Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe, Stuttgart und dem Bodensee.
In Episode 164 des Smart Innovation Podcast begrüßt Innovationscoach Dr. Klaus Reichert zwei Gäste der Melitta Gruppe aus Minden: René Korte (Geschäftsführer Innovation, Digitalisierung und Startup) und Johanna Ober-Sundermeyer (Leiterin Corporate Innovation). Gemeinsam zeigen sie, wie eine mutige Innovationsstrategie etablierte Denkmuster aufbricht und den langfristigen Unternehmenserfolg sichert.
Die wichtigsten Erkenntnisse: Echte Transformation erfordert eine klare Trennung vom Tagesgeschäft, den Mut zum „Probleme feiern“ und den Aufbau agiler Strukturen abseits bestehender Großanlagen. Erfahren Sie, wie Melitta mit einem eigenen Corporate Inkubator neue Märkte erschließt und erfolgreiche Startup-Investments wie zB Roastmarket realisiert.
Weitere Informationen, Links und die Möglichkeit mitzureden sind in den Show Notes: https://www.klausreichert.de/systematisch-vorgehen-um-ganzheitlich-wandel-im-unternehmen-zu-gestalten/
Kapitelübersicht & Zeitmarken
00:00 – Trends im Blick: Erwartungen von Menschen verstehen
01:00 – Intro: Innovationsexperte Dr. Klaus Reichert aus Baden-Württemberg
02:15 – Wer macht was? Die Innovationsverantwortlichen bei Melitta
04:15 – Inkrementell vs. Substanziell: Definition von ganzheitlicher Innovation
06:15 – Der Geist von 1908: Problemorientierung als Erbe von Melitta
08:30 – Strategische Neuausrichtung: Strukturierte Wege zum Unternehmenswachstum
13:30 – Evolution einer Idee: Vom dualen Studium zur Abteilungsleitung
15:15 – Abgrenzung zum Kerngeschäft: Die Rolle der internen Agentur
17:30 – Kulturwandel: Sneaker, Jeans und bunte Post-its im Großunternehmen
20:30 – Core Beliefs: Warum wir Probleme feiern müssen
22:30 – Das Team-Setup: Vier Säulen für die Zukunft
24:30 – Der Methodenkoffer: Vom Business Model Canvas zum Testing Playbook
26:15 – Trendanalyse & Foresight: Trends konkret auf Produkte herunterbrechen
27:30 – Das neue Buch: Ein praktischer Leitfaden aus Fehlern und Erfolgen
32:30 – Die drei Barrieren: Was Veränderungsbereitschaft im Unternehmen blockiert
35:30 – Case Study Roastmarket: Wenn die eigene Struktur für neue Ideen zu groß ist
38:45 – Q&A aus der Live-Aufnahme: PMO-Strukturen und Hochschulkooperationen
41:30 – Jumping the Curve: Drei fundamentale Tipps für den Aufbau von Innovationseinheiten
Gesprächsinhalte
1. Die Struktur der Zukunft: Vier Säulen für radikale Innovation
Die Melitta Gruppe trennt inkrementelle Produktverbesserungen strikt von substanziellen Neuerungen. Während die Optimierung bestehender Produkte direkt bei den jeweiligen Produktmanagern liegt, agiert das zentrale Team um René Korte und Johanna Ober-Sundermeyer als strategischer Impulsgeber weit abseits des Kerngeschäfts. Die Einheit ruht auf vier spezialisierten Abteilungen: Digitalisierung (6 Personen), Innovation (5 Personen), Venture Startups (2 Personen) und einem eigenen Corporate Inkubator mit aktuell 12 Mitarbeitenden. Letzterer sorgt gezielt dafür, validierte Ideen bis zur Marktreife zu pilotieren.
2. Methodik und Kultur: Kundenzentrierung durch Trendanalyse & Foresight
Erfolgreiche Neuerung basiert bei Melitta auf einer tiefen Problemorientierung, die historisch auf die Unternehmensgründerin im Jahr 1908 zurückgeht. Um Kundenbedürfnisse systematisch zu erfassen, nutzt das Team moderne Werkzeuge wie Personas, Customer Profiles und das Business Model Canvas. Ergänzt wird dies durch ein internes „Testing Playbook“, das kosteneffiziente Marktforschungsmethoden für die Teams greifbar macht. Ein wesentlicher Hebel ist zudem eine kontinuierliche Trendanalyse & Foresight: Trends werden systematisch gescannt und konkret auf die einzelnen Produktbereiche heruntergebrochen, um veränderte Erwartungen frühzeitig zu antizipieren.
3. Barrieren überwinden: Von der Geschäftsmodell-Innovation zur Ausgründung
Echte Transformation stößt intern oft auf drei Barrieren: starre Denkmuster im Kopf, historisch gewachsene Prozesskulturen und unflexible operative Strukturen. Wie man diese überwindet, beweist die Geschäftsmodell-Innovation rund um den Online-Premiumkaffee-Markt. Weil die eigenen Industrieanlagen auf riesige Röstmengen ausgelegt waren und Kleinmengen blockierten, investierte Melitta stattdessen strategisch in das externe Startup Roastmarket. Diese gesammelten Praxiserfahrungen – inklusive wertvoller Fehler – flossen in das neu veröffentlichte Buch: "The Adaptive Company".
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Im Smart Innovation Podcast gibt es umsetzungsorientierte und fokussierte Gespräche mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung im Kontext des Klimawandels.
Es geht um innovative agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie sowie den passenden Vorgehensweisen, Zukunft auch enkeltauglich zu entwerfen. Ebenso geht es um wechselnde aktuelle Themen wie neue Geschäftsmodelle, nachhaltige Produkte & digitale Dienstleistungen. Episoden erscheinen dienstags. Bleiben Sie auf dem Laufenden und folgen Sie der Show, wo immer Sie Ihre Podcasts hören, bei Linkedin und per Newsletter. Alle Folgen mit Extras, Links, Kommentaren & Transkript sind hier: https://www.klausreichert.de/podcast/
Mein Name ist Klaus Reichert. Ich bin unabhängiger Berater mit Herzblut, kreativer Business Coach und Experte für Innovation. Ich begleite Unternehmen remote auf dem Weg von der Vision zu nachhaltigen Leistungen. Mein Standort ist Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe, Stuttgart und dem Bodensee.
Transkript
René Korte: Und was ein wesentliches
Element auch bei uns ist, ist dieser
Blick nach außen und nach vorne.
Das heißt, wir gucken auch
ganz systematisch nach Trends.
Was passiert da draußen.
Und nach neuen Technologien.
Und brechen das dann für unsere
Unternehmensbereiche immer
runter auf deren Produkte.
Das heißt, was bedeutet ein Trend für
die Produkte aus unserem Kaffee-Bereich?
Was bedeutet der ganz konkret und
wollen das immer ganz konkret machen.
Dass da das Verständnis für die
Trends auch wirklich sich verbessert.
Denn Trendbetrachtungen sehen wir
als etwas ganz Essentielles an.
Denn Trend zeigt an, wie sich Erwartungen
von Menschen da draußen verändern.
Die tun schon was anderes,
aber das bedeutet ja auch, ihre
Erwartungen verändern sich.
Und wir müssen immer wieder
diesen Rückschluss machen,
okay, da verändert sich was.
Was bedeutet das eigentlich für uns?
Und was bedeutet das für unsere Produkte?
Klaus Reichert: Innovation entwerfen
und Zukunft einfach machen.
Hallo, Klaus Reichert hier.
Ich bin unabhängiger Berater, kreativer
Business Coach und erfahrener Experte
für Smart Innovation und Business Design.
Ich arbeite remote aus
Baden-Württemberg heraus.
Gemeinsam mit engagierten
Innovationsverantwortlichen und ihren
Teams mache ich Unternehmen innovativer.
Von Visionen, über frische Ideen
und agilen Innovationsmethoden hin
zur Innovationsstrategie, neuen
Geschäftsmodellen, nachhaltigen
Produkten und digitalen Services.
So entstehen innovative,
agile Organisationen mit
Vision, Dynamik und Energie.
Sowie den passenden Vorgehensweisen,
Neues auch enkeltauglich zu entwerfen
und Zukunft einfach zu machen.
Im Smart Innovation Podcast
spreche ich mit engagierten und
kreativen Menschen über Innovation,
Unternehmertum und Verantwortung,
gerade im Kontext des Klimawandels.
Bei unseren Live-Aufnahmen
zum Innovationspodcast können
Interessierte Fragen stellen.
So wird Innovation lebendig
und einfach umsetzbar.
Denken Sie daran, es gibt kein
Ende von Innovation, nur Starts.
Systematisch vorgehen, um ganzheitlich
Wandel im Unternehmen zu gestalten.
Das ist der Arbeitstitel, den
wir uns gegeben haben in der
Vorbereitung für dieses Gespräch.
Und heute mit dabei sind René Korte und
Johanna Ober-Sundermeyer von Melitta.
Hallo, vielen Dank, dass ihr heute mit
dabei seid und euch die Zeit nehmt.
Johanna Ober-Sundermeyer:
Vielen Dank für die Einladung.
Hallo.
René Korte: Ja, hallo von meiner Seite.
Vielen Dank.
Klaus Reichert: René und Johanna, ihr
habt ja verschiedene Aufgaben bei Melitta.
Ihr ergänzt euch ziemlich stark,
ihr arbeitet sehr stark miteinander.
Könnt das bitte kurz beschreiben, was
ihr macht beim Unternehmen Melitta?
René Korte: Ja, also ich bin
Geschäftsführer in der Melitta
Gruppe und verantworte den Bereich
Innovation, Digitalisierung und Startup.
Das heißt, da kümmere ich mich im Prinzip
um alles, was mit der Zukunft zu tun hat.
Das ist so in aller Kürze.
Klaus Reichert: Schön.
Johanna Ober-Sundermeyer: Genau.
Und ich leite einen Bereich
aus dieser Abteilung, den
Corporate Innovation Bereich.
Wir haben im Wesentlichen drei Aufgaben.
Das ist die Innovationsfähigkeit der
Unternehmensgruppe zu stärken, Trends ins
Unternehmen zu bringen, Methoden zu lernen
und ganz viele Impulse reinzutragen.
Wir unterstützen die
Unternehmensbereiche in ihren
Innovations- und Strategieprojekten,
da kann man uns dazuholen.
Und dann unterstützen wir
auch da gerne, oftmals mit
Workshops aber auch in Projekten.
Und die letzte Aufgabe ist
es, neue Chancenfelder für
die Gruppe zu erschließen.
Also vielen nach außen zu
schauen, Trends zu analysieren,
Marktveränderungen zu verstehen und
zu schauen, was in Zukunft für die
Melitta Gruppe relevant sein könnte.
Klaus Reichert: Ich höre da gerade
zu und denke mir, Hagen dran, Hagen
dran, Hagen dran, schön, schön, schön.
Vor allem dachte ich dann auch
gleich an meine Prioritäten
für innovative Unternehmen.
Und da habt ihr jetzt gerade ein
paar schon davon einfach so abgehakt.
Und dann habt ihr auch noch
Kollegen und Kolleginnen, die ja
auch weitere Teile davon machen.
Also wenn wir da genau drauf gucken
würden, da hättet ihr wahrscheinlich
schon ziemlich viele Haken gesetzt.
Also das freut mich sehr.
Vielen Dank, dass ihr sowas tut.
Dann haben wir jetzt quasi unser Gespräch
schon geführt und wir können aufhören.
Nein, natürlich nicht.
Jetzt habt ihr die Worte gerade gebraucht.
Da ist Innovation gefallen.
Innovation ist natürlich auch ein
wichtiges Thema für uns, ist ein
wichtiges Thema für uns, für die Welt.
Innovation ist ein wichtiges
Thema für Unternehmen.
Es gibt sehr sehr viele
verschiedenste Vorstellungen
davon, was das denn sein könnte.
Und wie würdet ihr denn Innovation
in eurem Kontext oder im Rahmen von
eurer Arbeit, von euren Aufgaben
jetzt dann bei Melitta definieren?
Johanna Ober-Sundermeyer: Wir
definieren oder wir fassen bei
der Definition von Innovationen
inkrementelle und substanzielle
Innovationen zusammen, um direkt die
nächsten Buzzwords hinterherzuschießen.
Genau, und für uns meint das im Grunde
alle Veränderungen, Neuerungen an
Produkten aber auch an Geschäftsmodellen.
Also wir denken auch Innovation bei uns
ganzheitlich, indem wir eben nicht nur
schauen, welche Produktinnovationen,
welche Serviceinnovationen können
wir entwickeln, können wir dem
Kunden und den Kundinnen anbieten.
Sondern eben auch, welche Absatzkanäle,
welche Erlösmodelle sind in Zukunft
relevant, können innoviert werden und
schauen da eben sehr ganzheitlich drauf.
René Korte: Ja, und wie du da
schon raushörst, bei uns steht
der Kunde absolut im Mittelpunkt.
Also wir gucken nach Bereichen,
wo Menschen ein Problem haben
in irgendeiner Form und wie
können wir diese Probleme lösen.
Problem neuer Art oder
Problem mit unseren Produkten.
Und das ist im Prinzip immer
Fokus von dem, was wir tun in
unserem Innovationsbereich.
Klaus Reichert: Habt auch das Thema, ich
sage mal kontinuierliche Verbesserung
oder wie auch immer das denn genannt
wird, zum Beispiel in Abläufen,
Prozessen, gegebenenfalls auch in der
Produktion in diesem Kontext mit dabei?
René Korte: Nein, das
haben wir nicht drin.
Also kontinuierlicher
Verbesserungsprozess.
Es gibt bei uns in der Produktion
natürlich auch Menschen,
die sich damit befassen.
Das ist aber nicht unser Thema.
Wir haben auch kein
gruppenweites Ideenmanagement.
Auch das ist nicht unser Thema.
So etwas haben wir schon mal ausprobiert.
Das hat nicht sonderlich gut funktioniert.
Wir gehen da etwas anders
ran, etwas strategischer.
Klaus Reichert: Da müssen wir
auch gleich drüber sprechen.
Wenn man jetzt über Melitta
liest, und ich glaube, es gibt
fast niemand in Deutschland,
der das Unternehmen nicht kennt.
Dann muss man natürlich sofort an Filter
denken, an Kaffeefilter natürlich.
Dann könnte man an
Staubsaugerfilter und sowas denken.
Wahrscheinlich macht ihr auch
noch andere Arten von Filter
und andere Produkte, ganz klar.
Aber angefangen hat es ja mit der Melitta.
Und mit einer Beobachtung, die sie
hatte und einem Agieren aufgrund
dieser Beobachtung, um das Problem
eben zu lösen, das sie da hatte.
Wie handhabt ihr das bei euch?
Sprecht ihr noch von der
Melitta in solchen Momenten?
Gibt es quasi diesen Geist von
Melitta bei euch in der Firma?
Johanna Ober-Sundermeyer: Den haben
wir auf jeden Fall und ja, gerade
so in den letzten Jahren ist das
tatsächlich immer wieder sehr präsent
geworden, weil die Geschichte als
solche natürlich total inspirierend ist.
Also 1908 schon so ein Problem gesehen
zu haben und ganz konkret darauf
eine Lösung entwickelt zu haben,
den ersten Kaffeefilter weltweit
aus Papier entwickelt zu haben, das
ist natürlich total inspirierend.
Und wenn wir von Innovation
sprechen, dann können wir eigentlich
gar nicht anders, als diese
Geschichte immer wieder zu nehmen.
Und genau diese Problemorientierung,
also ganz bewusst zu schauen, wo haben
Menschen ein Problem, wo können wir
ihnen eine Lösung bieten, das ist ja
auch genau das, was wir immer wieder
versuchen in den Mittelpunkt zu stellen.
René hat es eben schon
als Kundenfokus benannt.
Genau nichts anderes ist ja das,
was Melitta damals auch gemacht hat.
Sie selber hatte ein Problem bei der
Kaffeezubereitung, hat gesehen, dass
das andere auch haben und hat dann
eben eine Lösung dafür entwickelt.
Und das beschäftigt uns und das treibt
uns und motiviert uns auf jeden Fall auch.
Klaus Reichert: Aber ihr habt jetzt
nicht so einen Pappaufsteller von Melitta
oder sowas mit dem Meeting mit dabei und
fragt euch dann, was würde Melitta tun?
Johanna Ober-Sundermeyer: Nicht so
extrem, aber in den Meetingräumen
ist sie trotzdem sehr präsent.
Klaus Reichert: Also ich kenne es
in anderen Kontexten und auch diese
Fragestellung das finde ich dann
immer ganz gut, weil einem das auch
helfen kann, dass man so einen Spiegel
oder so eine Referenz irgendwie hat.
Johanna Ober-Sundermeyer: Cooler Ansatz.
Können wir gerne nochmal
mitnehmen und ausprobieren.
Klaus Reichert: Ihr habt ja schon
auch einige Vorgehensweisen entwickelt
und wenn ich das recht verstanden
habe, ihr habt einen gewissen
Altersunterschied zwischen euch beiden.
Also René war vorher da und hat dann
schon länger am Thema gearbeitet,
würde ich jetzt gerade mal vermuten.
Deswegen geht vielleicht
meine Frage an René zuerst.
Was war denn so der Auslöser, dass du
in dieses Thema Innovations… Arbeit,
Aufgaben, Verantwortlichkeiten eben
bei Melitta reingewachsen bist.
René Korte: Ja, also grundsätzlich
komme ich aus einem anderen Bereich.
Ursprünglich kam ich aus dem Controlling.
Da denkt man erstmal, ja, hat
ja gar nichts damit zu tun.
Dann habe ich aber auch sehr
viel Strategiearbeit gemacht und
im Rahmen unserer strategischen
Neuausrichtung 2015 habe ich eben
verschiedene Teilprojekte geleitet.
Unter anderem das Teilprojekt,
wie werden wir innovativer?
Und da ich ja in meiner vorherigen
Karriere auch New Business Development
und sowas als Station dabei hatte,
hatte ich eben die Aufgabe, das neu
zu entwickeln, neu zu denken und habe
mich also intensiv damit befasst.
Habe wirklich mit vielen verschiedenen
Menschen gesprochen im Unternehmen,
aber auch aus anderen Unternehmen.
Und habe dann was entwickelt, was
ich dann auch umsetzen durfte.
Und ab 2016 haben wir dann begonnen auf
Gruppenebene so einen Innovationsbereich
aufzubauen und das war mein Job.
Und da habe ich natürlich jetzt
auch viel Erfahrung erstmal aus den
vorherigen Stationen mitbringen können.
Und einbringen können und natürlich
auch in der Zwischenzeit sehr
viel Erfahrung sammeln können.
Klaus Reichert: Du hast gerade gesagt, das
war im Rahmen von einer Neuausrichtung.
Gab es da großen Schmerz, der
quasi das dann dazu geführt hat?
René Korte: Na ja, gut, wir müssen uns
ja immer mal wieder etwas verändern.
Das gehört zu unserer
Gruppe einfach auch dazu.
Das ist in der DNA verankert.
Aus verschiedenen Gründen
müssen wir das tun.
Wenn man sich auf unser Portfolio
anschaut, dann sieht man ja, wir sind
zum Teil in Märkten, die rückläufig sind.
Nicht nur, wir sind auch in
schönen Wachstumsmärkten, aber
ein paar Märkte sind rückläufig.
Und das bedeutet natürlich, dass
wir in regelmäßigen Abständen gucken
müssen, dass wir uns anpassen müssen.
Und das tun wir und das haben
wir in dem Zuge eben auch getan.
Klaus Reichert: Normale
regelmäßige Strategiearbeit.
Ich habe deswegen gefragt, weil
es gibt ja auch viele Unternehmen,
die warten damit zu lange, und dann
kommen sie in… die Bredouille.
Und müssen unter großem
Druck was neu machen.
Können eigentlich nicht mehr so
richtig gestalten, aber müssen was tun.
Was ich verstehe, das war
bei euch etwas anders.
Ihr macht das regelmäßig.
René Korte: Ja, und wir hatten
auch ein Ziel, wir wollten wachsen.
Wir haben uns vorgenommen zu
wachsen, weil wir gesehen haben,
wir sind in einigen Märkten aktiv,
die sich sehr, sehr gut entwickeln.
Und dann ging es ja auch darum, nicht
nur zu sehen, was man vielleicht anders
macht in den schrumpfenden Märkten,
sondern gerade auch, was müssen
wir denn eigentlich tun, um in den
Wachstumsmärkten nach vorne zu kommen.
Und das ist uns zum Glück auch
wirklich sehr gut gelungen.
Wir haben unseren Umsatz mehr
als verdoppelt in der Zeit.
Und das hat wirklich
ganz gut funktioniert.
Klaus Reichert: Du hast es gerade
angesprochen, da musste ich an ein
Beispiel denken, das bei uns gerade
vor ein paar Monaten passiert ist.
Wir hatten einen normalen Staubsauger
so am Boden mit Kabel, der war immer im
Weg, da bin ich immer drüber gestolpert.
Und das Kabel war…
Also es war furchtbar.
Ein Haufen Watt, der der gebraucht hat.
Und jetzt haben wir so einen
Miele-Handstaub-Akku-Staubsauger.
Der hat keinen Filterbeutel mehr drin.
Das mag schön oder nicht so schön
sein, ich weiß nicht, ich finde den
Unterschied ist mir nicht so wichtig.
In jedem Fall ist es eine
ziemliche Sauerei, diesen
Nicht-Filter-Beutel-Staubsauger
auszuleeren.
Also da redet auch der
Herr Dyson nie drüber.
Also vielleicht habt ihr da mal eine
schöne Lösung, die irgendwie beides
doch wieder verbindet miteinander.
René Korte: Ehrlicherweise haben wir
das schon mal in den Markt gebracht,
eine Lösung, die beides verbunden
hat, nämlich was mit einem Beutel.
Aber letztendlich hat es
sich nicht durchgesetzt.
Da war das Interesse bei den
Kunden dann doch zu gering.
Die Grundidee ist nicht schlecht.
Aber wie du schon sagst, das
Ausleeren ist ja auch nicht so schön.
Und über einen Feinstaub
wollen wir mal gar nicht reden.
Aber was da hinten rausfliegt,
da regen sich die Leute auf,
wenn sie an der Straße wohnen.
Aber saugen mit den Dingern, ja gut.
Klaus Reichert: Aber es
ist ein schönes Beispiel.
Johanna Ober-Sundermeyer: Es ist
genau ein superschönes Beispiel für
genau diese Problemorientierung.
Weil du nutzt eine bestehende Lösung
und schaust eben genau da rein, was
könnte Konsumentinnen und Konsumenten
daran stören und sich das dann einmal
rauspicken und da eben ganz konkret zu
schauen, wie lässt sich das beheben.
Das war ein spannendes Projekt.
Klaus Reichert: Und das auch
ausprobieren, das heißt ja nicht,
dass es gleich auch was wird.
Aber wenn ich nicht ausprobiere,
weiß ich das ja nicht.
Und dann kann man immer noch
aufhören oder kann es verkleinern
oder anders ausrichten oder dann in
eine andere Branche vielleicht auch
reingehen, wo man merkt dass es dann
eher passt, dieselbe Technologie.
Klasse.
Ja, Johanna, war das aus deiner Sicht?
Also du hast ja, was ich übrigens cool
finde, du hast als duale Studentin
angefangen bei Melitta, oder?
Johanna Ober-Sundermeyer: Genau, ich habe
ein duales Studium bei Melitta gemacht.
Habe 2015 angefangen vor elf Jahren.
Und genau, René hat es gerade gesagt,
der Bereich wurde 2016 gegründet und
ich bin tatsächlich dann auch 2018 schon
zum Ende meines Studiums dazugestoßen.
War total spannend, auf der einen Seite
natürlich die Erfahrung aus dem Studium
mitzubringen, das Netzwerk mitzubringen,
die Erfahrung da reinzutragen.
Und auf der anderen Seite sowohl
bei der Gründung eines solchen Teams
irgendwo schon mit dabei zu sein,
die ersten Projekte mitzubekommen.
Die ersten Erfahrungen zu sammeln,
was eben dann auch nicht funktioniert.
Und die Evolution dessen was
wir da machen, jetzt die letzten
zehn Jahre begleitet zu haben
oder in meinem Fall acht Jahre.
Super spannend.
Klaus Reichert: Ja, und es
auch zu erleben wie es wächst.
Ein Teil davon zu sein, zu sehen,
auch die Erfahrung zu machen,
wenn mal was nicht so läuft.
Und, und und.
Das ist natürlich etwas, was einen
im Turbo wachsen lässt, finde ich.
Hast du es so empfunden vielleicht?
Johanna Ober-Sundermeyer: Absolut.
Ich wurde da das ein oder andere
Mal ins kalte Wasser geschmissen.
Aber genau, also daraus, ich glaube,
sehr viel gelernt in sehr kurzer Zeit
und einfach einen super Überblick
auch über das Unternehmen bekommen und
ja, an sehr vielen unterschiedlichen
Projekten einfach arbeiten dürfen.
Klaus Reichert: Ja, all diese Bereiche
über die wir gerade gesprochen haben,
also Unternehmenseinheiten in dem
Bereich, in dem Geschäftsführungsbereich,
ich sage mal Innovation, wo du ja
auch einen verantwortest, die sind ja
auch in dieser Zeit dann entstanden.
Kann man das so sagen?
Johanna Ober-Sundermeyer: Ja,
also das heißt natürlich nicht,
dass Innovation vorher noch keine
Rolle gespielt hat bei Melitta.
Natürlich haben wir unsere Produkte
auch vor uns weiterentwickelt und
Innovationen auf den Markt gebracht.
Was wir aber gesehen haben
und ich glaube das kann auch
jeder ganz gut nachvollziehen.
Wenn es dann eben doch darum geht, größere
Veränderungen zu wagen, sich ein bisschen
weiter vom Kerngeschäft wegzubewegen,
dann ist es natürlich schwer, in einer
bestehenden Organisation, in bestehenden
Entwicklungsprozessen unterzubringen.
Und genau deswegen war es ja die
Entscheidung, das rauszuziehen und
eben in eine zentrale Einheit zu gehen.
Klaus Reichert: Ja, da habe
ich aber noch eine Rückfrage.
Würde das bedeuten, dass quasi
Produktverbesserungen, einfache
Schritte, kurze Innovationsschritte
nicht bei euch sind, sondern quasi bei
den Produktmanagern, Product Owner?
Johanna Ober-Sundermeyer:
Total korrekt genau.
Wir sind nicht dafür da, die Filtertüte,
die Filterkaffeemaschine oder den
Staubsaugerbeutel weiterzuentwickeln.
Das ist der Bereich, wo wir unterstützend
mit reingehen und quasi angefragt werden
können, wie so eine Art Inhouse-Agentur.
Aber bei uns, wenn es wirklich um neue
Themen oder neue Produktentwicklung
geht, dann sind das Sachen, die
weiter weg sind vom Kerngeschäft.
Klaus Reichert: Gut.
Wenn ihr dann anfangt zum Beispiel auch
das Kerngeschäft zu kannibalisieren,
dann habt ihr natürlich genauso
Gegenwind wie alle anderen.
Aber das ist natürlich auch etwas, wo
man dann dran wachsen und lernen kann.
Verstanden.
Klasse.
Ich habe gerade mit René angefangen.
Johanna, du hast das ja auch etwas
anders erlebt die letzten circa
zehn Jahre und den Aufbau dieser
Einheit, von der wir gerade sprechen.
Ist mir schon klar, dass Innovation
und neue Produkte und all das und auch
Verbesserungen schon vorher da waren.
Das ist ja, wenn wir mal zurückgucken,
die Welt ist ja irgendwie entstanden.
Es kam immer wieder was Neues dazu.
Also Innovation ist etwas,
was ja täglich passiert.
Aber vor allem wenn man es eben
methodischer machen will, wenn man
systematisch daran gehen will, wenn
man möglichst Dinge auch gleich
verifizieren möchte, bevor man in
Schritten vorgehen möchte, braucht
man halt eine Organisation dafür.
Wie war das für dich?
Du hast da ja jung angefangen.
Gleich nach dem Studium auch.
Du warst zwar schon quasi durch das
Studium einige Jahre mit im Unternehmen.
Das ist ja einer der Vorteile vom
dualen Studium, was ich wirklich,
wirklich wirklich gut finde.
Aber du hast das ja quasi
mit einer ganz anderen Brille
betrachtend dann auch erlebt.
Was ist denn dir da
vielleicht auch aufgefallen?
Johanna Ober-Sundermeyer: Das ist eine
gute Frage, das ist schon lange her.
Ja, aufgefallen ist auf jeden Fall, dass
wir da doch ordentlich die Sachen mal auf
links gedreht haben an einigen Stellen.
Und dass wir natürlich auch als
junges Team da mit einer ganz anderen
Perspektive reingegangen sind.
Seien das Social-Media-Trends
mal mit reinzugeben oder eben ein
Projekt anders aufzusetzen als
das klassische Projektmanagement.
Mal die ersten agilen
Methoden mit reingebracht.
Wir haben uns natürlich zu dem Zeitpunkt
auch schon ganz viel weitergebildet.
Haben selber Weiterbildung besucht.
Haben mit anderen Unternehmen
gesprochen, weil wir ja auch erst
mal lernen mussten was wir da tun.
Wir mussten uns die
Methodenkompetenz aneignen.
Und haben dann Stück für Stück eben
geschaut, welche Unternehmensbereiche,
welche Teams sind offen dafür,
erst mal so ein Projekt mit uns zu
starten, das war ganz schön aufregend.
Wo können wir einen Mehrwert schaffen?
Und dann haben wir das eben Stück
für Stück weiter ausgerollt.
Wir haben das nie versucht,
ins Unternehmen reinzudrücken.
Das fand ich auch nochmal einen
sehr spannenden Ansatz damals.
Das war auch, glaube ich
nicht selbstverständlich.
Sondern haben eben versucht, über diese
Mehrwerte die wir in den Workshops
geben, die wir durch Präsentationen
geben, durch die Impulse die wir
reingeben, Tools, die wir nutzen,
einfach so ein Stück von unserer
Arbeitsweise ins Unternehmen zu tragen.
Und das ist uns ganz gut gelungen,
auch wenn wir vermeintlich die
Ersten waren, die mit Sneakern und
Jeans ins Unternehmen gegangen sind.
Klaus Reichert: Ohne Krawatte.
Johanna Ober-Sundermeyer:
Ohne Krawatte und mit bunten
Post-its die Wände beklebt haben.
Aber das war auf jeden Fall ein
Kultur… Ruck der da durchgegangen ist.
Und ich finde es total spannend
zu sehen, wie sich das auch in die
Arbeitsweisen festigt hat und wie
sich das ganze Unternehmen, die Kultur
in den letzten Jahren verändert hat.
Was natürlich auch nicht alles unser
Verdienst ist, wo wir aber glaube ich
einen guten Teil zu beigetragen haben.
Klaus Reichert: So ein bisschen
ist ja auch zur rechten
Zeit am rechten Ort zu sein.
Damit man quasi mit der Welle
mitsurft anstatt irgendwie immer
nur gegen den Strom schwimmen muss.
Das hilft dann schon.
Also ich kann mich zum Beispiel
erinnern, ich habe 2000, ich habe mehrere
Tech-Produkte schon an den Start selbst
gebracht und 2002 oder sowas war das
mit einem Software-as-a-Service-Produkt
so ähnlich wie man es heute
mit Squarespace und sowas hat.
Das war zu früh.
Johanna Ober-Sundermeyer: Ja die Erfahrung
haben wir auch gemacht an einigen Stellen.
René Korte: Ja, wenn der Markt
noch nicht so weit ist, dann
hilft die beste Idee nichts.
Klaus Reichert: Ja, genau.
Aber gut, dass man es macht, man
lernt daraus und dann wichtig ist,
dass man was daraus lernt rechtzeitig
dann quasi da dann auch was Neues
oder mit was anderem weitermacht,
wenn es tatsächlich nicht mehr geht.
Wir haben jetzt gerade viel von
so ein paar Grundsätzen, also
nebenbei habe ich so ein paar
Grundsätze von euch auch mitbekommen.
Sowas wie machen ist wichtig, nach
außen schauen, was passiert denn
sonst noch, in einen Foresight-Prozess
reingehen, einen Horizont erweitern.
Das ist übrigens auch mein Logo
dieses Horizont und darüber hinaus.
Und das sind so Themen, die
jetzt gerade mitgefallen sind,
neben anderen natürlich auch.
Wenn ihr das jetzt mal für euch so
kurz beschreiben würdet, was sind
denn so die, habt ihr vielleicht
so ein paar Glaubenssätze, so ein
paar Organisationsentwicklungs-,
Innovationsglaubenssätze, die
ihr da so regelmäßig anwendet.
Zum Beispiel wenn ihr in Workshops
seid oder in Gesprächen dann auch mit
einzelnen Kollegen und Kolleginnen.
Johanna Ober-Sundermeyer: Einfach mal
machen steht doch schon ganz oben auf
der Liste, würde ich sagen, René, oder?
René Korte: Ja, definitiv.
Also auch das ganze Thema Probleme,
wir nennen es immer Probleme feiern,
das steht bei uns auch sehr weit oben.
Das versuchen wir auch hier
ins Unternehmen reinzutragen,
dass man Probleme feiern muss.
Es ist ein bisschen schwierig, in
einer lösungsorientierten Kultur zu
vermitteln, dass es erstmal darum geht,
die Probleme richtig zu verstehen.
Und sich die anzugucken und dann
natürlich auch eine Lösung zu entwickeln.
Aber das ist auch einer dieser
für uns Glaubenssätze, der
für uns auch sehr wichtig ist.
Dann ist natürlich für unsere Arbeit
als solche ist es genau das, was
auch für alle anderen gelten sollte.
Es zählt letztendlich ja
der Beitrag den wir leisten.
Also es geht ja um den Impact, den wir
bringen, einerseits fürs Unternehmen,
aber auch für die Unternehmensbereiche.
Das muss im Vordergrund stehen, ja.
Klaus Reichert: Also das
sind eure Kunden im Grunde?
René Korte: Absolut, genau.
Also wir sind kundenzentriert für
unsere Kunden, aber auch nach außen hin.
Und dann haben wir natürlich
noch andere Themen, die sich aus
den Werten von Melitta ableiten.
Das ist für uns natürlich auch immer
so ein Thema wie Nachhaltigkeit.
Das versuchen wir auch immer
frühzeitig mitzudenken.
Das ist einfach auch
aus unserer Melitta-DNA.
Wir sind Familienunternehmen
in der vierten Generation.
Und wir wollen natürlich auch,
dass die fünfte und sechste
Generation hier noch was hat.
Und ja, also auch die Generation
draußen natürlich, darum
geht es ja eigentlich auch.
Klaus Reichert: Das Ganze hat sehr viele
viele Erfahrungen produziert, dieser
Prozess dieser letzten, ich sage mal, zehn
Jahre, dann wird es ein bisschen leichter.
Und da ist natürlich viel geschehen
ihr habt ein Dings aufgebaut,
einen Organisationsbereich.
Könnt ihr sagen, wie viele Leute
da ungefähr mit beteiligt sind?
Und welche Abteilungen das dann sind
oder welche Überschriften da die
Abteilungen dann haben, auch wenn
es vielleicht nur eine Person ist?
René Korte: Also wir haben grundsätzlich
vier Bereiche, vier Abteilungen.
Wir haben Digitalisierung, das
ist ein Team von sechs Leuten.
Wir haben Innovation, das
ist ein Team von fünf Leuten.
Wir haben Venture Startups, das ist
ein Team aktuell von zwei Leuten.
Und wir haben unseren Inkubator,
der aktuell zwölf Leute hat.
Der Inkubator, der sorgt dafür, dass
eben die Ideen die wir entwickelt
haben im Innovationsbereich, dass man
die dann marktreif weiterentwickelt,
bis zur Marktreife, dann erst zu
Piloten auch macht, um die in den
Markt reinzubringen auch wirklich.
Und daneben ist es natürlich auch
so ganz kurz, das ist vielleicht
auch noch wichtig zu verstehen.
Wir haben natürlich auch ganz viele
Projekte, wo ziemlich viele Leute aus
den Unternehmensbereichen drin sind
und wir im Prinzip nur als Support.
Wo da ganz, ganz viel natürlich
auch aus den Bereichen kommt.
Klaus Reichert: Hört sich nach
einer gut aufgestellten Einheit an.
Ich verstehe, dass ihr eben teilweise
so ein bisschen eigene Aufgaben habt,
aber vor allem halt auch nach draußen
geht, um dann in den anderen Teams
des Unternehmens dann für Mehrwerte zu
sorgen, die zu organisieren, was zum
Beispiel Kreativität oder Workshops
oder was weiß ich alles angeht.
Es gibt ja mittlerweile so viele
Hilfsmittel auch, die man anwenden
kann, die eigentlich ja relativ einfach
sind, wenn man sie kennt und wenn man
sie auch mal gelernt hat, wenn man sie
beispielhaft mal durchgegangen hat.
Also jetzt ein Business Model
Canvas oder sowas in der Richtung.
Das ist ja etwas, was ihr wahrscheinlich
dann auch nutzt um die Leute dann
eben zu trainieren, dass sie später
eigenständig damit arbeiten können.
Johanna Ober-Sundermeyer: Korrekt genau.
Wir arbeiten mit Personas, wir
erstellen Customer Profiles, reden
viel über Jobs und Pains und Gains.
Genau, münden tut das Ganze
im Business Model Canvas.
Ja, wir haben ein Testing Playbook
rausgebracht vor gut anderthalb Jahren,
wo es um Marktforschungsmethoden
geht, weil wir eben auch da gemerkt
haben, Marktforschung total wichtig,
um diese Kundenzentriertheit
natürlich auch richtig zu leben und
beizubehalten und sogar zu verbessern.
Wir machen Marktforschung aber eben
auch immer sehr kosten- und zeitintensiv
Also haben wir uns gefragt, wie
kriegen wir das hin, dass wir auch
das ein bisschen greifbarer machen.
Genau.
Und ja, noch, auch da einfach
Kompetenzen aufbauen, vieles
schon mal selber zu machen.
Natürlich gibt es immer noch die
großen Fragestellen, die auch wir
mit externer Unterstützung machen.
Das ist klar, das kann auch nicht
alles ersetzen, aber wir können einen
ganz, ganz großen Schritt schon mal
selber machen und haben auch da das
Playbook eben rausgebracht, immer in
Kombination mit einem Workshop-Angebot
um dann auch zu lernen, wie man mit
diesem Playbook umgehen kann und
die Methoden dann anwenden kann.
Klaus Reichert: Ja.
René Korte: Und was ein wesentliches
Element auch bei uns ist, ist dieser
Blick nach außen und nach vorne.
Das heißt, wir gucken auch
ganz systematisch nach Trends.
Was passiert da draußen.
Und nach neuen Technologien.
Und brechen das dann für unsere
Unternehmensbereiche immer
runter auf deren Produkte.
Das heißt, was bedeutet ein Trend für
die Produkte aus unserem Kaffee-Bereich?
Was bedeutet der ganz konkret und
wollen das immer ganz konkret machen.
Dass da das Verständnis für die
Trends auch wirklich sich verbessert.
Denn Trendbetrachtungen sehen wir
als etwas ganz Essentielles an.
Denn Trend zeigt an, wie sich Erwartungen
von Menschen da draußen verändern.
Die tun schon was anderes,
aber das bedeutet ja auch, ihre
Erwartungen verändern sich.
Und wir müssen immer wieder
diesen Rückschluss machen,
okay, da verändert sich was.
Was bedeutet das eigentlich für uns?
Und was bedeutet das für unsere Produkte?
Und das ist eben auch ein großes Element.
Johanna hatte es vorhin ja auch schon
einmal erwähnt, worum wir sehr viel
Wert drauf legen, dort die Leute
auch ein bisschen aufzuschlauen.
Klaus Reichert: Da komme ich jetzt
auch wieder zurück auf dieses
Thema, das wir eingangs angesprochen
haben, von dieser regelmäßigen
zum Beispiel Strategiebetrachtung.
Und anderen Dingen, die
eben regelmäßig stattfinden.
Also das heißt, was ich jetzt verstehe,
ist, sehr vieles von diesen Themen
sind für euch eben nicht Einmalsachen,
sondern ihr versteht es als etwas,
was man regelmäßig anwendet vielleicht
jetzt nicht ganz stur jedes zweite
Jahr oder so, aber dass man ganz klar
sagt, Mensch, das ist notwendig dass
wir das immer wieder angehen, wenn
bestimmte Dinge zum Beispiel eintreten.
Was ich auch verstehe ist, ihr habt in
diesen letzten zehn Jahren nicht nur einen
Haufen Kompetenz aufgebaut, Organisation,
euch organisational wie heißt das,
organisational, organisationell, ihr
habt euch organisatorisch so aufgestellt,
dass ihr eben die unterschiedlichsten
Aspekte oder in einer Kette auch gut
abdecken könnt und da sind natürlich
auch jede Menge Erfahrungen, Methoden
und so weiter verprobt worden.
Ihr konntet dann einiges auswählen,
denke ich was auch eben gut ist und das
macht ihr dann weiter und andere Sachen
aussieben und das ist jetzt auch in
einem neuen Buch eben zusammengekommen,
wenn ich das so verstanden habe.
Da sollten wir jetzt gleich
auch drüber sprechen.
Wir werden das Buch auch verlinken in den
Shownotes, aber habe ich das vielleicht
gerade so richtig wahrgenommen oder
warum habt ihr dieses Buch geschrieben?
René Korte: Ja, wir haben das Buch
geschrieben, weil wir… wie gesagt,
wie du auch schon gesagt hast wir
haben viel Erfahrung gesammelt, wir
haben viel gelernt, wir haben auch
ganz schön viel falsch gemacht.
Da haben wir glaube ich das meiste
draus gelernt, ehrlich gesagt.
Und wir, ja, wir sind ja auch vernetzt mit
Externen, anderen Firmen und so weiter.
Und immer, wenn wir da was vorstellen,
kommt die Frage, oh, das ist interessant,
könnt ihr uns da mehr von erzählen?
So dann haben wir gesagt, ja, gut,
machen wir jetzt halt auch und haben
dann dieses Buch als Format gewählt,
um einerseits natürlich unseren
Menschen hier im Unternehmen nochmal
die Möglichkeit zu geben, manche
Dinge nochmal nachzulesen und sowas.
Aber auch, ja, andere daran teilhaben
zu lassen, was wir gemacht haben.
Wir sind sehr praxisorientiert.
Das Buch ist auch sehr praxisorientiert.
Bei uns geht es immer daran, hier die
Erdbeule hochzukrempeln, loszulegen.
Ist also kein theoretisches Buch, sondern
soll ein praktischer Leitfaden sein.
Und hat immer ein paar Beispiele von
uns und speziell jetzt von unserer
Arbeit hier aus dem Innovationsbereich.
Auch Beispiele, was nicht geklappt hat.
Weil aus Fehlern lernen ist gut, aus
Fehlern von anderen lernen ist besser.
Und die Möglichkeit, die
bieten wir dann halt auch.
Klaus Reichert: Das Buch nimmt
sich leicht in die Hand.
Es ist auch mit Farben
geschickt verwendet, damit man
leichter Dinge wahrnehmen kann.
Es hat eine schöne Aufteilung, es hat eine
gewisse Modularität, wenn man so will.
Ich habe es hier gerade vor mir,
ich weiß nicht, ob man es in der
Kamera tatsächlich auch sieht.
es ist ja so ein Mix aus
Theorie Vermittlung und
tatsächlich gleich Anwenden.
Also es sind auch Canvas drin,
man kann bestimmte Dinge mehr
oder weniger gleich einfach
mitmachen, nachmachen und so weiter.
Wie habt ihr diese Themen definiert?
Ich meine, ihr habt ja eine Vielzahl
an Methoden oder an Sachen, die
ihr ausprobiert habt, die ihr
quasi in der Schublade auch habt.
Und wie kamt gerade auf die?
Johanna Ober-Sundermeyer: Genau, wir
haben uns am Anfang, ja die, am Anfang
war die Struktur vielleicht noch etwas
anders, am Ende sind wir auf die Struktur
gekommen, die es jetzt final geworden ist.
Klaus Reichert: Am
Anfang war das Licht, ja.
Johanna Ober-Sundermeyer:
Genau, so ungefähr.
Nee, aber weil das genau die Themen sind,
über die wir eigentlich jetzt die letzte
halbe Stunde schon gesprochen haben.
Der erste Teil beschäftigt sich eben sehr
stark damit zu verstehen, ja, wie die
Welt sich verändert, warum die Welt sich
aktuell vielleicht schneller verändert,
als es früher noch der Fall war.
Ja, was ich als… Mitarbeitende in einem
Unternehmen, aber eben auch, wie ich
da Einfluss darauf nehmen kann, was ich
selber gestalten kann und eben nicht die
Verantwortung per se wegschieben muss.
Sondern was ich eben
selber trainieren kann.
Das ist nämlich dieser Trainingsaspekt,
den René gerade schon angedeutet hat.
Und wie wir aber auch das
Unternehmen mitnehmen können.
Also Kultur spielt im letzten Teil
auch eine ganz, ganz große Rolle, weil
Innovation natürlich eben nicht nur
von einzelnen Personen gemacht werden
kann, sondern immer ein ganzes Team
dahinter braucht, ein Unternehmen.
Das eben auch den Weg mitgeht.
Und genau, deswegen beschäftigt sich
der dritte Teil noch mit Kultur.
Und die besagten Canvas-Businessmodel
und Co. Foresight, Design Thinking, das
spielt natürlich auch im mittleren Teil
eine ganz ganz große Rolle, wo es eben
darum geht, mein Wertangebot zu verstehen,
zu verstehen, wie verändert sich das,
mich mit Kunden aber auch Nicht-Kunden
auseinanderzusetzen, Aktivitäten,
Ressourcen auf den Prüfstand zu stellen
und die Marktregeln, diese Annahmen, die
wir eben alle in uns haben, die wirklich
ganz systematisch zu hinterfragen.
Klaus Reichert: Regelmäßig
zu hinterfragen, ja.
Verstanden.
Eine meiner Lieblingsmethoden ich sage
mal im Bereich Innovationsmanagement,
Produktmanagement, Marktforschung
ist, dann auch Nicht-Fokus-Kunden,
Nicht-Fokus-Gruppen zu haben.
Also in jedem Fall Leute zu haben,
die definitiv nicht meine Kunden sind.
Und von denen dann zu hören,
was die einfach davon denken.
Da kommen fast noch viel
spannendere Sachen raus.
Johanna Ober-Sundermeyer: Ja, stimmt.
Klaus Reichert: Weil du gerade auch
Kultur angesprochen hast, da mir ist ein
Satz aufgefallen ich versuche ihn mal
wiederzugeben ist nicht ganz wortwörtlich.
Innovation fängt im Kopf des
Einzelnen an und hört an der
Tür der Abteilungsleitung auf.
Johanna Ober-Sundermeyer: Im schlimmsten
Fall ja, im besten Fall natürlich
nicht, weil wir es schaffen, genau
diese Abteilungsleitung mitzunehmen
und die anderen Teams, damit es
eben nicht an der Bürotür aufhört
sondern im Unternehmen weitergeht.
Klaus Reichert: Ja.
René Korte: Ja der Satz bezog
sich ja genau auf die Kultur,
an die man eben auch ran muss.
Aus unserer Sicht gibt es
drei wichtige Barrieren für
Veränderungsbereitschaft für Innovation.
Die erste beginnt halt im Kopf.
Ich habe meine Denkmuster da drin, die
muss ich erst mal schaffen aufzubrechen
Gerade wenn ich… keine Ahnung, so wie
ich jetzt 30 Jahre Erfahrung habe, dann
etablieren sich Denkmuster und die kann
man gar nicht so einfach loswerden.
Und die sind so lange gut, wie sich
die Umwelt nicht signifikant ändert.
Aber sobald da eine größere Veränderung
kommt, und das kommt ja mit der Zeit, ja
dann ist das eigentlich gar nicht mehr
ganz so viel wert, was da an Denkmustern
dahinter ist, im schlimmsten Fall.
So, und dann ist das Nächste,
was einen abhält, ja die Kultur.
Weil die Menschen arbeiten in
jahrelang geübten Prozessen, die sind
da auf ihre Tätigkeiten fokussiert.
Die kriegen was vorgelebt
von ihren Vorgesetzten.
Und wenn man denen mit etwas Neuem
kommt, dann ist das für die ja,
ich weiß nicht, wie das geht?
Das kommt sofort zu einer
Verunsicherung dort.
Und in der Regel ja
auch zu einer Ablehnung.
Und das ist ja auch eigentlich richtig,
weil das, was sie bisher gemacht haben,
war ja richtig, hat funktioniert.
Jetzt kommt jemand an und sagt,
wir müssen was neu machen, dann
ist da erst ein Widerstand.
Und die dritte Barriere
sind die Strukturen an sich.
Was habe ich eingezogen
an wirklichen Prozessen.
Was habe ich aber vielleicht
auch an Anlagen irgendwo stehen?
Das sind ja auch alles Strukturen,
die Veränderungen durchaus verhindern.
Wenn ich einen großen Anlagenpark
habe, werde ich immer versuchen,
diese Anlage auszulasten.
Und dann, wenn einer ankommt und sagt,
hier, ich habe aber eine neue Idee, wo
wir vielleicht ein ähnliches Produkt,
nur etwas anders haben, und dieses aber
nur eine kleinere Zielgruppe hat, dann
kann ich mit dem großen Anlagenpark
vielleicht gar nichts anfangen.
Und dann werde ich sofort
auf Widerstände stößen.
Also das sind im Prinzip so diese
Barrieren die man überkommen muss.
Und darauf bezog sich
der Satz mit der Bürotür.
Klaus Reichert: Ja, in den Show
Notes bringe ich vielleicht noch
die Seitenzahl mit unter, dann
findet man es später leichter.
Sowas ist ja sehr schnell, man
muss ja aufpassen, gerade in dem
Kontext gibt es sehr viele Dinge,
die als gesetzt immer gelten.
Du hast es ja auch gerade schon
angesprochen, man hat so seine
Erfahrungen und baut da drauf auf.
Sieht es dann auch als statisch vielleicht
an, als immer gültig und so weiter.
Und das ist, glaube ich einer der
wichtigsten Punkte, dass man sich auch
lernt in Frage zu stellen, beziehungsweise
weiter an Themen dran zu bleiben.
Weiterzubilden, methodisch weiterzukommen,
aber auch eben in so einer Art kulturellen
Prozess auch sich selbst behandelt.
Was aber schwierig ist, gar keine Frage.
Jetzt ist es so, wir haben
natürlich jetzt gerade einiges an
theoretischen Themen angesprochen.
Gibt es vielleicht zum Beispiel
auch aus dem Buch ein Beispiel,
wo ihr das mal festmachen könnt,
wo man sagen könnte, Mensch, wir
haben das und das und das gemacht.
Und dann kam am Ende die Filtertüte
für die Weltraumkaffeemaschine
raus oder sowas.
Johanna Ober-Sundermeyer: Nee, alles gut.
Ich denke gerade, René, an
Kaffee trinken die Leute immer.
Beziehungsweise kaufen das nicht online.
René Korte: Ja, also das Beispiel könnten
wir hier, glaube ich ganz gut reinbringen.
Wir hatten, das war eigentlich noch
bevor wir den Innovationsbereich
hatten, das war noch aus der New
Business Rolle, die Idee entwickelt,
Premium Kaffee online zu verkaufen.
Wir haben das mal vorgestellt
bei unserer Kaffee-Einheit.
Das war 2014, und haben das dem
Management-Team vorgestellt, weil es ganz
viele Trends gibt, die genau da einzahlen
drauf, die Leute kaufen mehr online, die
interessieren sich mehr für Kaffee, auch
hohe Qualität, wirklich ein gutes Thema.
Da kam dann die Aussage, ja, wir
werden niemals auch nur ein Kilo Kaffee
online verkaufen, von dem Manager dort.
So, und der hat natürlich grundsätzlich
recht, weil er hatte ganz… ganz
viele Argumente, die das eigentlich
auch, ja… bestätigt haben.
Warum?
Weil gut, Kaffee hat
eine ganz geringe Marge.
Sobald man da einen Mitarbeiter
ins Lager schickt, um eine Packung
rauszuholen, ist die Marge weg.
Und da sind Versandkosten oder so
schon nicht mal berücksichtigt.
Und dann haben wir da riesengroße Anlagen.
Und das sind Anlagen da rösten wir
80.000 Tonnen Kaffee jedes Jahr.
Wenn man dann mit Premium-Kaffee
ankommt, wo man vielleicht mal eine
halbe Tonne braucht, da lohnt sich
gar nicht, die Anlage anzuschmeißen.
Das geht gar nicht, kann
man gar nicht produzieren.
Und aus diesen Aussagen heraus kam dann
diese Aussage okay, wir werden niemals
ein Kilo Kaffee online verkaufen.
Und zwar auch zu Recht.
Und dann haben wir aber zum Glück es
geschafft, die Unternehmensleitung
zu überzeugen dass das Thema
grundsätzlich ein interessantes ist.
Und dann haben wir nach Startups geguckt
und später, ein paar Jahre später,
eins gefunden, was genau das macht.
An dem haben wir uns beteiligt und
das Startup ist Roastmarket und
das ist heute ja auch die größte
Premium-Kaffee-Plattform in Deutschland.
Weil es eben doch so ist, dass
ziemlich viele Leute daran interessiert
sind und es gibt einen Markt.
Und natürlich hatte die Einheit
recht, die haben es nämlich
machen können in ihrer Struktur.
Aber in einer anderen Struktur
ist es dann eben doch möglich.
Da haben wir also ein neues
Geschäftsmodell im Prinzip
hier in der Gruppe etabliert.
Klaus Reichert: War das dann vielleicht
auch schon ein Beispiel, dass ihr
notwendigerweise auch irgendeine Form von
Beteiligungsarm braucht als Teil dieser
Organisation, die ihr hier aufgebaut habt?
René Korte: Ja, definitiv.
Klaus Reichert: Ja, okay.
Wir haben noch eine Frage
von dem Wilhelm Leisner.
Er fragt gibt es bei Melitta
ein Project Management Office?
Also das ist ja so darüber hinaus
über den reinen Innovationsbereich
dann, wenn es in den Projektbereich
reingeht, PMO, wo man dann ja so diese
Projektlogik, die Projektkompetenz und
Projektleiterpool und sowas dann auch hat.
René Korte: Also für Innovationsprojekte
haben wir das jetzt nicht.
Wir haben das selbstverständlich
für andere größere Projekte
immer mal temporär gehabt in den
letzten Jahren und Jahrzehnten.
Wenn größere Restrukturierungsprojekte
sind, dann kann es sein,
dass wir so ein Office haben.
Aber wir haben das nicht permanent.
Klaus Reichert: Dann haben wir
noch eine Frage von der Barbara
Schmuker: Arbeitet ihr auch mit
Hochschulen zusammen, zum Beispiel
im Bereich Forschung, Entwicklung?
Gibt es da Projekte, also jetzt darüber
hinaus, was mit der dualen Hochschule
passiert, um zum Beispiel zu neuen
Produkten oder auch zum Verproben
oder sowas neuen Verfahren zu kommen?
Johanna Ober-Sundermeyer:
Ja, das haben wir.
Wir haben immer mal wieder
Forschungsprojekte, geben Themen
für Masterarbeiten beispielsweise
an verschiedenen Hochschulen rein.
Wir haben auch im Entwicklungsbereich,
wenn es zum Beispiel um Materialien
geht, immer mal wieder Ansätze,
wo wir mit Forschungseinrichtungen
und gerade auch mit Universitäten
zusammenarbeiten und ganz viel von den
Studierenden da immer mit rausnehmen.
Das sind wirklich immer tolle Projekte,
begleiten natürlich auch Masterarbeiten.
Klaus Reichert: Okay.
Das
Johanna Ober-Sundermeyer:
haben wir auch alles drin
Klaus Reichert: Auf dem
Masterarbeiten-Level, das ist jetzt nicht
so, dass ihr da quasi einen Doktoranden
oder sowas zum Beispiel dann beauftragt.
Johanna Ober-Sundermeyer:
Doch das haben wir auch, ja.
Klaus Reichert: Eine weitere
Frage von Wilhelm Leisner.
Hattet ihr auch schon mal die Idee,
dass ihr eure Leistung auch außerhalb
des Unternehmens anbieten könntet?
Johanna Ober-Sundermeyer: Das machen
wir tatsächlich seit letztem Jahr unter
der Marke comorow by Melitta Group.
Da bieten wir genau diese vor allem
individuellen Workshops die wir eben
konzipieren auf die unterschiedlichsten
Fragestellungen, wo wir auf unseren
Methodenkoffer zurückgreifen, bieten
wir auch anderen Unternehmen an.
Klaus Reichert: Ja, also danke auch
erstmal für das Beantworten dieser Fragen
von den Teilnehmenden der Live-Aufnahme
und auch für dieses schöne Beispiel.
Ich finde, das macht es sehr sehr deutlich
auch, warum etwas ja… auf beiden
Seiten nicht falsch sein muss, wenn
man mit der schrägen Idee sozusagen um
die Ecke kommt und das abgelehnt wird.
Solange man sich deswegen nicht davon
abbringen lässt, das zumindest zu
verproben, um dann den entsprechenden
anderen Weg zu suchen, mit dem man das
dann tatsächlich doch realisieren kann.
Ich finde, das ist so die Lehre, die
man ja auch daraus dann ziehen kann.
René Korte: Ja, das ist auch
etwas, was wir hier auch versuchen
als Denker mit zu etablieren.
Das ist ja das, was wir, wir
nennen es immer Jumping the Curve.
Man hat ja so eine
Produkt-Lebenszyklus-Kurve
und die flacht irgendwann ab.
Und mit inkrementellen Innovationen
versuche ich, die in die Länge zu ziehen.
Aber ich muss ab einem gewissen Punkt
auch gucken, was mache ich denn danach?
Welche Kurve brauche ich denn dann,
um dann den Absprung zu schaffen,
im Zweifelsfall auf ein neues
Produkt, neuen Markt, wie auch immer.
Klaus Reichert: Ihr wisst ja, für
den Podcast ist es wichtig, dass man
eben vom Zuhören ins Machen kommt.
Und in dem Falle könnte man zum Beispiel
fragen, was sind denn so zum Beispiel
eure Lieblingsworkshops oder was macht ihr
dann in so einer Beratung oder, oder oder.
Ja aber ich glaube, was mich am meisten
interessieren würde und was, glaube ich,
auch am hilfreichsten ist für andere
Unternehmen, die eine Einheit ähnlich
derer die ihr gebaut habt, ja das ist
sicher nicht die gleiche aber ähnlich
derer, die ihr gebaut habt, wenn ihr denen
quasi was mitgeben wollt, was wären denn
da so die drei Tipps um das aufzubauen,
organisatorisch aufzubauen, was ihr in
den letzten zehn Jahren gemacht habt?
René Korte: Also der erste
Tipp ist, ausdauernd sein.
Das ist kein, das ist ein bisschen
banal mag das klingen, aber das ist
schon sehr wichtig, weil man kriegt alle
Nase lang was vor den Latz geknallt.
Es gibt ganz viele Dinge, die auf diesem
Weg nicht funktionieren und dann muss
man aufstehen und weitermachen und
das ist gar nicht immer so einfach.
Dann hat man vielleicht Projekte,
die man total toll findet,
die aber nicht funktionieren.
Die muss man loslassen
und was Neues machen.
Auch das ist ganz wichtig.
Also ausdauernd sein und
die Offenheit behalten.
Das wäre mein erster Tipp.
Vielleicht Johanna?
Johanna Ober-Sundermeyer:
Gehe ich absolut mit.
Ich würde noch den zweiten Trip
dranhängen, gezielt zu schauen, wo
Strukturen helfen, die auch aktuell
schon da sind und wo sie aber auch
verhindern indem beispielsweise diese
Grundannahmen, die wir eben gehört
haben, nicht mehr hinterfragt werden,
sondern als Regel angesehen werden.
Was aber vielleicht
gar nicht der Fall ist.
Also auch einfach zu schauen, welche
Kompetenzen sind da, welches Know-how ist
da und wie lässt sich das anders anwenden.
Weil gerade wenn man da am Beginn steht,
eine neue Einheit aufzubauen oder so
einen gesamten Prozess einzubauen,
das ist natürlich erstmal wahnsinnig
viel und man weiß gar nicht so richtig
unbedingt, wo man anfangen soll.
Und da wirklich ganz gezielt zu
schauen, welche Kompetenzen habe
ich, wo kann ich Bestehendes nutzen?
Das wäre noch ein zweiter Tipp.
René Korte: Und ein dritter
ist, Beitrag leisten.
Also das ist das Allerwichtigste.
Wir müssen Mehrwert schaffen
für andere im Unternehmen.
Nur dann sind wir wirklich relevant
und nur dann funktioniert es auch.
Und das ist für mich eigentlich so die
Schlüsselfunktion, dass wir hier im
Unternehmen mittlerweile auch wirklich ein
sehr, sehr gutes Standing aufgebaut haben.
Also die Leute kommen zu uns
und wollen unsere Hilfe, weil
sie merken, es bringt was.
Klaus Reichert: Ich nehme heute
viel aus unserem Gespräch mit.
Ich bin sehr beeindruckt von der
Vielfalt an Themen und Aufgaben,
die ihr in-house betreut.
Die sich ergänzen miteinander
und die natürlich Ergebnis eines
Prozesses sind, die nicht von heute
auf morgen so entstanden sind.
Wir reden jetzt von ungefähr
zehn Jahren und das wird sich
sicher auch weiterentwickeln.
Da kommen dann auch noch andere Themen
dazu und das eine oder andere fällt
vielleicht wieder ein bisschen weg.
Aber da bin ich wirklich dankbar, dass
ihr uns einen Einblick gegeben habt
in diese Strukturen, die ihr wieder
aufgebaut habt, die ihr betreibt.
Vielen Dank, dass ihr euch heute die
Zeit für den Podcast genommen habt.
Johanna Ober-Sundermeyer: Vielen Dank für
die Einladung und für die vielen Fragen.
René Korte: Tja, das kann ich nur teilen.
Vielen Dank, es waren spannende
Fragen und hat Spaß gemacht.
Klaus Reichert: Das war der
Smart Innovation Podcast.
Wir führen diese Gespräche um engagierten
Menschen, die etwas bewegen wollen, eine
pragmatische Hilfe zu den Themen zu geben.
Wenn Sie etwas aus dem Gespräch mitnehmen,
dann abonnieren und bewerten Sie bitte
die Show bei Ihrer Podcast-Plattform.
Für alle, die weiter im Thema bleiben
wollen, Extras zur Episode, ein
Transkript und die Möglichkeit für
Kommentare sind in den Shownotes verlinkt.
Der Smart Innovation Podcast wird
unabhängig produziert von mir, Klaus
Reichert, im Südwesten Deutschlands.
Vielen Dank fürs Zuhören und
denken Sie daran, es gibt kein
Ende von Innovation, nur Starts.