Vom Öko-Institut zur Klimaneutralität: Warum Hartnäckigkeit die wichtigste Ressource der Energiewende ist
19.02.2026 108 min Klaus Reichert
Zusammenfassung & Show Notes
Energiewende zwischen Effizienz, Elektrifizierung und sozialer Innovation: Projekte und Erfahrungen aus Freiburg
Im Smart Innovation Podcast spricht Dr. Klaus Reichert mit Dieter Seifried und Prof. Dr. Rainer Grießhammer (beide Freiburg, langjährig mit dem Öko-Institut verbunden) über die Entwicklung der Energiewende seit den 1970er/80er Jahren, zentrale Widerstände, die wachsende Systemkomplexität (Sektorkopplung von Strom, Wärme, Verkehr, Industrie) und die Bedeutung von Energieeffizienz, die gegenüber dem Ausbau Erneuerbarer zeitweise vernachlässigt wurde.
--
Weitere Informationen, Links und die Möglichkeit mitzureden sind in den Show Notes: https://www.klausreichert.de/warum-hartnackigkeit-die-wichtigste-ressource-der-energiewende-ist/
--
Sie diskutieren Stromverbrauchstrends (seit 2000 nur mäßig gestiegen, zuletzt teils rückläufig) und die Erwartung, dass der Strombedarf durch Elektrifizierung von Wärmepumpen, E-Autos und Industrie in den nächsten 20 Jahren deutlich steigt und bei vollständiger Umstellung etwa doppelt so hoch wie heute sein kann, um Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. An Beispielen wie effizienteren Kühlschränken und dem Umstieg auf LED-Beleuchtung (bis zu 95% Einsparung gegenüber Glühlampen) wird Effizienzfortschritt erläutert, zugleich Rebound-Effekte und langsame Gebäudesanierung angesprochen; bei Autos seien Effizienzgewinne durch größere, stärkere Fahrzeuge teils kompensiert, Verbrenner prinzipiell ineffizient, weshalb Elektromobilität naheliegt.
Die Gäste stellen ihre Hintergründe vor (Grießhammer: Chemie, Bundestagsberater, über 30 Jahre Geschäftsführung Öko-Institut, Fokus Produkte/nachhaltiger Konsum, Kolumnen und Bücher; Seifried: Maschinenbau/Energie- und Kraftwerkstechnik, später VWL, Öko-Institut bis 1999, danach selbstständig mit ÖQuadrat).
Im Mittelpunkt stehen konkrete Projekte als Beispiele für soziale Innovationen: die Freiburger "Meister Lampe"-Aktion (Gutscheine für kostenlose Energiesparlampen, Einbindung von Handel und Stadtwerk FEW, volkswirtschaftlicher Gewinn ca. 3 Mio. DM, Tarifanpassung zur Aufteilung von Gewinnen und zur Kompensation entgangener Erlöse), Least-Cost-Planning-Ansätze und die frühe Studie für die Stadtwerke Hannover (um 1990) mit Werkzeugen zur Berechnung vermiedener Erzeugungskosten und kooperativer Umsetzung, die später von anderen Stadtwerken aufgegriffen wurde. Es wird erläutert, wie Liberalisierung und Fokus auf Strompreis statt Energiedienstleistung (Licht, Kühlung, Pumpenleistung) Effizienzprogramme erschwerten.
Weiterhin werden Programme zur Stromreduktion in Haushalten beschrieben: Potenziale zur Senkung eines typischen Zwei-Personen-Verbrauchs von ca. 3400 kWh auf etwa 1500 kWh ohne Komfortverlust; ein aktuelles Beratungsprojekt mit Öko-Institut/ÖQuadrat/EWS Schönau, finanziert von der DBU, erzielte in einem Jahr rund 1500 kWh bzw. ca. 460 Euro Einsparung pro Haushalt. Als sozial-ökologisch-ökonomisches Vorzeigeprojekt wird der "Stromspar-Check" für einkommensschwache Haushalte (Pilot 2008 in Freiburg und Berlin, bundesweite Umsetzung ab November, Direktinstallation von LEDs, Perlatoren, Steckdosenleisten etc., Austausch ineffizienter Kühlgeräte mit Zuschuss/Kredit, Ausbildung von Langzeitarbeitslosen zu Stromsparhelfern) dargestellt; das Programm lief über vier Regierungen, erreichte bis Ende des Vorjahres 425.000 Haushalte, rund 700 Stromsparchecker und fast eine Million Tonnen CO2-Einsparung.
Als weiteres Beispiel wird ein Bürgerbeteiligungs-Einsparcontracting an der Staudinger Gesamtschule Freiburg (Planung ab 1996, Start 1998) beschrieben: etwa 500.000 DM Investitionen, finanziert von knapp 100 Bürgern über eine GmbH, Refinanzierung über eingesparte Energiekosten über acht Jahre, Verzinsung 3–6%, Überschüsse für weitere Maßnahmen; das Projekt war erfolgreich, zeigte aber hohe administrative Hürden und interne Widerstände in der Stadtverwaltung. Abschließend wird ein Kuba-Projekt geschildert: Idee eines Contracting-Ansatzes zum Austausch ineffizienter Kühlschränke scheiterte an fehlender Unterschrift eines Ministeriums, später setzte Kuba landesweit den Austausch von 2,4 Mio. Kühlschränken mit chinesischen Geräten um (Bezahlung u.a. über Nickel).
Zum Ende vergleichen die Gäste die Herausforderungen der Energie- mit der Verkehrswende (hohe politische Sensibilität, Infrastrukturdefizite, Tempolimit-Debatte, Rolle der Automobilindustrie, Förderung schwerer E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride) und betonen Hartnäckigkeit, Rahmenbedingungen, Beteiligung und verständliche, nachweisbare Nutzenargumente als zentrale Erfolgsfaktoren.
Im Smart Innovation Podcast spricht Dr. Klaus Reichert mit Dieter Seifried und Prof. Dr. Rainer Grießhammer (beide Freiburg, langjährig mit dem Öko-Institut verbunden) über die Entwicklung der Energiewende seit den 1970er/80er Jahren, zentrale Widerstände, die wachsende Systemkomplexität (Sektorkopplung von Strom, Wärme, Verkehr, Industrie) und die Bedeutung von Energieeffizienz, die gegenüber dem Ausbau Erneuerbarer zeitweise vernachlässigt wurde.
--
Weitere Informationen, Links und die Möglichkeit mitzureden sind in den Show Notes: https://www.klausreichert.de/warum-hartnackigkeit-die-wichtigste-ressource-der-energiewende-ist/
--
Sie diskutieren Stromverbrauchstrends (seit 2000 nur mäßig gestiegen, zuletzt teils rückläufig) und die Erwartung, dass der Strombedarf durch Elektrifizierung von Wärmepumpen, E-Autos und Industrie in den nächsten 20 Jahren deutlich steigt und bei vollständiger Umstellung etwa doppelt so hoch wie heute sein kann, um Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. An Beispielen wie effizienteren Kühlschränken und dem Umstieg auf LED-Beleuchtung (bis zu 95% Einsparung gegenüber Glühlampen) wird Effizienzfortschritt erläutert, zugleich Rebound-Effekte und langsame Gebäudesanierung angesprochen; bei Autos seien Effizienzgewinne durch größere, stärkere Fahrzeuge teils kompensiert, Verbrenner prinzipiell ineffizient, weshalb Elektromobilität naheliegt.
Die Gäste stellen ihre Hintergründe vor (Grießhammer: Chemie, Bundestagsberater, über 30 Jahre Geschäftsführung Öko-Institut, Fokus Produkte/nachhaltiger Konsum, Kolumnen und Bücher; Seifried: Maschinenbau/Energie- und Kraftwerkstechnik, später VWL, Öko-Institut bis 1999, danach selbstständig mit ÖQuadrat).
Im Mittelpunkt stehen konkrete Projekte als Beispiele für soziale Innovationen: die Freiburger "Meister Lampe"-Aktion (Gutscheine für kostenlose Energiesparlampen, Einbindung von Handel und Stadtwerk FEW, volkswirtschaftlicher Gewinn ca. 3 Mio. DM, Tarifanpassung zur Aufteilung von Gewinnen und zur Kompensation entgangener Erlöse), Least-Cost-Planning-Ansätze und die frühe Studie für die Stadtwerke Hannover (um 1990) mit Werkzeugen zur Berechnung vermiedener Erzeugungskosten und kooperativer Umsetzung, die später von anderen Stadtwerken aufgegriffen wurde. Es wird erläutert, wie Liberalisierung und Fokus auf Strompreis statt Energiedienstleistung (Licht, Kühlung, Pumpenleistung) Effizienzprogramme erschwerten.
Weiterhin werden Programme zur Stromreduktion in Haushalten beschrieben: Potenziale zur Senkung eines typischen Zwei-Personen-Verbrauchs von ca. 3400 kWh auf etwa 1500 kWh ohne Komfortverlust; ein aktuelles Beratungsprojekt mit Öko-Institut/ÖQuadrat/EWS Schönau, finanziert von der DBU, erzielte in einem Jahr rund 1500 kWh bzw. ca. 460 Euro Einsparung pro Haushalt. Als sozial-ökologisch-ökonomisches Vorzeigeprojekt wird der "Stromspar-Check" für einkommensschwache Haushalte (Pilot 2008 in Freiburg und Berlin, bundesweite Umsetzung ab November, Direktinstallation von LEDs, Perlatoren, Steckdosenleisten etc., Austausch ineffizienter Kühlgeräte mit Zuschuss/Kredit, Ausbildung von Langzeitarbeitslosen zu Stromsparhelfern) dargestellt; das Programm lief über vier Regierungen, erreichte bis Ende des Vorjahres 425.000 Haushalte, rund 700 Stromsparchecker und fast eine Million Tonnen CO2-Einsparung.
Als weiteres Beispiel wird ein Bürgerbeteiligungs-Einsparcontracting an der Staudinger Gesamtschule Freiburg (Planung ab 1996, Start 1998) beschrieben: etwa 500.000 DM Investitionen, finanziert von knapp 100 Bürgern über eine GmbH, Refinanzierung über eingesparte Energiekosten über acht Jahre, Verzinsung 3–6%, Überschüsse für weitere Maßnahmen; das Projekt war erfolgreich, zeigte aber hohe administrative Hürden und interne Widerstände in der Stadtverwaltung. Abschließend wird ein Kuba-Projekt geschildert: Idee eines Contracting-Ansatzes zum Austausch ineffizienter Kühlschränke scheiterte an fehlender Unterschrift eines Ministeriums, später setzte Kuba landesweit den Austausch von 2,4 Mio. Kühlschränken mit chinesischen Geräten um (Bezahlung u.a. über Nickel).
Zum Ende vergleichen die Gäste die Herausforderungen der Energie- mit der Verkehrswende (hohe politische Sensibilität, Infrastrukturdefizite, Tempolimit-Debatte, Rolle der Automobilindustrie, Förderung schwerer E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride) und betonen Hartnäckigkeit, Rahmenbedingungen, Beteiligung und verständliche, nachweisbare Nutzenargumente als zentrale Erfolgsfaktoren.
--
Kapitel & Zeitmarken
00:00 Warum der Strombedarf trotz Effizienz steigen wird (Sektorkopplung & Klimaziel 2050)
02:45 Einstieg ins Gespräch: 50 Jahre Energiewende – was hat sich getan, was fehlt noch?
05:33 Komplexität & Gegenwind: Erneuerbare ins System integrieren, Fake News und politische Prioritäten
09:33 Effizienz vs. Erneuerbare: Rebound-Effekte bei Licht, Autos und Gebäuden
17:32 Wer sind Dieter Seifried & Rainer Grießhammer? Kurzvorstellung der Gäste
20:28 Technik trifft Gesellschaft: Widerstände überwinden und soziale Innovationen ermöglichen
22:48 Case Study „Meister Lampe“: Wie Energiesparlampen zum Erfolgsmodell wurden
31:29 Dranbleiben trotz Politik: Hartnäckigkeit, Freiburg als Modellregion und die Umsetzungslücke
36:37 Verkehrswende & Industriepolitik: Verbrenner-Aus, E-Mobilität und 25% Energieanteil Verkehr
38:42 Least-Cost-Planning in der Praxis: Stadtwerke Hannover und der Fokus auf Energiedienstleistungen
49:06 Strom sparen, statt Preise senken: Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte
56:21 Förderprogramm skaliert: 425.000 Haushalte beraten, CO₂ gespart
57:53 Stromspar-Checker & Fokus statt Gebäuderisiken (Schimmel, Mieter/Eigentümer)
59:55 Effiziente Haushaltsgeräte: Wann lohnt sich ein neuer Kühlschrank?
01:02:09 Lebenszykluskosten statt Billigkauf: „Die Kasse klingelt zweimal“
01:03:21 Contracting erklärt: Von Least-Cost-Planning zur Energiedienstleistung
01:04:09 Pionierprojekt Staudinger Schule: Bürger-GmbH, Vertragshürden & Umsetzung
01:18:21 Was Contracting bremst: Verwaltung, Datenchaos & interne Zuständigkeiten
01:24:21 Von Schulprojekten zu Kuba: Kühlschrank-Contracting und politisches Nein
01:30:05 Kurioses Finale: Kuba tauscht 2,4 Mio. Kühlschränke – Idee setzt sich durch
01:33:33 Lehren für heute: Verkehrswende, Infrastruktur, Tempolimit & dicke Bretter
01:42:48 Schulwege & Mobilitätsbildung: Sicherheit, Schulstraßen und weniger Autoverkehr
01:44:44 E-Mobilität kritisch: schwere SUVs, Plug-in-Förderung & falsche Anreize
--
Im Smart Innovation Podcast gibt es umsetzungsorientierte und fokussierte Gespräche mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung im Kontext des Klimawandels.
Es geht um innovative agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie sowie den passenden Vorgehensweisen, Zukunft auch enkeltauglich zu entwerfen. Ebenso geht es um wechselnde aktuelle Themen wie neue Geschäftsmodelle, nachhaltige Produkte & digitale Dienstleistungen. Episoden erscheinen dienstags. Bleiben Sie auf dem Laufenden und folgen Sie der Show, wo immer Sie Ihre Podcasts hören, bei Linkedin und per Newsletter. Alle Folgen mit Extras, Links, Kommentaren & Transkript sind hier: https://www.klausreichert.de/podcast/
Mein Name ist Klaus Reichert. Ich bin unabhängiger Berater mit Herzblut und kreativer Business Coach für Innovation. Ich begleite Unternehmen auf dem Weg von der Vision zu nachhaltigen Leistungen. Mein Standort ist Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe, Stuttgart und dem Bodensee.
-------------------------------
Am konkreten Projekt mit Innovationscoaching strukturiert Methoden, Teams & Führungskräfte entwickeln - ganz einfach mit meinem geförderten Beratungsprogramm. Der Link zum nächsten Schritt: https://www.klausreichert.de/coaching/
Transkript
Aber vielleicht auch zum Stromverbrauch.
Wir wollen ja, dass mehr Strom
verbraucht wird, weil alle Bereiche
auf Stromeinsatz umgestellt werden.
Also das heißt, die Haushalte
mit Wärmepumpen, die Autos und
auch in der Industrie, in der
Chemieindustrie, in der Stahlindustrie.
Das heißt, wenn man natürlich alles
auf eine Energieart umstellt, hier auf
Strom, dann wird es natürlich steigen.
Schiffe und Flugzeuge als letztes.
Schwerlastverkehr als vorletztes,
wird aber auch jetzt schon elektrisch
betrieben, also auch mit Strom.
Nein, klar ist, dass wenn wir
wirklich sämtliche Leistungen auf
Strom umstellen, dann brauchen wir
etwa doppelt so viel Strom wie heute,
insbesondere eben in der Industrie.
Das passiert ja jetzt
nicht von heute auf morgen.
Das passiert die nächsten 20 Jahre.
Muss es aber passieren, wenn wir bis
2050 klimaneutral werden wollten, muss
es in den nächsten 20 Jahren passieren.
Und auf der anderen Seite haben wir
eben so Entwicklungen gehabt, wie
beispielsweise bei Kühlschränken.
Die haben vor 20 Jahren noch
400 Kilowattstunden oder 500
Kilowattstunden gebraucht.
Jetzt gibt es auch welche
unter 100 Kilowattstunden.
Oder wenn wir Beleuchtung angucken,
da ist einerseits eine starke
Entwicklung von Glühlampen,
Quecksilberdampflampen hin zu LEDs
passiert, wo wir Einsparungen gegenüber
der Glühlampe von 95 Prozent haben.
Und auch gegenüber der Fluoreszenzlampe
nochmal von 50 Prozent.
Innovation weiterdenken
und Zukunft einfach machen.
Hallo, Klaus Reichert hier!
Ich bin unabhängiger Unternehmensberater
und Business Coach für
Innovation und Business Design.
Ich begleite engagierte UnternehmerInnen
und Führungskräfte sowie ihre Teams mit
Smart Innovation auf dem Weg von der
Vision zu enkeltauglichen Leistungen.
Meine Mission ist es, Unternehmen
und seine Menschen kreativer
und innovativer zu machen.
Ich arbeite remote von
Baden-Württemberg aus.
Im Smart Innovation Podcast spreche
ich mit engagierten und kreativen
Menschen über Innovationen,
über Innovationsmanagement,
Unternehmertum und Verantwortung
gerade im Kontext des Klimawandels.
Zuhörer können bei den Liveaufnahmen
mitmachen und Fragen stellen.
So wird Innovation lebendig
und leicht umsetzbar.
Den Link zu Terminen, Newsletter und dem
Transkript finden Sie in den Show Notes.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
und folgen Sie der Show, wo
immer Sie Ihre Podcasts hören
Und denken Sie daran: Es gibt kein
Ende von Innovation, nur Starts.
Es geht um Energiewende,
Überwindung von Widerständen, frühe
Herausforderungen und ihre Lösungen.
Im Gespräch bin ich mit Dieter
Seifried und Rainer Grießhammer.
Beide sind in Freiburg ansässig und
damit wissen wir dann eigentlich auch
schon, mit welchen Themen sie sich
sehr, sehr lange beschäftigt haben.
Die Energiewende hat sie von Anfang
an beim Öko-Institut beschäftigt.
Und ich bin jetzt schon sehr
gespannt auf unser Gespräch, denn
wir wollen auf Projekte, die, die
beiden gemacht haben, eingehen.
Auf Themen, die sie beobachten und in
gewisser Weise auch noch etwas dieser
Entwicklung, vielleicht auch manchmal
holprige Entwicklung der Energiewende
in Deutschland dann auch betrachten.
Hallo ihr beiden.
Bevor ihr noch etwas zu euch erzählen
müsst, es sind jetzt ca. 50 Jahre her,
seit den ersten Energiewendebüchern.
Amory Lovins fällt mir dazu ein.
Soft Energy Path, so ungefähr
Mitte, Ende der 70er.
Und dann natürlich den Öko-Institut
Energiewendebüchern, bei denen ihr
ja auch beteiligt wart, wo ihr dann
später drauf aufgebaut habt, wo ihr
grundsätzlich dran mitgearbeitet habt.
Es ging damals sehr stark um Energie
als Riesenthema, um erneuerbare Energie.
Um Effizienz, das vergessen wir
heute sehr häufig, und dann auch
um gesellschaftliche Veränderung.
Das ging sicher noch um
mehr, ihr wisst es besser.
Wie geht es euch mit diesen Dingen, die
sich in der Zeit seither bewegt haben?
Es gibt ja vieles was getan wurde.
Und manches was noch nicht so ganz so
ist wie man es sich vielleicht wünscht
oder auch manche die den Ernst der
Lage noch nicht ganz verstanden haben.
Ja, es hat sich
tatsächlich viel verändert.
Sich auch viel positiv verändert,
aber man hat immer das Gefühl,
es gibt noch viel mehr zu tun.
Also wir sind noch längst
nicht da wo wir sein müssen.
Andererseits wenn man zurückblickt
kann man feststellen, dass
vieles im Energiebereich
deutlich besser geworden ist.
Die Energieeffizienz ist in manchen
Bereichen sehr weit vorgekommen.
Natürlich gibt es immer noch
viele Anwendungen wo es noch
weiter verbessert werden kann.
Aber bei den Regenerativen sieht
man es eigentlich umso besser.
Wir können feststellen, dass in den 80er
Jahren, als die Energiewendebücher wurde,
haben wir selbst nicht daran geglaubt
dass Regenerative in diesem Jahr 60%
Anteil an der Stromerzeugung haben könnte.
Soft-Energy-Paths war damals
noch nicht vorstellbar.
Auch Lovins hatte auf Energieeffizienz
abgestimmt und hat die Möglichkeiten
der Solarenergie und der
Windenergie auch unterschätzt.
Also kurz zusammengefasst, ja, es hat
sich wirklich sehr viel getan, aber Im
Moment ist es so dass die Energiewende
ja gerade wieder angegriffen wird
aufgrund der wirtschaftlichen Probleme.
Günstige Strompreise scheinen im Moment
das Wichtigste zu sein, was in der Politik
diskutiert wird, anstatt Klimaschutz.
Und feststellen kann man eben auch, dass
die Energiewende immer komplexer wird,
insofern dass wir jetzt ja... die Sektoren
zusammenführen müssen, Verkehr und
Energie und Gebäude immer Zusammendenken
und auch zusammen optimieren.
Und das heißt eben auch, heute geht
es nicht mehr darum, nur Erneuerbare
zu installieren, sondern man muss
sie auch ins Stromsystem einfügen.
Sodass es passt.
Sodass sie keine Probleme bei der
Reservehaltung, bei der Abdeckung der
Last oder sonst irgendwie bereiten.
Oder Überschüsse produzieren, wo
dann die Besitzer von Solaranlagen
negative Preise bezahlen müssen, weil
sie in der Hauptzeit am Wochenende
Solarstrom ins Netz einspeisen.
Also es ist alles komplexer geworden, was
natürlich auch ein bisschen schwieriger
ist, die Komplexität zu vermitteln auf der
einen Seite und auf der anderen Seite sind
für Fake News auch Tür und Tor geöffnet.
Am Anfang haben wir uns natürlich
gewünscht, dass alles schneller geht.
Aber mit der Zeit haben wir dann
schon gesehen, dass eigentlich eine
große Transformation, und solche große
Transformationen dauern einfach länger.
Das sind ja nicht nur die ganzen
technischen Veränderungen, die
Dieter gerade geschildert hat.
Sondern es gibt ja auch viele
erforderliche Veränderungen in
der Gesellschaft, im Verhalten von
den Haushalten, von den Kommunen
und auch von den Unternehmen.
Und was man nicht vergessen darf,
es gibt ja auch große Widerstände
und die gab es von Anfang an.
Ich erinnere nur, dass Mitte
der 90er Jahre, die vier großen
Energieversorger, die es damals
gab, gesagt haben, in Deutschland
werden die erneuerbaren Energien im
Strombereich nie mehr als 4% erreichen.
Und heute sind wir bei 60%.
Also da sieht man, was und wie schnell
das vorangekommen ist, aber auch welches
große Interesse die Energieversorger
hatten, dass es eben nicht vorankommt
Ich glaube noch nicht nicht mal, dass die
großen Versorger erkannt haben, welche
Gefahr ihnen durch die Erneuerbaren
droht, weil sonst hätten sie sich in der
Anfangsphase deutlich stärker noch gegen
das Erneuerbare-Energien-Gesetz gewendet.
Ich glaube, das war in der Form
für nur ganz wenige absehbar,
was sich daraus entwickeln wird.
Einfach, weil da jetzt vielleicht die
technologische Basis noch nicht da war.
Ich meine, Solarpaneele waren sehr,
sehr teuer noch vor 20, 30 Jahren.
Oder einfach, weil vielleicht, wie man
das so häufig sieht bei neuen Sachen,
die Vorausschau oder auch die Fantasie
vielleicht nicht groß genug war.
Ich glaube, es war beides.
Also, Solarenergie war mindestens zehnmal
so teuer wie die fossile Stromerzeugung,
wenn man mal die externen Kosten weglässt.
Und es hat schlichtweg auch die
Fantasie gefehlt, dass man das ganze
System eben zusammenschauen muss.
Die Batterien waren noch nicht so
weit entwickelt und von daher war
die Vorstellung nur manchmal Strom
zu haben, wenn die Solarenergie
gerade Strom liefert, war für viele
wahrscheinlich ein undenkbarer Vorgang.
Das ist ja eigentlich auch undenkbar.
Das kann man sich schon vorstellen,
aber wir sind zumindest nicht darauf
eingestellt im Moment, wenn das so wäre.
Ja als wir die Energie-Event geschrieben
haben oder die Kollegen vom Öko-Institut
1980, da hat man ja gesagt, der
Energieverbrauch muss so weit wie möglich
reduziert werden durch Energiesparen,
durch Energieeffizienz und der Rest darf
durch erneuerbare Energien gesetzt werden.
Und das waren also zwei Säulen, aber
tatsächlich hat man damals gesagt eben
gedacht, dass die Energieeffizienz
die viel wichtigere Säule ist.
Im Ablauf hat sich das
jetzt ja fast gedreht.
Das ist ein ganz starker Fokus auf
die erneuerbaren Energie gelegt
wird und die sich auch wahnsinnig
schnell und rasant entwickelt haben.
Und Energieeffizienz tendenziell
vernachlässigt wurde.
Auch wenn jetzt Dieter mit seinen
Projekten da total dazu beigetragen
hat, dass dieses Blech der Entwicklung
eigentlich korrigiert wird.
Ja, da gehen wir auch gleich drauf ein.
Wir haben ein paar Beispiele auch
vorbereitet, um das deutlich zu machen.
Aber das heißt, dieses ursprüngliche
Thema der Energieeffizienz hat man aus
den Augen verloren, in der Gesellschaft
oder in der ich-weiß-nicht-was.
Vielleicht auch in der Forschung.
Aber in jedem Fall haben wir uns
als Gesellschaft so entwickelt, dass
wir immer größer wohnen immer mehr
elektrisch haben, immer mehr brauchen.
Autos sind größer
geworden, leistungsfähiger.
Und und.
Also der Energieverbrauch
ist stetig gestiegen.
Ist es mehr gestiegen, wie das
damals angenommen worden ist?
Ne, es ist eigentlich, die Prognosen
für den Energieverbrauch waren
ein Mehrfaches von dem, was sich
dann tatsächlich entwickelt hat.
Also die Prognosen in den 70er Jahren
war ja so, dass wir eigentlich unseren
Strom hätten nur durch einen Ausbau von
50 AKWs in Deutschland decken können.
Das war zumindest damals die Vorstellung
einer SPD-Kommission, die verschiedene
Szenarien dargestellt hat und eben
festgestellt hat, wir brauchen AKWs,
um unseren Strombedarf zu decken.
Der Stromverbrauch selbst ist ja seit
den, ich habe jetzt die genauen Zahlen
nicht im Kopf, aber auf jeden Fall
seit 2000 nur mäßig gestiegen und in
den letzten Jahren sogar rückläufig.
Also wir sind ja jetzt zwischen 500 und
600 Terawattstunden pro Jahr, Und vor 20
Jahren waren es 600 Terawattstunden grob
Aber das ist jetzt der, ich sage mal,
verbrauch oder wie immer auch das bei
Strom genau dann heißt, in Deutschland,
wenn man den Verbrauch den wir eigentlich
hätten, weil woanders was hergestellt
wird, ist das irgendwie erfassbar?
Das lässt sich nicht genau rausrechnen.
Wir liefern ja also im selben, Umfang
wenn man es jetzt mal monetär sieht,
beziehen wir natürlich viele Rohstoffe,
viele Grundmaterialien und auch
einfache Arbeitsleistungen von außen.
Exportieren aber im selben
Wertumfang auch wieder nach außen.
Also mit verarbeiteten Rohstoffen die
Rechnung aufzumachen, das glaube ich
jetzt, macht keinen großen Unterschied.
Entscheidend ist, dass wir überall größer,
schneller und weiter machen und wollen.
Auf der einen Seite und auf der
anderen Seite, dass natürlich auch die
Effizienz gesteigert wurde und sich
das eben ungefähr die Waage gehalten
hat, sodass der Verbrauch jetzt nicht
so angestiegen ist, wie erwartet.
Die Effizienzkurve ist nicht so stark
sozusagen gefallen oder gestiegen,
die Ergebnisse gefallen, wie man
es sich dann vorgestellt hat.
Aber vielleicht auch zum Stromverbrauch.
Wir wollen ja, dass mehr Strom
verbraucht wird, weil alle Bereiche
auf Stromeinsatz umgestellt werden.
Also das heißt, die Haushalte
mit Wärmepumpen, die Autos und
auch in der Industrie, in der
Chemieindustrie, in der Stahlindustrie.
Das heißt, wenn man natürlich alles
auf eine Energieart umstellt, hier auf
Strom, dann wird es natürlich steigen.
Schiffe und Flugzeuge als letztes.
Schwerlastverkehr als vorletztes,
wird aber auch jetzt schon elektrisch
betrieben, also auch mit Strom.
Nein, klar ist, dass wenn wir
wirklich sämtliche Leistungen auf
Strom umstellen, dann brauchen wir
etwa doppelt so viel Strom wie heute,
insbesondere eben in der Industrie.
Das passiert ja jetzt
nicht von heute auf morgen.
Das passiert die nächsten 20 Jahre.
Muss es aber passieren, wenn wir bis
2050 klimaneutral werden wollten, muss
es in den nächsten 20 Jahren passieren.
Und auf der anderen Seite haben wir
eben so Entwicklungen gehabt, wie
beispielsweise bei Kühlschränken.
Die haben vor 20 Jahren noch
400 Kilowattstunden oder 500
Kilowattstunden gebraucht.
Jetzt gibt es auch welche
unter 100 Kilowattstunden.
Oder wenn wir Beleuchtung angucken,
da ist einerseits eine starke
Entwicklung von Glühlampen,
Quecksilberdampflampen hin zu LEDs
passiert, wo wir Einsparungen gegenüber
der Glühlampe von 95 Prozent haben.
Und auch gegenüber der Fluoreszenzlampe
nochmal von 50 Prozent.
Also müssen wir heller machen,
damit wir mehr Strom sparen.
Genau, das ist aber auch eine der
Konsequenzen, dass wir jetzt eben
mehr Gebäude anleuchten können oder in
den Haushalten mehr Licht installiert
ist, weil Licht praktisch oder kaum
mehr Strom kostet, wenig Strom kostet.
Wenn es effiziente Beleuchtung ist.
Das ist bei uns auch gemerkt.
Das waren natürlich schöne
Beispiele und gute Beispiele.
Im Automobilbereich ist es
leider nicht so passiert.
Unter anderem auch, weil die Autos einfach
größer, schneller und schwerer wurden.
Im Bereich der Gebäude ist es zwar
technologisch vorangekommen, aber
die ganze Sanierung von den alten
Gebäuden dauert einfach viel zu lange.
Auch bei dem Automobilbau kann man
feststellen, dass die modernen Fahrzeuge,
die fossilen Fahrzeuge, modern sage
ich jetzt in Anführungszeichen, dass
die deutlich effizienter sind als
die Kisten, die vor 20 Jahren gebaut
wurden, aber eben eine doppelt oder
dreifach so hohe Leistung haben.
Und dann der Realverbrauch, wenn sie
schnell gefahren werden, nicht wesentlich
geringer ist, während sie auf der
Landstraße mit vier bis fünf Liter
auskommen, wo früher der VW Käfer eben
acht oder zehn Liter gebraucht hat.
Also auch da sind
Effizienzvorteile erzielt worden.
Die aber wieder kompensiert wurden
durch die anderen Entwicklungen.
Man muss allerdings sagen, dass die
fossilen Autos natürlich eigentlich
per se ziemlich ineffizient sind.
Also die haben vielleicht
einen Wirkungsgrad von 20,
25 Prozent, je nach Auto.
Das, wie Dieter sagt, das
ist ja ziemlich ausgereizt.
Und wenn jetzt die Bundesregierung
angekündigt hat, dass sie das
Verbrennerverbot rauszögern will, unter
anderem mit hocheffizienten Verbrennern,
dann kann man sich nur fragen, wo
willst du da noch was verbessern?
Die sind per se eigentlich ineffizient.
Und da, wo man noch was drehen
konnte, ist eigentlich in den letzten
20, 30 Jahren was gedreht worden.
Also da ist eigentlich nur zu sagen, da
ist die alternative Elektroauto, solange
man jetzt im Autobereich bleiben will.
Es liegt dann relativ auf der Hand,
dass das die bessere Lösung ist,
die einfachere Lösung, auch die
technologisch im Grunde einfachere Lösung.
Verstanden.
Okay, jetzt haben wir eine lange
Einführung sozusagen gehabt.
Wer seid ihr beide eigentlich?
Wir haben uns natürlich schon im
Podcast unterhalten, aber es gibt
vielleicht auch Menschen, die
das jetzt zum ersten Mal hören.
Rainer, was hast du denn so gemacht?
Würdest du dich bitte kurz vorstellen?
Naja, ich habe Chemie studiert.
Danach habe ich drei Jahre
im Bundestag gearbeitet, als
Berater von zwei Abgeordneten.
Und dann bin ich zum Öko-Institut
gegangen und habe dort sozusagen die
Leiter vom Tellerwäscher, zum nicht
Millionär, zum Geschäftsführer gemacht,
war auch mit Kollegen zusammen, über
30 Jahre in der Geschäftsführung.
Inhaltlich habe ich sehr viel gearbeitet
zu Produkten und zu nachhaltigem Konsum.
Und seit ein paar Jahren bin ich in
Rente, schreibe aber noch regelmäßig
Kolumnen in der Frankfurter Rundschau,
schreibe nach wie vor Bücher.
Ja, das wäre es.
Das werden wir auch alles verlinken,
sodass man das dann nachschauen kann.
Vielen Dank.
Dieter.
Ja, wenn ich auch mal beim Studium
anfange, ich war eigentlich früher
sehr automobilbegeistert, habe deswegen
Maschinenbau angefangen zu studieren,
fand dann die Aufgabe aber nicht
mehr so spannend und habe mich dann
auf Energie- und Kraftwerkstechnik
im Nachdiplomstudium fokussiert.
Und nach dem Studium bin ich dann
nach Freiburg gegangen, habe dann
Volkswirtschaft studiert, weil ich
in Freiburg keinen Job für einen
Diplomingenieur gefunden habe.
Freiburg ist ja eine Beamtenstadt
mit wenig Industriebetrieben.
Ja, und habe dann nach einem
kurzen Lehramtsintermezzo beim
Öko-Institut angefangen zu arbeiten
im Rahmen der Energiewendestudie 2.
War dann bis 1999 am Öko-Institut und
habe mich dann selbstständig gemacht.
Arbeite seitdem hier im Büro Öquadrat
und seit einigen Jahren unter der
Knechtschaft kann ich jetzt nicht
sagen, aber zusammen mit meinem Sohn.
Mein Sohn ist jetzt Geschäftsführer
und ich unterstütze ihn bei Arbeiten.
Ansonsten bin ich auch noch ein
bisschen tätig mit Artikeln oder mit
kleineren Arbeiten im Bereich, wie
ich jetzt mal sage, NGO-Tätigkeiten.
Ihr seid ja beide da auch sehr rührig
in verschiedenen Genossenschaften und du
hast das Thema NGO gerade angesprochen.
Ihr kennt unterschiedlichste Formen,
wie sich Energiewende auch manifestieren
kann, wie sich damit verbundene
Themen auch manifestieren können.
Teilweise auch ein bisschen abseits
eben von vielleicht ganz, ganz normalen
Dingen, sondern eben ihr habt euch im
Grunde ein Leben lang auch mit neuen
Sachen beschäftigt, die viele vielleicht
auch nicht gleich verstanden haben.
Wo man dann auch erstmal natürlich
selber sich damit zurechtfinden muss,
aber vor allem auch sich das vorstellen
muss, um dann mit Zahlen und Konzepten
und so weiter da dann Vorschläge zum
Beispiel zu machen, um das in die Welt
zu bringen, um etwas zu verändern.
Das sind teilweise technische
Sachen, sehr viel häufiger sind es
wirtschaftliche Themen natürlich,
aber natürlich auch gesellschaftliche
Fragestellungen, die damit verbunden sind.
Man könnte jetzt sagen, das eine ist
wichtiger wie das andere, aber man kann
wahrscheinlich definitiv sagen, das eine
ist schwieriger wie das andere, nämlich
das Thema gesellschaftliche Veränderungen,
zum Beispiel in dem Bereich Energiewende,
ist meines Erachtens nach so das
Schwierigste von diesen drei, vier Themen,
die ich da gerade angesprochen habe.
Was meint ihr denn?
Grundsätzlich ist ja die Energiewende
eine technologische Revolution auch.
So wie die ursprünglichen
industriellen Revolutionen.
Aber gleichzeitig eine, wo die
Gesellschaft anders als bei den
industriellen Revolutionen gesagt hat,
wir wollen etwas anderes, also wir wollen
eine andere Art der Energieversorgung.
Das heißt, da ist zum ersten Mal ein
gesellschaftlich anderes Ziel vorgegeben
worden, aber trotzdem sind natürlich
viele der Entwicklungen, die gekommen
sind im Bereich Energie einfach
technologisch getrieben und da hat es aber
Schwierigkeiten gegeben haben
in der Anwendung der Technik,
in der Umsetzung der Technik.
Und diese Schwierigkeiten, die waren
darin begründet, dass es zum einen
Widerstände gab von denen, die die
alten Technologien betrieben haben.
Aber auch, dass die ganzen Strukturen
anders angelegt waren und auch
das Verhalten der Haushalte.
Ein gutes Beispiel sind
die Energiesparlampen.
Die sind dann gekommen und dann
gab es aber zuerst mal großes
Rätselraten bei den Verbrauchern.
Die haben die eben noch nie gesehen.
Dann gab es so Designprobleme.
Dass die ersten Energiesparlampen,
das waren ja so lange Stifte, die
haben dann nicht in die Lampenschalen
gepasst und das Licht war nicht so toll.
Dann gab es irgendwelche Widerstände, weil
da Quecksilber drin war und so weiter.
Die Elektroläden haben
kaum welche geführt.
Da hat man dann irgendwie unten im
untersten Regal kruschteln müssen.
Und in der Situation hat dann... Dieter
das Projekt Meisterlampe konzipiert,
was dann wirklich zu einem gigantischen
Umschwung zuerst mal in Freiburg aber
dann auch bundesweit geführt hat.
Aber Dieter das musst du jetzt vorstellen.
Gut, ich muss aber zunächst
vorausschicken, der Meister
Lampe kam nicht von mir.
Sondern was geschehen ist, ist dass
wir mit dem Klimabündnis hatten wir
eine große öffentliche Veranstaltung
gemacht im Kinosaal, gut besucht.
Und da war auch die FEW,
damalige Stromversorger der
Stadt Freiburg vertreten.
Ich habe Ihnen damals vorgerechnet,
wir hatten, ich muss zusagen
im Vorfeld mit dem Öko-Institut
Least-Cost-Planning-Studien gemacht,
also wie die Energieversorgung
möglichst kostengünstig mit geringen
Kosten erreicht werden kann.
Und diese Studie haben wir
praktisch umgerechnet auf
Stromsparlampen in Freiburg.
Hat praktisch der FEW dann vorgerechnet,
dass der volkswirtschaftliche Gewinn durch
diese Aktion etwa 3 Millionen D-Mark wäre.
Und dann hat der damalige Chef der
FEW, der Herr Hege, gesagt, ja, es ist
ja ganz schön gut, aber das Geld, die
entgangenen Erträge durch den Stromverkauf
das fehlt uns dann in der Tasche.
Und dann haben wir eben argumentiert,
ja gut, wenn es einen gesellschaftlichen
Gewinn von drei Millionen D-Mark
gibt, dann ist nur die Frage, wie man
sich den aufteilt, damit sowohl die
Kunden was haben, als auch die Firma.
Und tatsächlich ist dann die FEW auf
den Vorschlag eingegangen und hat
sich aufgrund des Projektes, aufgrund
der Meister Lampe-Aktion, auch vom
Wirtschaftsministerium, die damals noch
die Tarife beaufsichtigt haben, haben
sich eine geringe Tariferhöhung geben
lassen, sodass der wirtschaftliche,
volkswirtschaftliche Gewinn dieser
Aktion praktisch aufgeteilt wurde auf
die Kunden, zumindest die Kunden, die
eine kostenlose Lampe bekommen haben
und auf die FEW, die eben Erlösausfälle
hatte aufgrund der Stromeinsparung.
Also wie man sieht, das eine ist
die technische Sache, die andere
ist zunächst die ökonomische.
Auch wenn die Sache ökonomisch ist,
gibt es meistens Verlierer und Gewinner.
Weil mit weniger mehr verdienen
ist relativ schwierig.
Meistens geht es so, dass man
mit mehr mehr verdienen will.
Aber wenn man weniger von der Sache
verkauft und dabei mehr zu verdienen,
das ist eigentlich die Herausforderung.
Ja,
Ich darauf vielleicht einfach nochmal
übersetzen, weil es so einfach
noch klarer wird, wie dann die
Aktion tatsächlich abgelaufen ist.
Dass die FEW, also ihren Kunden dann
jeweils gesagt hat, hier ihr kriegt
einen Gutschein und mit diesem Gutschein
könnt ihr zwei Energiesparlampen in
Geschäften abholen oder auch bei uns
beim Energieversorger direkt wurden
also auch die Elektroleden einbezogen.
Und damit könnt ihr so und
so viel Strom sparen wenn ihr
das reindreht in eure Lampen.
Ihr kriegt eine bestimmte
Stromerhöhung, die wir uns für
den Fall haben genehmigen lassen.
Ihr werdet aber trotzdem einen
finanziellen Vorteil haben.
Und dann kam daher auch der Begriff
Meister Lampe, das ist einfach,
müsste man jetzt im Video sehen,
plakativ sehr schön gemacht.
Das war dann so etwas Rundes was einen
Kopf symbolisieren sollte und dann
sind dann zwei lange Ohren im Gestall
von Energiesparlampen rausgeragt.
Und das sah eben aus wie ein Hase
und dann hat es den attraktiven
Namen Meister Lampe bekommen.
Die Aktion lief auch kurz vor
Ostern, von daher war der Bezug zu
Meister Lampe eigentlich ganz klar.
Und die FEW hat wirklich eine sehr gute
Marketingkampagne auch dazu gemacht.
Und am Ende haben sie selbst gesagt,
das war das erfolgreichste Projekt,
was wir jemals gemacht haben.
Weil es vom Marketing her spitze war
und auch finanziell für sie von Vorteil.
Sie haben nichts draufgelegt,
sondern sie haben davon gewonnen.
Und besser kann es eigentlich
einem Energieversorger nicht gehen,
wenn er sein Image aufbessert ohne
dass er noch dafür bezahlen muss.
Am Anfang waren sie eben skeptisch, da
haben sie gedacht, mit Meister Lampe
da kriegt man ein Ei ins Nest gelegt.
Aber es hat sich gerade
umgekehrt entwickelt.
Es hört sich nicht so eingängig an und
das zeigt vielleicht aber auch, dass man
da in vielen Bereichen um die Ecke denken
muss, um zur richtigen Lösung zu kommen.
Das gehört einfach zu den
sozialen Innovationen.
Man hat die Technologie da, man hat
die Produkte da, aber trotzdem gibt
es eben diese Widerstände und das
Alteingesessene, was immer so war.
Und jetzt soll man sich an etwas
ganz Neues gewöhnen, mit etwas
Neuem umgehen, was man nicht kennt.
Und diesen Widerstand hat man
sowohl bei den Verbrauchern
wie auch bei Energieversorgern,
bei Unternehmen, bei Kommunen.
Und das kann man nur durch
klug konzipierte soziale
Innovationen und Ideen ändern.
Der Stadtwerke-Direktor hat auch
bei der Veranstaltung gesagt, dann
würden die FEW-Millionenverluste
ins Haus stehen, hat er geklagt.
Worauf ich geantwortet habe, dass er
wohl die Idee des Least-Cost-Planning
nicht so richtig verstanden hat.
Das war damals, so wie ich
es in der Zeitung fand, jetzt
eigentlich ziemlich frech.
Ist eigentlich nicht so meine
Art, aber es steht jetzt in
dem Zeitungsartikel so drin.
Und nachdem wir es nochmal erklärt hatten,
hat dann damals die FEW eingewillt und
hat gesagt, ja, sie würden was machen.
Sie haben nichts gesagt, nicht gesagt.
Und dass sie genau das Projekt
machen wollten, aber sie
haben gesagt, wir machen was.
Die haben sich inspirieren lassen
erst mal, haben natürlich schon
auch gemerkt, Mensch, da ist
irgendwas, das ist noch nicht so in
Schwingung mit uns, das verstehen
wir vielleicht noch nicht so ganz.
Ist so ein bisschen entgegen dem,
was wir bisher immer geglaubt haben.
Und es gab aber auch mindestens 100
Zuhörer, also Klimabündnis, die eben
auch Druck gemacht haben in Richtung
Leute, ihr habt den Ausstieg aus der
Atomenergie verkündet in Freiburg,
ihr seid Partner beim Klimabündnis,
ihr wollt bald klimaneutral werden,
da müsst ihr auch was machen.
Ja, die Zielsetzung ist ja gut,
die ganzen Zielsetzungen haben
wir immer unterschrieben Ja, wir
haben auch schon immer eben darauf
gedrängt, dass was vorangeht.
War aber auch immer ein
bisschen schwierige Situation.
Auf der einen Seite war ich ja
Angestellter beim Öko-Institut
und letztlich sollten da auch
wissenschaftliche, ökologische
Projekte umgesetzt werden.
Auf der anderen Seite tritt
man Leuten gegen Schienbeinen,
damit sie schneller werden.
Das ist immer auch eine
gewisse Gratwanderung.
A propos schneller werden, würdet
ihr euch als ungeduldig bezeichnen.
Ich bin ein sehr geduldiger
Mensch, aber nicht bei allem.
Da bist du jetzt aber zu harmlos.
Natürlich bist du ungeduldig.
Ich auch.
Aber wir sind, glaube
ich, beide hartnäckig.
Und das ist, glaube ich, bei so
einer Herausforderung total wichtig,
dass man da hartnäckig bleibt,
auch über Jahre und Jahrzehnte.
Sagt, hey, wir haben dieses
Ziel ausgerufen, wir haben
auch gezeigt, wie es geht.
Und natürlich gibt es da
Niederlagen und Zeitverzögerungen.
Aber da darf man sich nicht entmutigen
lassen, sondern muss dranbleiben,
man muss hartnäckig bleiben.
Und das ist, glaube ich, schon jetzt neben
dem wissenschaftlichen Sachverstand, den
man hat, einfach wichtig, in dem Bereich,
aber auch in vielen anderen Bereichen.
Es hat ja schon auch viel mit
Politik zu tun, wo eben Kompromisse
geschlossen werden müssen, wo
es unterschiedliche Themen und
Meinungen und Vorstellungen gibt.
Auch Ziele zusammenkommen.
Was ja immer auch Teil der Arbeit
war, war dann einzufordern wie die
Rahmen Bedingungen verändert werden
müssen, damit Projekte, damit neue
Technologien leichter zum Zuge kommen.
Wir haben kiloweise Studien gemacht
zu Hemmnissen, also Dinge, die die
Energiewende bremsen und Vorschläge
gemacht, welche Instrumente entwickelt
werden müssen, wo sich etwas ändern
muss, damit es schneller vorangeht.
Also nicht nur gejammert, sondern
ihr habt wirklich bewiesen und
gezeigt, wie man es machen könnte.
Und auch Vorschläge gemacht, wie es
noch besser, schneller gehen könnte.
Ich glaube, wir hatten damals auch den
Vorteil, dass es in den 80er, 90er Jahren
ein spezielles Pflaster in Freiburg gab.
Mit einfach sehr vielen Umweltgruppen,
aber auch sehr vielen Bürgern, die
eine andere Politik wollten, die
einfach auch gesagt haben, wir wollen
nicht nur das AKW in Wyhl verhindert
haben, sondern wir wollen, dass
auch die Alternativen vorankommen.
Und deswegen war Freiburg damals in
vielen Bereichen sozusagen gutes Pflaster
für Modellprojekte für Veränderung.
Und das hat man ja dann auch im
Gemeinderat gesehen, später bei
der Wahl vom Oberbürgermeister.
Und das war ja bundesweit
viel schwieriger, also gerade
noch unter der Merkel-Zeit.
Da hat Merkel sich ja vor allem
dadurch ausgezeichnet, dass sie immer
neue Ziele im Klimabereich ausgerufen
hat, immer schärfere Ziele, aber
immer weniger davon umgesetzt hat.
Und ich glaube, das, worüber wir heute
besonders sprechen, ist eben, wie kann
man diese Umsetzungen voranbringen.
Ziele ausrufen, das kann jeder.
Das kann man sozusagen in
einer Nacht beschließen, am
nächsten Tag kommunizieren.
Aber dann entsprechende
Projekte auch umzusetzen, das
kann einfach länger dauern.
Ja wenn wir mal gucken, 25 Jahre mal
zwei ist ungefähr die Zeit, wo dann die
Bücher die ersten Bücher entstanden sind.
Das sind zwei Generationen.
Das ist schon einige Zeit, ja.
Auf der anderen Seite sind es natürlich
auch riesige Themen, die angegangen
werden und was ich heute so beobachte
ist, es ist einfach zum Beispiel normal,
wenn man ein Start-up gründet, dass man
das halt auch im Energiebereich macht.
Dass man da irgendwelche Geschäftsmodelle
aufbaut, die die Technik als gegeben
sehen und dann eben gucken, dass man zum
Beispiel möglichst viel zusammenbringt, um
sie an der Strombörse handelbar zu machen,
die Energieproduktion oder, oder, oder.
Da gibt es ja viele Ansätze, auch
natürlich Softwareansätze, die
dann dafür sorgen, dass es eben
zum Beispiel eine künstliche,
intelligenzgesteuerte Netzsteuerung
gibt oder sowas die ja notwendig
ist mit so vielen neuen Produzenten.
Also da tut sich was und das ist normal
und das ist vor allem auch etwas, wo
viele Leute nicht nur gut dastehen,
sondern auch noch Geld damit verdienen.
Das ist positiv geworden,
Wirtschaft geworden.
Es ist ein wichtiger Wirtschaftszweig
und ich denke, es ist ein großer
Fehler, wenn dieser Wirtschaftszweig
immer wieder mit Ankündigungen gedämpft
wird, wie jetzt zum Beispiel mit der
Fragestellung oder mit dem Einwurf,
dass man die Einspeisevergütung für
kleinere PV-Anlagen abschaffen sollte.
Das ist einfach schädlich, schädlich
für die Entwicklung, schädlich für
den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Ja, oder mit dem Verbrennerverbot,
wo eigentlich der Beschluss da
ist, der Ausstieg aus dem Verkauf
von neuen Verbrennern 2035.
Und im Prinzip ja völlig klar, dass
die Richtung Elektromobilität heißt.
Und da hat die deutsche
Automobilindustrie wirklich versagt.
Ich habe vor, glaube ich zehn
Jahren im Interview gesagt, die...
die Regierung muss eigentlich die
Automobilindustrie zu ihrem Glück zwingen,
nämlich Elektroautos herzustellen.
Jetzt macht sie gerade das Umgekehrte.
Lässt nochmal zu, dass Verbrenner
viel länger hergestellt
werden oder will das zulassen.
Und das ist für die
Automobilindustrie tödlich.
Das heißt, die deutsche
Automobilindustrie hat hier die
Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Und wurde auch nicht richtig
unterstützt durch die Entsetzung von
entsprechenden Rahmenbedingungen.
Und jetzt passiert sogar
gerade noch das Umgekehrte.
Das ist wirklich fatal.
Das ist jetzt ein Teil auch.
Verkehr, was wir jetzt gerade ansprechen,
von Energie, Energieverbrauch.
In Deutschland macht der
Verkehr, Transport und so weiter.
Wisst ihr noch wie viel ungefähr
vom Energieverbrauch aus?
Ja 25 Prozent, also 20 Prozent
Automobilverkehr oder jetzt
Individualverkehr und dann kommt
noch eben Schiff und Schiffbahn
und Flugzeug obendrauf so ungefähr.
Das ist ein ganz schön mächtiger
Brocken, wo man dann auch was tun kann.
Da müssen wir vielleicht auch gleich
noch drüber sprechen, was man dann
vielleicht tun könnte in dem Zusammenhang.
Wir haben gerade das Beispiel Meister
Lampe angesprochen, das machen wir
auch noch ein Foto von der Schachtel.
Die sieht nämlich echt hübsch aus
hier, die steht vor uns auf dem Tisch.
Gibt es denn noch weitere Beispiele,
die man vielleicht so als exemplarisch
nehmen könnte, an denen ihr
gearbeitet habt, die das Thema
Energiewende vorangebracht haben?
Also ich kann mich erinnern Dieter,
Stadtwerke Hannover war irgendwie
immer ein Riesenthema wie ich
damals beim Öko-Institut war.
Und da ist das irgendwie nochmal ein Stück
weiter gemacht worden vertieft worden,
hatte ich den Eindruck, wie das, was hier
in Freiburg abgelaufen ist mit der FEW.
Ja, aber zeitlich
gesehen war es umgekehrt.
Zuerst hat Stadtwerke, also das große
Gutachten für Stadtwerke Hannover, haben
wir zum ersten Mal gezeigt, zusammen mit
Peter Hennecke vom Wuppertal-Institut,
dass es eben möglich ist, diesen
volkswirtschaftlichen Vorteil gezielt
zu nutzen durch Einsparmaßnahmen.
Das heißt, wir haben für verschiedene
Bereiche Projekte ausgewählt und auch
umgesetzt, aber im Vorfeld errechnet,
wie hoch die Kosten wären für die
Stromversorgung einerseits und wie hoch
die Kosten der Energieeffizienz sind.
Und wie hoch die Kosteneinsparung
volkswirtschaftlich ist auf der einen
Seite, aber auch für den Betrieb.
Welche Einsparungen erzielt
werden können, verbunden eben
mit einer kleinen Preiserhöhung.
Das haben wir in einer großen Studie
zum ersten Mal für die Stadtwerke
Hannover gemacht, ich glaube 1990.
Jetzt kann man ja sagen, Freiburg ist
bekannt dafür, in diesem Bereich Ökologie,
Energie und so weiter anders zu denken.
Wie war das in Hannover, wenn die
das sogar schon früher gemacht haben?
Das ist ja eigentlich eher eine,
in Anführungszeichen normale Stadt.
Die sind nicht bekannt für sowas.
Warum sind die da drauf angesprungen?
Die hatten einen fortschrittlichen
Stadtwerke-Geschäftsführer, jetzt komme
ich nur gerade nicht auf den Namen.
Aber Hintergrund war der, dass es
damals eine Diskussion gab, da ist
die Least-Cost-Planning-Diskussion aus
USA mit Emery Lovins übergesprungen.
Und wir hatten Emery Lovins eingeladen
nach Deutschland zu einer Veranstaltung.
Und dann am Abend bei einem Bier kam es
dann eben so weit, dass Peter Hennecke
mit dem Stadtwerkeleiter übereingekommen
sind und gesagt haben, ja, das probieren
wir jetzt mal aus, das machen wir.
Und dann wurde schon eine
größere Studie konzipiert und
auch Projektmittel beantragt und
Stadtwerke haben was zugegeben.
Und dann wurde das Projekt umgesetzt
in den nächsten ein, zwei Jahren.
Was gut war, dass wir für dieses Projekt
ein Programm entwickelt haben, wo wir
eben die wirtschaftlichen Vorteile
praktisch auf Knopfdruck ermitteln
konnten, wo wir die Laststruktur der
Einsparungen bestimmt haben, aus der
Laststruktur eben auch die entsprechenden
vermiedenen Energieerzeugungskosten,
so dass wir ein Werkzeug hatten, wo wir
mit verschiedenen Parametern daneben
zeigen konnten, welche Vorteile die
Einsparprogramme wirklich hatten.
Und wir hatten das in enger Kooperation
mit den Stadtwerken gemacht.
Es war nicht so dass die uns den
Auftrag gegeben haben, macht mal.
Sondern es gab eben Arbeitsgruppen zu
den verschiedenen Projektteilen, wo immer
Leute aus den Stadtwerken mit dabei waren.
Und dann war eben auch das Ergebnis,
was wir hatten, von beiden Seiten
anerkannt, von beiden Seiten abgesegnet
und nicht so wie eine Studie, wo
man dann entweder liest, interessant
oder sie in die Schublade macht.
Sondern es war dann praktisch
nachdem sich herausgestellt hat, es
funktioniert so, ist dann eben auch
quasi in die Umsetzung gegangen.
Es war einfach Unterstützung da, weil
man es von vornherein mitentwickelt,
verstanden hat, seine eigenen Ideen
mit einbringen konnte natürlich.
Fragen stellen konnte, nachrechnen
konnte, gemeinsam am Thema
Vertrauen auch aufgebaut hat.
Das ist wahrscheinlich auch ein wichtiges
Thema bei so etwas, wo es ja um etwas
ganz Neues geht, was man noch nicht
so viele Beispiele in der Welt hatte.
Okay, verstanden.
Das ist ja vielleicht heute so
ein bisschen, das würde man heute
in Bürgerbeteiligungsprozessen
zum Beispiel ja auch erleben.
Ja, das war ähnlich wie ein
Bürgerbeteiligungsprozess, nur eben
zwischen dem Wuppertal-Institut,
Öko-Institut und Stadtwerke Hannover.
Nachdem das Projekt gelaufen war und
tatsächlich umgesetzt wurde, haben dann
auch die Stadtwerke Düsseldorf, Stadtwerke
Heidelberg jeweils solche Studien in
Auftrag gegeben, um Ähnliches zu machen.
Also hat sich dann in
Deutschland schon einigermaßen
etabliert würde ich mal sagen.
Aber dann mit der
Liberalisierungsdiskussion, die dann
stattgefunden hat, ist das Ganze
dann in einen Tiefschlaf verfallen,
beziehungsweise es ist einfach so
gewesen, die Tarife mussten ja damals
genehmigt werden vom jeweiligen
Wirtschaftsministerium, die die
Preisaufsicht über die Strompreise hatte.
Es gab ja Demarkationsgebiete, das heißt
jeder Energieversorger versorgte alle
Kunden in seinem Gebiet und ein anderer
konnte gar nicht seinen Kunden aus einem
anderen Versorgungsgebiet versorgen.
Es gab auch nur fünf oder sowas Versorger?
Nein, es gab damals neun große
Versorger, aber noch viele kommunale
Energieversorger gab es auch.
Aber die hatten alle ihre
abgegrenzten Gebiete.
Und damit war auch klar, dass sie
alle unter der Preisaufsicht standen.
Die konnten die Preise
nicht einfach so bestimmen.
Und mit der Liberalisierung war eben
dann die neue Rahmenbedingung, dass man
sich Kunden überall herholen konnte.
Kunden in ganz Deutschland
versorgen konnte.
Und damit ist aber das entscheidende
Kaufkriterium der Preis geworden.
Zu dem kann ich liefern.
Und nicht mehr die Frage, wie kann
ich meine Energiedienstleistung
möglichst kostengünstig darbieten.
Energiedienstleistung ist eben die
Frage, was kostet mich das Licht von
der Decke, wenn ich eine Glühlampe habe.
Dann ist die Technik einfach,
aber der Verbrauch hoch.
Und selbst wenn ich einen
bescheidenen Preis habe, sind
die Energiekosten einfach hoch.
Wenn ich eine effiziente Technik
habe, dann ist der Preis jetzt weniger
entscheidend, sondern das Ergebnis
ist, mit der effizienten Technik habe
ich deutlich kleinere Energiekosten.
Und das ist eigentlich
das, was der Kunde braucht.
Und er braucht nicht niedrige Strompreise,
sondern er braucht kostengünstige
Energiedienstleistungen wie effiziente
Kühlung, effizientes Licht oder
jetzt eine effiziente Pumpe, um die
Pumpdienstleistungen zu erfüllen.
Also es geht gar nicht darum,
Strom zu kaufen, sondern man will
ja eigentlich das Licht haben.
Man möchte die Kühle haben und die Wärme
oder was immer auch eben damit erzeugt.
Strom selbst kann man nicht konsumieren.
Das ist nur schwer.
Eine kuriose Entwicklung war ja
dann tatsächlich, dass auf den Preis
geschaut wurde, auf den Strompreis
und nur auf den Strompreis.
Und gerade die privaten Haushalte
haben dann zum Beispiel auch in den
letzten Jahren immer wieder geklagt,
der Strom wird immer teurer, aber
gleichzeitig gar nicht gewusst, wie
hoch ist eigentlich der Stromverbrauch
und wie weit können sie ihn reduzieren.
Und da gab es durch die neuen
Technologien, durch die Energiesparlampen
oder später LEDs und die vielen
effizienteren Haushaltsgeräte eigentlich
enorme Einsparpotenziale also sowohl
beim Strom wie auch finanziell, die
aber von den privaten Haushalten
eigentlich gar nicht genutzt wurden.
Wir haben im Öko-Institut eine ganze
Reihe von Projekten gemacht, wo
wir gesehen haben, dass es relativ
einfach ist, den Stromverbrauch
im privaten Bereich zu reduzieren.
Der Durchschnittsstromverbrauch heute
von einem Zwei-Personen-Haushalt
liegt bei 3400 Kilowattstunden.
Und man kann aber auf 1500
runterkommen, ohne dass man an der
Qualität der Versorgung schraubt.
Also man hat die üblichen Geräte,
die jeder Haushalt hat, aber
kann eben sehr viel einsparen.
Wir haben jetzt ganz aktuell,
Öko-Institut und ÖQuadrat zusammen
ein Projekt gemacht, zusammen auch
mit der EWS, mit dem Energieversorger
Schönau, also einem Ökostromanbieter.
Und das Ganze wurde finanziert
von der Umweltbundesstiftung, DBU.
Und da haben wir Haushalte beraten,
mit einem höheren Stromverbrauch.
Und die vor Ort beraten und auch gleich
entsprechende Geräte bereitgestellt.
LED oder Duschsparköpfe, wo man
Warmwasser einsparen kann und Ähnliches.
Und die Haushalte haben im ersten Jahr
schon 1.500 Kilowattstunden gespart.
Das war damals bei den Strompreisen
eine Einsparung von 460 Euro pro Jahr.
Das zeigt, das
Einsparpotenzial ist riesig.
Was ganz interessant war, dass es ja...
diese Mittelstandshaushalte gibt, die
halt einen höheren Stromverbrauch haben,
aber den dann letztlich doch bezahlen
können, weil so teuer ist der Strom dann
doch nicht im Vergleich zu Ausgaben.
Aber es gab natürlich und gibt noch
viele Haushalte, die einfach ein geringes
Einkommen haben, die heute Bürgergeld
beziehen oder damals hieß es Hartz IV.
Und da wurde in Freiburg auch wieder von
einem Menschen namens Dieter Seifried
eigentlich ein ganz interessantes
Pilotprojekt gemacht, das dann später
in vielfacher Form umgesetzt wurde.
Stichwort Strom-Sport-Check.
Es hing damit zusammen, dass,
2008 war eine Phase, wo die
Strompreise stark anstiegen.
Und eines Abends habe ich auf dem
Sofa sitzend, Sigmar Gabriel im
Fernsehen gesehen, in der Tagesschau.
Wie er angekündigt hat, dass die
Strompreise für einkommensschwache
Haushalte gesenkt werden sollten.
Ich habe im Bundesumweltministerium
eine Vertrauensperson, mit der ich schon
Projekte gemacht hatte, und habe direkt
dort angerufen und vorgeschlagen, doch bei
den einkommenssprachen Haushalten Strom zu
sparen, anstatt die Strompreise zu senken.
Das wäre von der Kostenseite her
günstiger und würde was bringen.
Und erstaunlicherweise, war damals noch
möglich, heute unmöglich, es hat keinen
Monat gedauert, hatten wir einen Vertrag
um in Freiburg eine Pilotstudie zu machen.
Das heißt, wir haben einkommensschwache
Haushalte gesucht, zum Teil über
Zeitungsanzeige, zum Teil auch über die
entsprechende Stelle beim Arbeitsamt.
Und haben ihnen kostenlos angeboten,
bei ihnen Strom- und Wärmesparmaßnahmen,
Wassersparmaßnahmen umzusetzen.
Also das heißt, effiziente Lampen
direkt zu installieren, wassersparende
Perlatoren, Steckdosenleisten,
Stand-by-Verluste vermeiden.
Über Zeitschaltuhren manche Geräte
ausschalten, wurde eben alles nicht
nur beraten, sondern direkt gemacht.
Weil das ist eben etwas, was wir
auch bei Meister Lampe gesehen haben.
Das eine ist, man kann die Leute
informieren und beraten, dann passiert
aber in 80 Prozent der Fällen nichts.
Wenn man es aber wirklich macht, dann wird
das Ganze viel kostengünstiger, weil eben
der Aufwand der Beratung nur 90 Prozent
der Leute es umsetzen oder 100 Prozent.
Und ansonsten berate ich und habe
nur bei jedem fünften Erfolg,
dann sind die Kosten exorbitant.
Wir hatten es auch gerade im Rahmen
von Least-Cost-Planning, hatten wir
solche verschiedenen Möglichkeiten
erörtert und durchgespielt und
festgestellt, Verschenken ist
eigentlich die kostengünstigste Methode.
Auf jeden Fall haben wir
auch... ineffiziente Kühlgeräte
ausgetauscht bei den Kunden.
Die Haushalte konnten, haben die Hälfte
des Kaufpreises als Zuschuss bekommen.
Und die andere Hälfte als Kredit.
War das Angebot, konnten sie
nehmen oder nicht nehmen.
Und hat dazu geführt, dass wir eine
relativ hohe Quote von Haushalten
hatten, die ihre Geräte ausgetauscht
haben und dadurch eben das ganze
Programm sehr effizient wurde.
Die haben eine Haufen Geld
eingespart und konnten aus den
Stromkosteneinsparungen, direkt auch
die Raten bezahlen für das Gerät.
Waren innerhalb drei Jahren
abgezahlt und konnten noch
zusätzliche Einsparungen erzielen.
Also wir mussten das Projekt in
Freiburg und in Berlin durchführen.
In Berlin gab es Schwierigkeiten, da ist
das Projekt nicht so gelaufen wie geplant.
Hier hat es sehr gut funktioniert
und bereits im November des gleichen
Jahres wurde dann das richtige
Stromsparcheck-Projekt gestartet,
wo wir die Caritas, den Deutschen
Caritasverband e.V. in Frankfurt und
der Verein der Klimaschutzinitiativen
in Berlin zusammengebracht haben.
Und gefördert vom Bund.
Und das Interessante dabei war auch
noch, wir hatten das so konzipiert, dass
die Energieberatung durch ausgebildete
Stromsparhelfer durchgeführt wurde.
Die Stromsparhelfer waren
Langzeitarbeitslose, die ausgebildet
wurden, haben einen kurzen Kurs
gemacht, sodass sie entsprechende
Leistungen erbringen konnte.
Und dadurch haben wir praktisch
einen mehrfachen Nutzen
erzielt für alle Beteiligten.
Also die Stromsparchecker hatten
einen Job und hatten auch den
großen Vorteil dass sie praktisch
in Hartz-IV-Haushalte gegangen.
Sie waren praktisch auf Augenhöhe
mit den Hartz-IV-Haushalten, da
kamen also nicht irgendwelche
Leute von der Stadtverwaltung.
Oder so mit Anzug und so.
Genau, also das war ein wichtiger Punkt,
dass es auf derselben Ebene ablief.
Die Leute, die mitgemacht
haben, die Hartz-IV-Haushalte,
konnten wirklich Geld sparen.
Das, was sie beim Strom gespart
haben, ging in ihre eigene Kasse.
Das, was sie bei der Wärme und beim
Wasser gespart haben, ging in die
Kasse der Kommunen, weil die Kommunen
sind zuständig für die Kosten für
die Wärmeversorgung der Haushalte
und auch für die Wasserversorgung.
Das heißt, die Kommunen zahlten weniger an
die Haushalte und da der Bund einen Teil
der Kosten der Kommunen übernimmt, war
auch der Bund mit Vorteil daran beteiligt.
Also letztendlich haben alle
daran gewonnen, dass Energie,
Wasser und Strom gespart wurden.
Ich habe jetzt gerade mitgezählt es waren
jetzt mindestens vier, fünf Win-Win,
Win-Win-Win-Win in der Situation.
Das war eine super..
Oder noch mehr?
..Win Idee, super Win Projekt, also ein
nachhaltiges Projekt im schönsten Sinne.
Es war ökologisch vorteilhaft, es
war ökonomisch vorteilhaft für alle
Beteiligten und es war eben auch sozial
konzipiert bei der Gruppe der Haushalte,
die beraten wurde, aber auch durch den
Einbezug von Langzeitarbeitslosen die
dann quasi dadurch Arbeit gefunden haben.
Und noch schöner war eben, dass da
dieses Förderprogramm entstanden ist und
mehr und mehr Haushalte beraten wurde.
Das Förderprogramm wurde übrigens
über vier Regierungen fortgesetzt.
Das zeigt, wie erfolgreich das war.
Und bis Ende letzten Jahres sind
425.000 Haushalte beraten worden.
Also das ist Upscaling vom Feinsten.
Und es ist fast eine Million
Tonnen CO2 eingespart worden.
War wirklich und ist immer
noch ein erfolgreiches Projekt.
Das läuft unter Zuschussprojekt.
Der Bund finanziert Caritas und
den Klimaschutz, Klimabündnis
der Energieagenturen mit
einem bestimmten Betrag.
Aber auf der anderen Seite spart er
natürlich auch Kosten ein, dadurch,
dass es weniger bezuschusst werden muss.
Aber solche Zuschussprogramme
für Projekte dürfen eigentlich
nur einmal gegeben werden.
In dem Fall wurde es aber viermal
verlängert und für jede Verlängerung
musste dann wieder eine kleine
Änderung im Projekt vollzogen
werden, damit die Genehmigung für
das neue Projekt kommen konnte.
Aber im Prinzip ist hat sich ein bisschen
weiterentwickelt, hat sich ein bisschen
die Schwerpunkte verschoben, aber das
Grundprinzip ist gleich geblieben,
man hilft den Leuten beim Strom,
Wärme und bei den Wassereinsparungen.
Sind damit dann auch diese Energieberater
entstanden und Beraterinnen
und auch die Förderung dafür?
Ja, die Förderung ist auch für
die Ausbildung der Energieberater,
es gibt etwa 700 Stromsparchecker
derzeit, die praktisch in den
Haushalten einkommensschwache
Haushalte beraten und immer noch
die Direktinstallation vornehmen.
Die Frage kann man ja doppelt verstehen.
Also Energieberater gab es natürlich
vorher schon oder auch parallel bei
der Beratung von Energieeinsparungen
im Gebäudebereich, im Wärmebereich.
Und tatsächlich war das ja was, was
eigentlich noch erfolgreicher hätte
laufen können, wenn man nicht nur die
Stromsparberatung gemacht hätte oder
Wassereinsparung, sondern auch noch
gesagt, hier kannst du im Heizungsbereich
noch so und so viel sparen und so weiter.
Das hätte allerdings schon eine andere
Ausbildung von den Leuten erfordert.
Insofern ist das nicht zustande
gekommen, aber vom Prinzip her
war das einfach sehr erfolgreich.
Mit den Gebäuden geht man ja auch
gleich in eine ganz andere Richtung.
Da ist häufig so, dass der Nutzer
Nutzerin nicht die Eigentümerin
ist und so weiter und so weiter.
Man geht auch ganz andere Risiken ein.
Also wenn man beispielsweise dann
Fehler macht, wenn es zu Schimmelbildung
kommt, solche Geschichten.
Also machst du neue Dichtungen in
die Fenster, ohne sicherzustellen,
dass auch richtig gelüftet wird.
Dann ist natürlich auch das Problem,
dass da Schäden entstehen können.
Das war einer der Gründe, warum
weitergehende Maßnahmen dann innerhalb des
Projektes dann nicht akzeptiert wurden.
Es ist manchmal auch ganz gut,
wenn man sich fokussiert und
das dann richtig gut macht.
Aber ich kann es
vollständig unterschreiben.
Wir haben zu Hause sind wir vor ungefähr
zwölf Jahren in eine neue Wohnung gezogen.
Wir haben bis auf die
Dunstabzugshaube LED-Beleuchtung,
energiesparende Geräte und, und und.
Wir sind in dem Bereich
eben von knapp über 1000
Kilowattstunden zu zweit pro Jahr.
Und das ist gar nicht schwierig
und wir haben auch null Einbußen
dadurch in irgendeiner Form.
Wenn man sich da ein bisschen
damit beschäftigt, vor allem heute,
wo das Angebot so riesig ist mit
diesen Technologien, dann ist
das eigentlich gar kein Problem.
Ich weiß gar nicht, wie das wäre, wenn
wir jetzt einen neuen Kühlschrank kaufen
würden und theoretisch den alten ersetzen.
Das lohnt sich wahrscheinlich noch
nicht, aber in zehn Jahren oder
so ist wahrscheinlich wieder ein
Sprung da, wo es sich dann lohnt.
Die Kühlschränke werden jetzt kaum
noch effizienter, zumindest die ohne
Gefrierfach, weil die liegen jetzt schon
bei 60 bis 70 Kilowattstunden pro Jahr.
Also unter Null wird es nicht gehen.
Und auf der anderen Seite werden
die Kühlgeräte, auch gute Kühlgeräte
mit der Zeit schlechter, weil
die Isolierung nachlässt, die
Dichtlippen nicht mehr dicht sind.
Und von daher hat ja das Öko-Institut auch
Studien gemacht, ab wann es sich lohnt,
ein neues Kühlgerät sich anzuschaffen.
Wobei ja immer die Frage ist, was
man reinrechnet, also Rohstoffbedarf,
Energieverbrauch, sonst noch was.
Wir müssen dazu sagen, diese
Studien, die kann man sich auch
angucken auf der Website von dem
Öko-Institut oder runterladen
oder anfragen oder, oder, oder.
Kann man sich dann gerne natürlich
auch an das Öko-Institut wenden.
Und was ich da auch noch zu sagen
kann, wir machen eine Broschüre über
energieeffiziente Haushaltsgeräte.
Allerdings ist jetzt der Stand 2024, wo
die effizientesten Geräte dargestellt
sind und ihr Einsparpotenzial gegenüber
mittelmäßigen und schlechten Geräten
auch direkt dargelegt wird, sodass
man relativ einfach feststellen kann,
was sinnvoll ist zu kaufen, auch wenn
man jetzt nicht so viel Geld hat.
Rainer sagt die Kasse
klingelt immer zweimal.
Einmal wenn man das Produkt kauft
und dann, wenn man es gebraucht.
Ja, ja, ja.
Und genau um das geht es, um die
Lebenszykluskosten zu ermitteln und
zu sagen, was kostet mich das Gerät
langfristig und nicht welches ist
das günstigste im Ladengeschäft.
Und das ist genau dieselbe Überlegung wie
Energiedienstleistung oder Strompreise.
Wo habe ich am Ende
die geringere Rechnung?
Bei welcher Energiedienstleistung
mit effizientem Gerät und geringem
Stromverbrauch oder billigem
Gerät aber hohem Stromverbrauch?
Eigentlich ist es ja jetzt schon wieder
so um die Ecke gedacht, um zur Lösung
zu kommen, was ich einfach schlau finde.
Wir haben da, du könntest vielleicht
sagen, nein das ist nicht so,
aber ich sage es jetzt mal, es
ist ja so eine Art Contracting im
Privatbereich, das natürlich anders
ausschaut wie in einem offiziellen,
staatlichen oder Firmenbereich.
Das ist aber auch so eine Sache,
die mal entstanden ist, die mehr
oder weniger mal mehr Erfolg hat,
mal weniger Erfolg hat, aber was es
immer noch gibt, eben Contracting.
Ist das ein Thema, was wir vielleicht
noch kurz ansprechen sollten,
wie das ausfällt, warum man das
macht, wo es denn Vorteile bringt?
Ja, kann man schon ansprechen.
Also Contracting haben wir auch
während der Öko-Institutszeiten also
solange ich noch im Öko-Institut
war, genauer angeschaut.
Nämlich als eben die Diskussion
der Liberalisierung aufkam.
Gesagt haben, okay, wenn
Least-Cost-Planning nicht mehr
funktioniert, dann müssen wir was anderes
machen, dann müssen wir Kunden anbieten,
wir bieten dir die Dienstleistung an und
wir verdienen mit der Dienstleistung,
aber du kriegst einen Anteil davon, du
kriegst einen Teil des Einsparerfolgs.
Und nachdem wir ein paar kleinere
Studien gemacht haben, haben wir das
eben auch im Staudinger Gesamtschule in
Freiburg ausprobiert und haben eigentlich
ahnungslos wie wir waren, muss ich heute
sagen, waren noch jung, unerfahren und
ahnungslos, das macht vieles leichter.
Da haben wir uns eine Schule
ausgeguckt, wo wir den Rektor
kannten und eine Lehrerin.
Und die von außen so aussah,
als ob man da was machen könnte.
Und haben dann... Die Schule.
Okay.
Haben die Schule mal besucht, uns
angeschaut und haben gesagt, ja ja, da
könnte man vielleicht ein bisschen was
einsparen, da könnte man was einsparen.
Und dann haben wir gesagt, ja, jetzt
machen wir ein Contracting-Projekt, haben
eine Firma gegründet, haben versucht,
das Projekt voranzutreiben, wollten die
Energieverbräuche von der Stadt bekommen.
Da fingen dann die ersten
Schwierigkeiten an, wo gesagt
wurde, naja also... Wer seid ihr?
Was wollt ihr?
Warum wollt ihr die Verbräuche der Schule?
Die können wir euch nicht rausgeben.
Da müsste man den Gemeinderat einschalten,
damit der die Verwaltung überzeugt dass
sie uns doch die Daten geben sollten.
Es war alles noch ganz unverbindlich.
Wir haben gesagt, wir wollen ja
zuerst mal schauen, ob sich da
ein Projekt entwickeln lässt.
Es hat sich dann herausgestellt
da lässt sich was machen.
Wir können da ein Projekt entwickeln.
Dann haben wir Geld gesammelt und
haben gleichzeitig angefangen mit der
Stadt über einen Vertrag zu verhandeln.
Vertragsentwurf hingeschickt,
Änderungen entgegengenommen, Änderungen
eingebaut wieder hingesteckt.
So ging das siebenmal hin und her.
Gleichzeitig hat man bei der
Stadtverwaltung gemerkt, so
richtig wollen die nicht.
Sie haben zwar alle gesagt, ja,
interessantes Projekt, aber gleichzeitig
haben sie gesagt, also Moment,
bevor wir anfangen können, bei der
Verwaltung zu arbeiten, brauchen
wir einen Gemeinderatsbeschluss.
Und der Gemeinderat sagt, bevor wir nicht
eine Vorlage von der Verwaltung haben,
können wir keinen Beschluss machen.
Also ging es so ein bisschen im Kreis
herum, bis sich die Verwaltung dann
doch gemüßigt fühlt eine kleine Vorlage
zu machen, dass der Gemeinderat sagen
konnte, bitte Verwaltung, macht mit
denen einen Vertrag über dieses Projekt.
Also in alle Tiefen runter sozusagen.
Es ging wirklich von ganz unten durch
alle Tiefen bis später, bis ganz oben,
bis zum OB, der dann einschreiten
musste in letzter Minute, bis das
Projekt zustande gekommen ist.
Wir müssen auch gleich nochmal
erklären, was sich dahinter
verbirgt, für wen es Vorteile gab
und wo es eben nicht gewirkt hat.
Aber wie viele gab es denn
solche Projekte zum Beispiel
in Deutschland zu dieser Zeit?
Es gab meines Wissens keins.
Damals fingen gerade die
Bürgerbeteiligungsprojekte an mit
Solaranlagen und Windkraftanlagen.
Das war eigentlich auch ziemlich neu.
Wir haben das Projekt geplant, glaube
ich ab 1996 und gestartet ist es 1998.
Das war die Zeit, wo die größeren
Solaranlagen und Windanlagen dann über
Bürgerbeteiligung finanziert wurden.
Einsparcontracting mit Bürgerbeteiligung
gab es sicherlich noch nicht.
Contracting gab es natürlich,
aber nicht mit Bürgerbeteiligung.
Vielleicht muss man auch nochmal kurz
sagen, vielleicht ist der Begriff
Contracting gar nicht so klar.
Dass man eben zu einer Organisation
hingeht und sagt, eigentlich habt
ihr große Einsparpotenziale aber aus
verschiedenen internen Gründen will
das die Organisation nicht machen.
Und dann bietet man an als Externer
man finanziert das, diese ganzen
Maßnahmen, die für Energieeinsparung.
Bekommt das Geld in geeigneter Weise
zurück über Verzinsung oder wie auch
immer und führt dann das Projekt
durch eigentlich als Externer.
Bei den Schulen ist es so,
dass zuerst mal bundesweit ein
riesiger Sanierungsstau ist.
Bei den Schulen, für die Sanierung
sind aber die Kommunen zuständig,
die haben in der Regel aber nicht
so viel Geld oder wollen das Geld
lieber für irgendwas anderes ausgeben.
Und so wie Dieter das geschildert
hat, trifft man dann auch zuerst
mal auf Verwaltung, die sagt,
also für die Sanierung von den
Schulen, da sind wir zuständig.
Ganz klar, wir sind zuständig,
wir haben zwar gar kein Geld
und können das gar nicht machen,
aber dafür sind wir zuständig.
Und wenn man dann als Externer
kommt und sagt, ja, aber jetzt
können wir das machen, dann gibt
es zuerst mal tausend Widerstände.
Wo das heißt, Gott, das haben wir ja
noch nie gemacht und da muss man ja
einen Vertrag machen und heute wird man
wahrscheinlich sagen, wie ist das mit
Datenschutz und so weiter und so fort.
Und dann war eben auch noch die Kunst zu
sagen, ja, wo bekommt man das Geld her?
Und da war eben die tolle Idee,
man gründet eine GmbH, wo Lehrer,
Eltern von Schülern und so
weiter sich beteiligen können.
Die geben dann das Geld
und mit dem werden dann die
Energieeinsparmaßnahmen finanziert.
Das ist ja eine andere, ich sage mal eine
alternative Finanzierungsmethode, die
ja sehr schlau ist, weil sie was mit dem
zu tun hat, die später auch was davon
haben, die ganzen Nutzer, Nutzerinnen
oder die Eltern oder das Umfeld.
Vielleicht noch ganz kurz zurück.
Wir reden jetzt zum Beispiel von einer
großen Beleuchtungsanlage in diesem
großen Gebäude, das der Stadt gehört.
Die haben halt im Budget so und so
viel Geld für Strom, damit das eben
brennen kann, das Licht an sein kann.
Aber die haben kein Geld dafür,
das jetzt auszutauschen auf neueste
Techniken, die dann vielleicht nur
noch ein Viertel, zehn Prozent oder so
was an Energie eben brauchen würden.
Ergo auch natürlich der
Betrag für den Betrieb für die
Stromkosten quasi sinken würden.
Aber weil man nicht hat das Geld zum
Finanzieren, kann man auch natürlich
da nicht was sparen hinterher.
Aus dieser Einsparung würde
man das Ganze dann finanzieren.
Das macht jemand Externes.
Der kümmert sich dann auch um die
Umsetzung, sodass das dann auch
da ist, dass es läuft und dass
es auch immer funktioniert, dass
man immer Licht hat, wenn man den
Lichtschalter andrückt zum Beispiel.
Und irgendwann geht es in
den Bestand quasi der Stadt
oder des Gebäudes dann über.
Also in dem Fall in der Staudinger
Schule hatten wir Investitionen in
Höhe von 500.000 D-Mark vorgesehen.
Die haben wir eben auch von Bürgern
eingesammelt, von knapp 100 Bürgern
haben praktisch das Geld aufgebracht.
Und der Vertrag, mit dem wir mit der
Stadt geschlossen haben sah vor, dass wir
innerhalb acht Jahren die eingesparten
Energiekosten in dem Projekt wieder
kassieren, also dass wir die bekommen
und nach acht Jahren die Anlage
wieder in den Besitz der Schule bzw.
der Stadt übergeht, die dann weiterhin
den Vorteil hat von dieser Anlage.
Und mit den Geldgebern hatten wir
ausgemacht, dass sie eine Verzinsung
zwischen drei und sechs Prozent bekommen,
je nachdem wie das Projekt läuft.
Und wenn das Projekt besser läuft,
als dass es eine Verzinsung von
sechs Prozent erwirtschaften
würde, haben wir festgelegt,
dass dieses Geld dann in weitere
Stromsparmaßnahmen eingesetzt würde.
Das haben wir eigentlich gemacht, damit
die Stadt wirklich nicht sagen kann, wir
wollen uns an dem Projekt bereichern,
sondern wenn es besser läuft, hätten
wir eben noch mehr gemacht zugunsten
der Stadt, weil dann sparen sie eben
nach acht Jahren noch mehr Energie.
Und es ist besser gelaufen.
Es ist besser gelaufen.
Wir haben sechs Prozent ausbezahlt über
die ganze Zeit und hatten noch Geld
übrig, um weitere Maßnahmen umzusetzen.
Aber zu Beginn muss man auch sagen, gab es
dann noch so Querschläger von der Seite,
wurde dann vom Bauamt angerufen, ob wir
nicht die PV-Anlage weglassen könnten.
Wir hatten eine kleine PV-Anlage
mit eingeplant, um zu zeigen, was
die Zukunft der Stromerzeugung ist.
Das war aber damals noch nicht
wirtschaftlich, 1998, und dann
hat das Bauamt angerufen und
meinte, es sollten doch das Geld
praktisch dem Bauamt zukommen lassen
und die Solaranlage weglassen.
Dann wären sie auch von Anfang
an an dem Projekt, am Vorteil
des Projektes beteiligt gewesen.
Also da gab es schon Widerstände auch im
Denken oder eben, Rainer hat es gesagt,
wir haben es noch nicht gemacht, wir
wollen es nicht, dass da einer von außen
reinkommt und womöglich... ja, womöglich
funktioniert das Projekt, dann heißt
es, ja, warum habt ihr es nicht gemacht?
Und wenn es nicht funktioniert,
sind wir auch die Dummen.
Weil dann heißt es, warum habt
ihr das mit denen gemacht?
Also eine typische Loose-Loose-Situation,
der sich die Stadt befand.
Was war schwieriger, das Geld
aufzutreiben bei den Bürger und
Bürgerinnen oder die Themen die du
gerade angesprochen hast, eben zu klären?
Eindeutig war es viel schwieriger,
mit der Stadt ins Reine zu
kommen, als mit den Bürgern.
Wir hatten das Geld schon lange,
bevor der Vertrag abgeschlossen wurde.
Und mussten am Ende, am Ende war ja die
Konfliktsituation, dass die Verwaltung
hatte dem Gemeinderat einen Vertrag
vorgelegt, der nicht unserem gemeinsam
abgestimmten Vertragsentwurf entsprach.
Und dann hat der Gemeinderat
über etwas abgestimmt, was
nicht mit uns abgestimmt war.
Und dann haben wir gesagt, so
können wir es nicht machen.
Wir hatten auch unsere Verpflichtung
gegenüber den Anlegern.
Und dann ging es zwei Monate hin und her.
Und am Tag, bevor wir das Geld
hätten zurückzahlen müssen an die
Anleger, sind wir dann mit der Stadt
übereingekommen, einen Vertrag zu
schließen mit einer Kompromisslösung.
Also es war sehr schwierig, das war
auch sehr aufwendig das Projekt.
Also ich habe in das Projekt
wirklich in die Vorbereitung
bestimmt ein halbes bis ein Jahr an
Organisation reingesteckt, mindestens.
Und das ist aber auch der einzige Teil des
Projektes, der von außen bezahlt wurde.
Also die Vorbereitung hat damals die
Ertomissstiftung übernommen mit Herrn
Middelsenscheid, der gesagt hat,
wir fanden das Projekt gut und wir
finanzieren deine Aktivitäten, deine
Arbeitszeit, die hier eingeflossen ist.
Also neben Widerständen auch
tatsächlich Unterstützung.
Das wäre jetzt so ein Beispiel, wo
jemand noch zusätzlich dazugekommen
ist und gesagt hat, wir haben einen
bestimmten Stiftungsförderauftrag,
wir unterstützen diese Vorbereitung,
weil wir wissen, dass es Neuland ist.
Aber natürlich auch für die
Bürger, die das Geld gegeben hat.
Das ist ja auch nicht so, dass man da
ohne weiteres Geld irgendwo hingibt.
Da muss man ja schon auch von der
Sache überzeugt sein, sowohl vom Ziel
wie auch vom konkreten Vorschlag.
Man muss schon sehen, wir hatten die GmbH
frisch gegründet, mit Kollegen aus dem
Öko-Institut und dem Fraunhofer-Institut.
Wir hatten beide, alle keine...
Geschäftsführungskompetenzen,
ich war der Geschäftsführer.
Wir hatten es aber auch zum Teil im
Team gemacht, aber auf jeden Fall,
wir hätten von keiner Bank Geld
bekommen, mit diesem Hintergrund.
Und auch für die Stadt war das
ein gewisses Risiko gesehen.
Gut, wir waren Leute vom Öko-Institut,
vom Fraunhofer-Institut, also
nicht ganz ahnungslos, was
jetzt die Energiethemen angeht.
Aber klar, jetzt auch nicht die
ausgewiesenen Contracting-Spezialisten,
gab es ja damals noch so gut wie keine.
Aber wenn ich jetzt gerade versuche,
da was draus abzuleiten, dann ist
es ja... gemeinsam etwas erarbeiten,
ist ganz ein wichtiges Thema.
Alle Beteiligten, die dann nicht zum
Gegner sondern zu Kooperationspartnern
werden, eben die Themen vorzubereiten
und alle Fragen vor allem zu klären.
Und solche Projekte dann auch in
kleinere Schritte aufzuteilen, weil
man unter Umständen jeweils auch eine
Freigabe von irgendjemand braucht.
In deinem Fall jetzt ein
Gemeinderatsbeschluss, der sagt,
fangt mal an darüber nachzudenken,
ihr müsst es ja noch nicht umsetzen.
Das machen wir im nächsten Beschluss
oder im übernächsten Beschluss.
Damit man vor allem auch diese
ganzen Widerstände die ja zum
Teil auf Unsicherheit beruhen.
Das haben wir noch nie gemacht.
Wir kennen uns damit nicht aus.
Wollen es aber auch nicht zugeben
zum Beispiel ist ja wahrscheinlich
so ein Fall, der da auch vorherrscht.
Ja und es kommen noch mehrere
Schwierigkeiten hinzu.
Zum Beispiel dass Maßnahmen jetzt
innerhalb der Stadtverwaltung abgestimmt
werden müssen zwischen Bauamt,
Schulamt, Umweltschutzamt und mehrere
Verwaltungen dann damit beschäftigt sind.
Und wenn die sich nicht grün sind, also
wenn es dann noch Konflikte innerhalb der
Verwaltung gibt, was nicht so selten ist,
dann wird es natürlich noch schwieriger.
Und damals war, das kann man sich
heute gar nicht mehr vorstellen, weil
es jetzt ja viel mehr in Richtung
Umweltberichterstattung geht.
Auch bei Unternehmen, war das
ja so, dass die erforderlichen
Daten dann oft gar nicht da waren.
Also wir haben das auch bei
Unternehmen immer wieder erlebt, wo
wir Ökobilanzen gemacht haben, gesagt
haben, so für euer Produkt, wir
brauchen jetzt euren Stromverbrauch.
Und dann hieß es... ja, wer
weiß denn darüber Bescheid?
Und dann kam, ja eigentlich
haben wir niemanden, der weiß
wie der Stromverbrauch ist.
Sondern wir kriegen halt Rechnungen
vom Energieversorger und wenn die jetzt
nicht wesentlich anders sind als im
Vorjahr, dann wird die halt bezahlt.
Das heißt, das dann irgendwo im
Finanzwesen, aber es gab keinen, der
quasi diese ganzen erforderlichen
Daten, so zur Verfügung hatte und
relativ umständlich das zu kriegen.
Zu sagen, ja aber immerhin wenn
ihr es bezahlt habt, habt ihr eine
Rechnung und auf der Rechnung steht
ja euer Verbrauch da und so weiter.
Und ihr habt auch die Rechnung
hoffentlich noch von den Vorjahren
und so hat man sich dem genähert.
Und es war halt auch oft so in
Kommunen, wo dann gesagt wird, ja
da gibt es halt eine Kostenstelle,
da sind die Heizenergieverbraucher
der Kosten von allen Schulen drin.
Und bis man dann an die Daten kommt,
dann war das schon mal richtig Arbeit.
Und das klingt jetzt so ein
bisschen banal, aber sowas konnte
einem um Wochen zurückwerfen.
Weil bis das dann sozusagen in
Gang kam, hat es einfach gedauert.
Aber wie gesagt, da ist es heute jetzt
vielerorts sozusagen erfreulicher.
Und im Prinzip ist natürlich, weil wir
jetzt gerade beim Energiecontracting
sind, ist es ja auch so, dass
sich das Energiecontracting
auch bei Unternehmen anbietet.
Vor allem im Gebäudebereich
oder im Bereich Beleuchtung.
Weniger bei den Produkten, weil da
immer so ein Return of Invest von
zwei, drei Jahren gefordert ist.
Und das ist jetzt im Gebäudebereich
eigentlich nicht der Fall dass es so
schnell geht bei Wärmedämmmaßnahmen.
Beleuchtung, kann das mal sein.
Aber insofern ist das eigentlich
nach wie vor so, dass Contracting
eigentlich weiterhin eine gute Idee ist.
Eine der Möglichkeiten, die
man dann hat als Unternehmen.
Ich musste gerade an Druckluft denken,
das ist ja auch etwas, wo viel Energie
gebraucht wird und viel verloren geht.
Oder auch zum Thema Wärmerückgewinnung,
Wärmeabfall oder wie man das
dann auch bezeichnen mag.
Das sind ja auch große Themen, die
das Land zum Beispiel verfolgt,
wo eben auch Druck gemacht wird.
Und wo man sich dann manchmal
schon auch wundert wie viel da oben
aus manchen Firmen so rausdampft.
Naja, okay, gut.
Also es gibt da Ansatzpunkte.
Was mir jetzt gerade so aufgefallen ist,
wie du das so gesagt hast, ist, man könnte
ja fast sagen, dass diese Diskussionen
das auch mit sich gebracht haben, dass
wir eine, ja, weitere Berichtspflichten
sozusagen bekommen haben.
Um eben diese Berechnung dann leichter
machen zu können, weil wir eben globalere
Blickwinkel auf ein Unternehmen, auf
Produkte und so weiter eben haben wollten.
Was mir da immer wieder auffällt,
ist, dass auf der einen Seite
da dann so viel gejammert wird,
das ist so viel extra Aufwand.
Gleichzeitig wird es aber in dem Bereich
zum Beispiel der Steuerbuchhaltung und
so was, da wird es immer akzeptiert.
Aber da steht auch der Staat
mit Daumenschrauben dahinter.
Wenn man die Steuer nicht macht,
die Buchhaltung nicht abliefert.
Aber eigentlich ist es ja genau dasselbe.
Ich muss irgendwie Zahlen sinnvoll
aufbereiten und so darstellen,
dass man da was daraus ablesen
kann und was machen kann danach.
Richtig, aber da wird natürlich auch
gejammert wenn Dinge wieder anders
gemacht werden müssen wie im Vorjahr.
Oder wenn der Steuersatz von 19 auf 7
Prozent oder wieder zurück geändert wird.
Das macht in der Verwaltung von
kleineren Betrieben, ist es total
lästig und aufwendig das umzusetzen.
Auch wenn es scheinbar nur
ein kleiner Schritt ist.
Ich frage mich immer, warum Steuerberater
das nicht einfach mitmachen.
Und die Datev ist ja auch eine
Genossenschaft, die könnte
ja da irgendwas aufgreifen.
Für die wäre es eigentlich
ein Klacks diese paar Zahlen
nochmal extra zu erfassen.
Also High Level fast und damit
zumindest erste Ergebnisse zu liefern.
Heute ist das je nach System
dann schon automatisch angedockt.
Aber es musste halt zuerst mal in die
Systeme rein, in die Abfrage rein.
Und der Grund, dass es lange nicht
passiert ist, ist, dass in den meisten
Unternehmen der Energieverbrauch
eigentlich gar nicht die Rolle spielt.
Das sind ganz wenige Prozent.
Die großen Ausnahmen sind
natürlich Aluminiumhütte
oder BASF oder ein Stahlwerk.
Aber sonst waren das halt
ein, zwei Prozent als Kosten.
Und das lief dann so unter ferner Liefen
und da wurde nicht genau hingeschaut.
Und das hat sich eigentlich erst
mit der zunehmenden Umweltdiskussion
aber auch mit der CO2-Besteuerung
und so weiter geändert.
Haben wir noch ein Beispiel,
auf das wir eingehen sollten?
Also vielleicht noch bei den Schulen zu
ergänzen, dass dieses Ecowatt-Projekt ja
auch wiederum Ausgangspunkt war für viele
weitere Schulprojekte, die es gegeben
hat, die dann auch ÖQuadrat zusammen
mit Wuppertal-Institut durchgeführt hat.
Und wo es dann auch nicht nur um
Energieeinsparung und Geldsparen ging,
sondern auch um weitere Bildungsmaßnahmen.
Im Prinzip sind solche Schulprojekte
ja Bildung vom Feinsten, weil das
dann die Schüler direkt vor Ort lernen
und auch die ganzen Schwierigkeiten
aber auch dann sehen das eine eigene
Sache, das ist ihre Schule, das
sind ihre Vorschläge und so weiter.
Deswegen sehr schön, dass
es weitergekommen ist.
Aber für mich wäre eigentlich noch
ein... schönes Beispiel, weil es auch so
kurios gelaufen ist, das Kuba-Projekt.
Kuba?
Ist es eine Abkürzung oder das Land?
Es ist das
Oder Rum?
Es ist das Land.
Wir haben mit Kollegen zusammen Anfang
der Nullerjahre in Kuba ein Projekt
gemacht, wo wir die Rahmenbedingungen
für Energieeffizienz und Erneuerbare
untersucht haben im Vergleich
von Kuba, Mexiko und Südafrika.
Und damals habe ich dann festgestellt,
dass eben die Kühlschränke in
Kuba besonders ineffizient sind.
Das waren... zum einen Teil
alte amerikanische Kühlschränke.
Und zum anderen russische Kühlschränke.
Aber alle mehr oder weniger die gleichen
Typen, alle total hohen Stromverbrauch.
Weil sie eben alt waren, die Leute kein
Geld hatten, um was Neues anzuschaffen.
Zum Teil gab es dort Kühlschränke
ohne Türen, also da wurde ein
Vorhang vor gehängt anstatt der Tür.
Und dementsprechend
hoch war der Verbrauch.
Und auf der anderen Seite gab es
eben subventionierte Stromtarife,
sodass man sich leisten konnte, einen
ineffizienten Kühlschrank zu haben.
Das hat praktisch nichts gekostet.
Und auf der Gegenseite waren die
Stromkosten der Industrie sehr hoch, weil
die ihren Strom mit Schweröl erzeugen.
Auch mit relativ schlechten Kraftwerken,
niedrigen Wirkungsgraden, weil
sie eben auch kein Geld haben, um
effiziente Kraftwerke zu bauen.
Und deswegen kam ich später auf die
Idee, dass man ein Contracting-Projekt
mit denen machen könnte.
Man liefert ihnen die
Kühlgeräte, die effizienten.
Spart gutes Geld ein.
Das heißt, man spart noch kein
Geld ein, sondern man lässt
sich... die vermiedenen Ölkosten im
Kraftwerk praktisch zurückzahlen.
Sie kriegen kostenlos einen Kühlschrank,
also nicht einen, sondern so viele
Kühlschränke, wie benötigt werden.
Misst wie viel Strom eingespart wurde
durch die Kühlschränke indem man
den Verbrauch von altem und neuem
Gerät misst und kann dann ermitteln,
wie viel Öl das eingespart wurde.
Und das wird dann als
Gegenleistung bezahlt.
Mit einer Aufteilung des Vorteils
von der ganzen Geschichte.
Die Strompreise werden dann erhöht.
In dem Falle braucht man die
Strompreise nicht erhöhen, weil
die hoch subventioniert waren.
Das heißt, der Staat hat überhaupt nichts
eingenommen durch den Verkauf von Strom.
Das war praktisch ungefähr 1 Cent,
was die Haushalte zahlen mussten,
war etwa 1 Cent pro Kilowattstunde.
Den Staat hat es aber ungefähr 30
Cent pro Kilowattstunde in den Strom
gekostet, so in der Größenordnung.
Also von daher war das mit den
Strompreisen nicht relevant.
Zudem ist es natürlich in
sozialistischen Staaten auch nicht
so leicht, Preise zu ändern, gerade
wenn das Einkommen niedrig ist.
Und wenn Dieter gesagt hat, mit denen
hat er geredet, das war im Prinzip
die staatlichen Umweltminister von
Kuba
und so weiter.
Und es ging darum, ob das
im ganzen Land gemacht wird.
Also wir wollten es zuerst auf der
Insel Isla de la Juventud machen.
Und hatten auch schon alles vorbereitet.
Wir hatten auch schon Kühlgeräte,
die speziell hergestellt wurden
für Kubas Bedingungen, tropische
Bedingungen in diesem Fall.
War eigentlich alles soweit schon in
grünen Tüchern, aber als wir dann zu
den letzten Verhandlungen, oder als
ich da war zu den letzten Verhandlungen
mit den Kollegen, hieß es, nee, das
Projekt kann so nicht stattfinden.
Das war ein bisschen ärgerlich, bin
auch ein bisschen frustriert nach
Hause gegangen, weil es zunächst
über einen längeren Zeitraum aussah
als ob alles funktionieren würde.
Und dann hat aber eines, das Ministerium
für Außenbeziehungen hat dann Nein
gesagt und die anderen beiden.
Wir hatten schon Unterschriften
von zwei Ministerien nur das dritte
hat eben nicht unterschrieben.
Das zeigt natürlich auch wieder,
wie schwierig das ist und wie lange
man dranbleiben muss, aber dass es
dann eben auch schiefgehen kann.
Aber in dem Fall hat es ja noch
ein ganz kurioses Ende gefunden.
Also ich kannte von Dieter aus den
Erzählungen, was er da gemacht hat
und dass er gesagt hat, ja leider
ist das nicht zustande gekommen.
Und irgendwann saß ich auch mal beim
Fernsehen und sehe da eine Reportage,
dass in ganz China, Entschuldigung in
ganz Kuba die Kühlschränke ausgetauscht
werden durch chinesische Investoren.
Also das heißt, die kubanische Regierung
hat eigentlich diese Idee und die
Konzeption aufgegriffen und wollte das
aber nicht mit kapitalistischen Firmen
machen, sondern halt mit... chinesischen.
Und da gab es auch offensichtlich
spezielle Verträge.
Insofern hat Dieters Konzeption
eigentlich dann doch irgendwie gewonnen.
Und das Kuriose war, dass ich das im
Fernsehen gesehen hatte und dann Dieter
angerufen hab und gesagt hab ich habe
heute gesehen, hast du das jetzt gemacht.
Und er hat es aber aktuell auch
gar nicht gewusst, weil das
wurde er dann nicht informiert.
Danke, dass es deine Idee war.
Und so kann es auch mal laufen.
Aber letztlich geht es ja darum, ob das
dann umgesetzt wird, von wem auch immer.
Kuba hat 10 Millionen
Einwohner oder 11 Millionen.
Und die hatten also ungefähr
zweieinhalb Millionen Familien und
die haben 2,4 Millionen Kühlschränke
ausgetauscht gegen chinesische Modelle
von Haier und bezahlt mit Nickel.
Also mit Nickel-Vorräten, die
sie haben und die die Chinesen
dann dort abgebaut haben.
Ja, das war eigentlich die bessere Lösung.
Ich meine, man muss auch bedenken, ich
bin da als, ich habe das damals im Auftrag
oder ich habe die Dena dazugenommen.
Deutsche Energieagentur, um auch
ein bisschen Gewicht zu bekommen.
Als kleines Büro ÖQuadrat hat man
ja nicht so eine Durchschlagskraft.
Aber ja, von daher hätten wir
das in dem Umfang natürlich das
Projekt nicht zustande gebracht.
Wir hätten dann vielleicht
10.000 Kühlschränke geliefert
in der ersten Runde.
Aber auf jeden Fall nicht 2,4 Millionen.
Da hätten wir weder finanzieren
können, noch die Garantie geben
können, dass das Geld zurückfließt.
Kuba zählt nun nicht zu den
Staaten die flüssig sind.
Beziehungsweise man hätte eine hohe
Risikoprämie bei der Außenanstalt bezahlen
müssen, um so ein Geschäft abzusichern.
Was es ja auch wieder zeigt, wie
wichtig es ist, dass man irgendwelche
sinnvollen Finanzierungslösungen für
sowas dann auch wieder findet, ja, und
kommt auch ein bisschen zum Contracting
oder zu diesen Ideen dazu, ne.
Ich könnte mir vorstellen, dass es heute
vielleicht auch so im Zusammenhang mit
irgendwelchen auch Private Equity Firmen
oder sowas, die auf der Suche sind,
eben nach Finanzierungsmöglichkeiten,
Investmentmöglichkeiten, dass
sowas vielleicht tatsächlich
wieder funktionieren könnte.
Aber spannend, ja, wirklich.
Wir haben jetzt immer wieder auch das
Wort damals gehört und das sind ja
auch, wir reden ja auch gerade von
Projekten, die zum Teil über 20 Jahre
und so weiter zurückliegen oder in den
1990er stattgefunden haben zum Beispiel.
Da sah die Welt natürlich ganz anders aus,
aber manches ändert sich halt doch nicht.
Dieser teilweise politische Widerstand
oder doch gesellschaftlicher
Widerstand in vielleicht anderen
Bereichen außerhalb von Elektrizität.
Da kann man vielleicht sagen, naja, das
ist jetzt auf einem Weg, da passiert was.
Ist schon alles gut?
Nein, natürlich nicht.
Kriegen wir es irgendwie hin?
Wahrscheinlich.
Aber gibt es da irgendwas, was man dann
ableiten kann, so als Erfahrung vielleicht
auch noch und sagen kann, okay, wenn
man jetzt heute ein ähnlich gelagertes
Projekt zum Beispiel im Bereich der
Verkehrswende oder irgendeiner dieser
anderen Wenden vielleicht dazu nimmt,
dass man da was daraus lernen kann?
Fällt euch da was ein?
Also ich glaube, eins zu eins
kann man das nicht übertragen.
Weil bei der Verkehrswende haben wir es
eigentlich dann mit den Verbrauchern, mit
den Autofahrern in erster Linie zu tun.
Also schon nochmal mit anderen Strukturen
als wie mit Industriebetrieben.
Und ich glaube, das Beispiel, dass
der ADAC-Chef vor einigen Tagen gehen
musste, weil er gesagt hat, CO2-Handel
ist ein CO2-Zertifikate-Handel und
CO2-Steuer ist eine vernünftige Sache,
die auch dem Klimaschutz und auch
der Automobilindustrie helfen wird,
die Umstellung hinzubekommen, dass
jemand gehen muss, weil dadurch... die
Benzinpreise um 3 Cent pro Liter teurer
werden, zeigt eigentlich die Situation,
wie empfindlich die Konsumenten sind.
Wir werden es mal noch verlinken.
Die Geschichte war, dass der
ADAC dabei dann wohl ungefähr
60.000 Kündigungen kassiert hat.
Was scheinbar, ich habe es nicht
nachgerechnet, 0,3 Prozent der
Mitgliederzahlen ausmacht und pro
Jahr ungefähr 400.000 neue dazukommen.
Also eigentlich etwas, was
man leicht verschmerzen kann.
Ja das ist ein spannendes Beispiel.
Aber wir haben das in der Verkehrswende
in diesem Bereich nicht nur mit
Autofahrern zu tun, sondern auch zum
Beispiel mit Verkehrsgesellschaften
die vielleicht ihre Busse umrüsten.
Wir haben es mit vielleicht
Bahngesellschaften zu tun, die von
Diesel auf elektrisch noch umrüsten,
wobei das meiste da wahrscheinlich
schon elektrifiziert ist bei der Bahn.
Also es sind schon auch noch
mehr Themen über das Auto hinaus.
Ja genau.
Ja, aber ich glaube, was da auch noch
dazu kommt, ist dieses Zusammenspiel
von Infrastruktur, die eigentlich
aufrechterhalten muss und gepflegt
und finanziert werden muss vom Staat.
Also das betrifft die Bahnstrecken,
die Straßen, die Brücken, die Tunnel.
Und auf der anderen Seite die Verbraucher.
Und sozusagen beide sind
große Herausforderungen im
Bereich der Infrastruktur.
Sieht man ja, dass die in
den letzten Jahrzehnten total
vernachlässigt worden ist.
Das betrifft vor allem die
Bahn, das betrifft aber auch
Straßen und vor allem Brücken.
Wo man sagt, das kann ja eigentlich
gar nicht sein, dass man nach wie
vor wild neue Straßen baut, aber
nicht mal die alten Straßen und
Brücken aufrechterhalten kann.
Aber das ist sozusagen
eine große Herausforderung.
Das andere sind die Verbraucher,
das hat Dieter ja schon erwähnt.
Ein besonders eklatantes Beispiel ja
Tempolimit ist, wo man sagt, das ist
eigentlich die wunderbarste Maßnahme
viel Energie zu sparen, CO2-Emissionen
zu sparen und auch Benzin zu sparen.
Und die dritte Herausforderung, die das
auch wieder so speziell macht, ist die
dominierende Rolle in den vergangenen
Jahrzehnten von der Automobilindustrie,
die ja die Exportindustrie und sozusagen
der Wirtschaftsmotor in Deutschland war.
Und wo die
Regierung im Prinzip drauf setzt,
die müssen wir in Ruhe lassen, die
wissen von allein, was besser ist.
Aber die wissen es leider
nicht von allein oder zumindest
haben sie es nicht umgesetzt.
Und von daher sind, sagen wir mal, viele
der Maßnahmen, die erforderlich sind
und die man jetzt gerne voranbringen
muss, völlig anders strukturiert
als jetzt beim Strombereich.
Also die Bretter sind sehr viel dicker
und sehr vielzähliger in dem Bereich,
Also sie sind auch zumindest nicht dünner,
sie sind eher dicker das sehe ich auch so.
Und was sicherlich noch die
einfacheren dünneren Bretter sind,
ist die Elektrifizierung der Busse.
Das ist im Gange, da ist aber
auch so, dass da Fördermittel
vom Bund zur Verfügung stehen.
Die Fahrzeuge werden günstiger,
die Betriebskosten sind günstiger.
Das wird in den nächsten Jahren
passieren, das passiert ja.
Aber wenn es darum geht, Parkraum
zu bewirtschaften oder Autos aus
dem Straßenbild zu reduzieren, ich
will nicht sagen verdrängen, aber
einfach zu reduzieren, mehr Platz für
Fußgänger und Fahrradwege zu machen.
Das ist immer ein politisches,
hochpolitisches Thema.
Und auch da denke es Fortschritte,
insbesondere in anderen Ländern,
aber auch teilweise bei uns.
Und in Freiburg gab es vor drei
Jahren eine Initiative, die den
Radentscheid durchgeführt hat.
Und damit wesentliche
Verbesserungen für den Rad- und
Fußgängerverkehr bereits erzielt hat.
Da ist einiges geschehen.
Die Investition wurde von
jährlich 1 Million Euro auf
etwa 8 Millionen Euro angehoben.
Also da ist wirklich einiges
in Gang gekommen, wenngleich es
noch viel zu verbessern gibt.
Das ist einfach in einer autogerechten
Stadt, die umzubauen auf eine
fahrrad- und fußgängergerechte
Stadt ist auch eine Herkulesaufgabe.
Das ist ähnlich wie im Energiesektor
von Fossil auf Erneuerbar umzurüsten.
Das ist schwierig und erfordert
viel Durchsetzungsvermögen.
Es ist ja auch über
Generationen hinweg entstanden.
Das darf man ja auch nicht
vergessen und das kann man nicht
einfach alles so wieder verändern.
Was ich immer wieder spannend finde,
ist, dass wir reden ja eigentlich gerade
von Situationen in größeren Städten,
wo Menschen auch wohnen arbeiten,
vielleicht sogar an ähnlichen Orten
einkaufen und zu Unterhaltung sind.
Da ist ja viel vom öffentlichen
Raum einfach auch zugeparkt
durch private Automobile.
Das ist spannend.
Aber was ich spannend finde, ist,
das sind teilweise Gegenden die schon
vor 100 Jahren gebaut worden sind.
Vor 150 Jahren und die hatten
damals noch keine Idee von Auto
oder das ist es so viel wird.
Aber trotzdem passt es heute immer noch.
Das heißt auch, wie vielfältig
anpassbar so ein Straßenraum eben
sein kann und sich eben auch wieder
in eine andere Richtung mit zum
Beispiel weniger Autos entwickeln kann.
Ich kann mich auch erinnern, der
Oberbürgermeister in Karlsruhe hat vor
einiger Zeit mal gesagt, wir müssen
schon mal drüber nachdenken, wie wir
mehr Platz auf den Straßen schaffen
können für die Menschen, damit man
vielleicht auch mal wieder Ball spielen
kann zum Beispiel in einer Stadt.
Lebensqualität.
Und ist nicht entlassen worden?
Nein.
Komischerweise ist er sehr beliebt.
Eigentlich wäre das konsequent gewesen.
Aber das wird breit getragen, das
Thema, hatte ich den Eindruck.
Also das heißt, dickere Bretter bei den
neuen Wenden die da sind, sind zu bohren.
Hartnäckigkeit habe ich jetzt
als Thema rausgezogen, ist
da schon auch ganz wichtig.
Gute Ideen für die man möglichst, die
man plakativ auch zeigen kann, wo man am
besten auch gleich die Vorzüge beweisen
kann oder irgendwie nachrechnen kann.
Und vor allem auch natürlich Menschen,
die sich erstmal darauf einlassen,
darüber nachzudenken ob das was
wäre und nicht gleich in diesen,
das wollen wir nicht Modus gehen.
Aber es ist ein Kampf,
vielleicht ist Kampf das falsche
Wort, aber irgendwie schon.
Es sind viele, viele Vorhaben die
man an jeder Stelle wahrscheinlich
immer wieder neu führen muss.
Richtig und man muss ja auch, das
bringt mich jetzt wieder zurück zum
Schulprojekt, man muss ja auch bei den
Kindern, bei den Eltern der Kinder führen.
Wir haben im Rahmen von Schulprojekten
untersucht, wie die Kinder
zur Schule kommen, wie man die
Schulwege sicherer machen kann.
Wir haben es zusammen
mit den Kindern gemacht.
Das heißt, wir sind mit den Schülern
den Schulweg abgefahren und haben
geschaut, wo sind die Gefahrenstelle,
was kann man besser machen.
Wir haben dann eine Eingabe
in der Gemeinde gemacht.
Dann haben wir eine gemeinsame
Begehung mit der Polizei und dem
Gemeindedienst gemacht, um die
kritischen Stellen zu behandeln.
Letztendlich geht es darum, Kinder und
die Erwachsenen in diese Richtung zu
bilden, zu wissen, man kann es anders
machen und auch dafür einzutreten.
Das sind die Basics, dass man
wenigstens sicher zur Schule kommt.
Und auch das spricht natürlich dafür, dass
man beispielsweise Schulstraßen während
der Schulzeiten, sodass die Schüler nicht
bis vor das Tor gefahren werden können.
Das hat viele Vorteile.
Es ist sicherer, es ist für die
Kinder besser, wenn sie sich bewegen.
Es ist besser, wenn sie im Verbund im
Bus oder mit der Bahn zur Schule kommen.
Und natürlich ist es auch klimaschonender.
Also da ist viel zu machen, aber es
sind ebenso viele... einzelne Schritte,
die notwendig sind im Verkehrssektor
und nicht nur fossile Fahrzeuge in
elektrische Fahrzeuge umzuwandeln.
Und da ist ja noch genau der Fehler,
der bei den fossilen Fahrzeugen
gemacht wird, wird heute auch gemacht.
Die Fahrzeuge werden
noch größer und schwerer.
Alle E-Fahrzeuge, die jetzt als volle
E-Fahrzeuge gebaut werden, sind ja
deutlich schwerer als die fossilen
Fahrzeuge, wiegen zwei bis drei Tonnen.
Was zur Folge hat, dass sie
nicht effizient sind, also
sie effizienter sein können.
Sie sind zwar effizienter als ein
fossiles Fahrzeug, aber nicht effizient
im Sinne dessen was wir brauchen.
Sie sind lauter, sie haben mehr
Reifenabtrieb, sie haben mehr
Bremsabtrieb, sind einfach nicht
entsprechend unseren Umweltstandards.
Und genau diese Fahrzeuge werden
aber undifferenziert gefördert.
Und dann kommt noch dazu, dass mit
der jetzigen Förderpolitik auch
Plug-in-Hybride gefördert werden, die
zu 80 Prozent mit Motor gefahren werden.
Das heißt, wir subventionieren mit hohen
Beträgen fossilen Autoverkehr und denken,
dass wir damit Klima oder manche, nein,
die Politik weiß, dass damit eigentlich
die Industrie gefördert werden soll
und dass es nicht um Klimaschutz geht.
Aber eigentlich geht es auch um
Klimaschutz und da müsste man
entsprechend diese Mittel einsetzen,
um Fußgänger und Fahrradfahrer und
öffentlichen Verkehr zu subventionieren.
Integrativer zu sein, die Systeme auch
verbinden miteinander, andere Konzepte
zum Betrieb von Fahrzeugen zumindest in
den Städten anbieten und, und und ja.
Was mich sehr positiv stimmt in
diesem Zusammenhang, ist im Grunde
eure ungeteilte und ungebremste
Begeisterung und Energie für diese
Themen, die wir angesprochen haben.
Zum Teil auch noch weit
darüber hinausgehend.
Ihr engagiert euch an so vielen Stellen
und bringt dann natürlich auch diese ganze
Erfahrung, das Wissen mit ein, sodass
diese Wenden sich weiter wenden können.
Habt ihr ein Lieblingsprojekt, an
dem ihr jetzt weitermacht oder über
das ihr kurz sprechen wollt noch?
Ich hätte eins, aber ich möchte
noch nicht drüber sprechen.
Wunderbar, dann vielen Dank an
euch beide, dass ihr euch die Zeit
genommen habt für unser Gespräch.
Und Dankeschön für all die Dinge, die
ihr bisher zu diesem Thema gemacht habt.
Wir danken dir auch für die Anregung
und die Möglichkeit, das nochmal
aufzurühren und wiederzugeben.
Ja, war schön.
Vielen Dank.
/ Das war der Smart Innovation Podcast.
Er wurde mit einem interessierten
Publikum live aufgenommen.
Vielen Dank fürs Dabeisein und Zuhören.
Noch kein Abonnent?
Die Show ist überall zu
finden, wo es Podcasts gibt.
Weitere Informationen sind
bei klausreichert.de/podcast
Dort gibt es auch eine Übersicht
der nächsten Live-Aufnahme Termine.
Ich bin Klaus Reichert und das
war der Smart Innovation Podcast.